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Konzertbericht

Bands
Casper

Locations
Stereo



Datum: 11.07.2011

1LIVE Radiokonzert mit Casper

Casper – kein Radiokonzert und kein Hip Hop

Bielefeld (m2w)    von André Siekmeier - Der Hype wächst ins Unermessliche. Gerade mal 19 Uhr durch und schon wird die Schlange vor dem Stereo länger und länger. Das wäre durchaus nachvollziehbar, wenn das hier heute ein normales Konzert wäre. Allerdings ist 1LIVE-Radiokonzert und jeder Gewinner kommt so oder so rein. Egal, denkt sich Ostwestfalen. Heute wollen alle vorne stehen. Benjamin Griffey ist ein Sohn dieser Stadt und nach seinem Umzug nach Berlin in seine alte Heimat und Herzstadt zurückgekehrt. Als Casper gilt er als Retter des Hip Hop, wir sind gespannt, wie das heute wird.

Fotos zum Konzert
Homepage von Casper


Der Druck steigt! Denn Casper lässt sich Zeit. Oh Gott, mit 8 Minuten Verspätung erscheinen endlich fünf Gestalten auf der Bühne. Ohne großes Traraa, dafür von großem Applaus begleitet. Die Atmosphäre stimmt. Die Bühne in blauem Nebel versunken, Casper springend in der Luft. Man merkt sofort dass dieser junge Mann nicht immer Hop Hop gemacht hat. Cas trägt "Kvelertak", Gitarrist Michael spielt im "Ritual"-Shirt. Das ist kein Hop Hop, das ist auch kein Radiokonzert. Das ist Punkrock pur. Hier geht es nicht um sauberes Spiel und möglichst glatten Gesang. Die Menge merkt das und rastet aus - "die Welt steht still". Das ist Bühnen Präsenz. Immer in Bewegung, alle Augen auf ihm. "Casper bumaye"! Party wie die Rockstars. Das Publikum ist voll dabei, kennt die Texte und die Crewshouts sitzen. Ostwestfalen beweist sogar Taktgefûhl und Cas entführt uns "Auf und davon". Allen Leuten denen "XoXo" zu melo und/oder dramatisch, ja zu emo ist, sollten sich das hier sehr genau anschauen. Cas kratzt und beißt, rockt und spittet dennoch tight. Er ist ein Live-Musiker, der auf der Bühne erst so richtig warmläuft.
"Hin zur Sonne" so kann man Caspers Weg beschreiben, seit er Bielefeld verlassen hat. Der erste Song der auf 1Live lief "Unzerbrechlich" spielte auf diesem Weg eine wichtige Rolle. Eben dieser Song bringt die Menge jetzt zur Ruhe. Als würd ein 3-Meter-Mann marschieren, thront Casper auf der Bühne umhüllt von Licht und Nebel. Die Liveband ist tight und obwohl die meisten der heutigen Songs nicht für eine Band geschrieben wurden, funktionieren sie sehr gut. Midtempo Schlagzeug, atmosphärische Saitenklänge und diese besondere Stimme, die die Lager spaltet. Mit dieser Mischung geht es bald in die Charts, was Casper wohl bewusst ist und ihn zu folgender Bemerkung bringt: "Ich werd jetzt Mainstream, man nein wir sind doch Anti!". Wie viel Ernst darin steckt, kann hier nicht beurteilt werden. Es geht um Musik. Es geht um "Alaska". Dieser auf der Platte schon großartige Song wird auf der Bühne noch beeindruckender. Es ist selten eine solche Intensität zu spüren, wie in den Momenten in denen Camper losbrüllt. "Tag ein Tag aus...."
Bei "Rock'n'Roll" ist dann noch etwas besonderes zu beobachten. Eine Wall of Death. Ja man. Die Welt zerbricht in zwei Teile und sprengt die Grenzen des Hip Hop. Bei "400 Job" passiert dann das Unglück! Die Snaredrum reißt und kein Ersatz ist da worst case Szenario. Also neues Fell klar machen und solange DISKO! "Propeller" auf "Alice Deejay Better Off Alone", "Ballaballa" auf "Smells Like Teen Spirit", dann MGMT ins Gesicht. So sollten Technikprobleme immer verdeckt werden. Aber die Snare ist noch nicht fertig, was nun? Einfach mal alle zusammen Moneyboy singen? Klingt nach einer Idee und das Stereo singt laut "Dreh den swag auf", sodass es sogar vor der Tür zu hören ist. Gerade als es peinlich wurde, ist die Snare endlich neu bespannt und es geht weiter. Mit der Single, dem Hit, dem 1Live-Dauerbrenner "So perfekt". Und der Bass wälzt alles, aber auch wirklich alles weg. Natürlich kann die Menge den Text und so wird der Chorus ganz souverän vom Publikum gesungen. Der darauf folgende "Grizzly Song" spielt mit den Emotionen. Es wird still, die Handycameras leuchten auf und wo wir mit der Stimmung eh in Richtung Keller fahren, dann ist Zeit für "Michael X". An dieser Stelle verzichte ich auf jeden Kommentar.

"Es war kostenlos, aber es war nicht umsonst!" Mit diesen weisen Worten verabschiedet sich Casper in die Nacht. Zum Abschied gehen dann alle Mittelfinger hoch! Und vorbei ist dieses Radiokonzert.
Noch nicht ganz! Nach endlosen Minuten gibt es nun doch eine Zugabe. Da beim ersten Durchgang das Mikrofon ausgefallen ist, muss nochmal "Hin zur Sonne" performed werden. Aber so einen Song hört man gerne noch einmal. Der vorletzte Song ist der Überraschungshit des Abends: "Elefant" klingt mit Band ungefährt 10 mal besser, als auf der Selfmadeplatte. Ein wirklich guter Track, der hoffentlich zur festen Setlist gehört. "Kein Held" ist dann der allerletzte Song dieses großen Konzertes. Für viele wird dieser Casper wohl zum Helden werden und wir werden noch viel von ihm hören - ob es euch passt oder nicht !