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Konzertbericht

Bands
My Inner Burning
Scorpions

Locations
Ravensberger Park



Datum: 17.07.2011

Scorpions in Bielefeld

When will the Scorpions break up?

Bielefeld (ml)    Das fragten sich schon die Donots. Die Antwort ist bald, sehr bald. Aber bevor es so weit war kamen die Scorpions für ein letztes Mal in ihrer Karriere noch nach Bielefeld und gaben ein Konzert im Ravensberger Park.

Fotos zum Konzert
Homepage der Scorpions
Homepage von My Inner Burning


Man kann sie mögen, man kann sie hassen! Eines muss man den Scorpions aber trotzdem lassen. Sie sind eine der einflussreichsten Bands Deutschlands und mit Sicherheit die international erfolgreichste. Ihrer Traumkarriere wollen sie im Jahr 2012 nun ein Ende setzen und sind mittlerweile seit 2010 unterwegs, um nochmal alle Städte und Bühnen zu bereisen, zu denen es sie in ihrer langen und beispiellosen Karriere hingezogen hat.
So auch Bielefeld, wo die Hannoveraner Band schon viele denkwürdige Konzerte gegeben hat. Ihr letztes sollten sie am vergangenen Sonntag im Ravensberger Park geben. Und was für ein Konzert es war.


Ein Best-Of aus 50 Jahren Rockgeschichte

Doch bevor die Scorpions mit viel Pomp und Getöse die Bühne enterten, wurde diese erstmal für ihre Vorgruppe My Inner Burning aus dem Harz freigegeben. Sie schaffen es mit ihrem Heavy Metal, der doch viel härter als der der Scorpions ist, das Eis nur schwer zu brechen. Zusammen mit ihrer Sängerin klingen ihre Songs "For the last time" und "Enemy of mine" leicht nach Nightwish. Einzig und allein die Ansagen zwischen den Liedern hätte man sich sparen können, die alle auf ein "Vielen Dank" des E-Gitarristen hinaus liefen.

Lange mussten die 4.500 Besucher des Konzertes nach My Inner Burning nicht auf die Scorpions warten, die nach einem kurzen Film-Intro mit "Sting In The Tail" auf die Bühne gingen und gleich mit Feuerwerfen und Feuerwerk los legten. Um ihren Status als größte Rockband Deutschlands zu unterstreichen wurde Schlagzeuger James Kottak an Stahlseilen mit seinem kompletten Schlagzeug in die Höhe gezogen und spielte in rund vier Metern über den Köpfen der Band ein Großteil des Sets.
Eigentlich hat die Band nur Klassiker der Rockgeschichte in die Welt gesetzt. Selbst, wer die Alben der Band nicht in- und auswendig kennt wird keine Probleme haben die Lieder falsch zuzuordnen. Schon mit "Make It Real" und "Bad Boys Running Wild" wird klar, dass es heute ein Best-Of-Konzert aus fast 50 Jahren Rockgeschichte geben wird.


Das Alter macht auch vor Rockbands nicht Halt

Dennoch merkt man der Gruppe auch ihr Alter an. Klaus Meine benutzt den Laufsteg nicht mehr so oft, wie seine beiden E-Gitarristen Rudolf Schenker und Matthias Jabs. Auch verteilte Sticks landen oft nicht mehr im Publikum, sondern nur im Bühnengraben. Dennoch posed die Band wie wild für die Digitalkameras der anwesenden Besucher. Und "Send Me An Angel" klingt dann doch danach, als ob sich Klaus Meine, der es gefühlt schafft mehrere Oktaven in einem Lied abzuklappern, dem Alterungsprozess nicht wirklich ergeben hat.

Dem Publikum merkt man einen Alterungsprozess schon eher an. Auch wenn die Band immer noch Fans im jugendlichen Alter hat, sind die meisten Anwesenden zusammen mit ihrer Band alt geworden. Leider trübt das die Stimmung im Bielefelder Publikum, die nicht so abrocken, wie man es sonst gewohnt ist und das Konzert eher ruhig genießen. Selbst bis in die vordersten Reihen hat man so noch sehr viel Platz und der vordere Wellenbrecher bleibt halb leer.

Im Song "Dynamite" wird die oft eingesetzte Pyrotechnik auf diesem Konzert dieses Mal nicht am Boden gezündet, sondern direkt an der Gitarre von Rudolf Schenker. Eine Funkenfontäne sprüht zum Abschluss des Songs hinten aus seiner Gitarre heraus und leitet das "Kottak Attack" ein. Ein fünfminütiges Schlagzeugsolo des Drummers. Zwei Minuten gehen ja noch, aber nach Einsatz von Playback-Band und teils auch Playback-Drums wirkt es leider doch irgendwann lächerlich. So genial James Kottak am Schlagzeug auch ist und so gerne man ihm zuhört. Innerhalb eines Songs klingt das interessanter, aber in dem Alter und mit dem Status, darf man sich wohl auch Dinge erlauben, die anderswo schnell peinlich wirken.
Auch "Six String Sting" ist ein solches Solo, dem Namen nach natürlich ein E-Gitarren-Solo, überraschenderweise nicht von Rudolf Schenker, sondern von Matthias Jabs, bei dem gilt, dass weniger manchmal mehr ist. So genial Jabs auch als E-Gitarrist ist, nach spätestens fünf Minuten schafft man auch mit dem besten E-Gitarren-Solo zu langweilen, dazu fehlt im Hard Rock und Heavy Metal dann einfach die Abwechslung, um noch etwas aus so einem Solo raus holen zu können.

"Big City Nights" rundet den Hauptteil des Konzertes dann ab.


Das grande Finale

Wie könnte es anders sein gehen natürlich auch die Scorpions wieder zurück auf die Bühne und geben ihre Zugabe. Die bekanntesten Songs ihrer Karriere haben sie sich für den Schluss aufbewahrt und bringen zuvor noch "Still Loving You". Das lang erwartete "Wind of Change" folgt dann noch, bei dem gerade das Publikum seine Stimmkräftigkeit noch einmal gut unter Beweis stellen kann. Wer früher nur dieses eine Lied kannte, hat sich gewundert welch harte Band die Scorpions sind. Mittlerweile hat es sich rumgesprochen und die Rockmusik der Band in vielen Köpfen verankert.

Man kann es kaum kontrastreicher machen, auf "Wind Of Change" folgt die Beschwörung des Sturms mit "Rock You Like A Hurricane", welches für den Sound der Scorpions wesentlich repräsentativer ist. Hier kann sich auch der Pyrotechniker nochmal austoben und alles, was er noch übrig hat an Feuer und Feuerwerk noch einmal verballern, bevor das Publikum mit "When The Smoke Is Going Down" und "Always Somewhere" in die Bielefelder Nacht entlassen wird.

Nach 2 Stunden Spielzeit heißt es nun auch in Bielefeld ein kleines bißchen wehmütig zu sein. Mit vielen Höhepunkten konnten die Scorpions letztmalig überzeugen. Manche Posen sollte man sich aber gerade mit zunehmendem Alter abgewöhnen, es sei denn man zelebriert den Rock'n'Roll so wie er ist. Als moderne, jung gebliebene Erscheinung internationaler Kultur.