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Konzertbericht

Bands
Morning Parade
The Wombats

Locations
Live Music Hall



Datum: 16.04.2011

The Wombats in Köln

This is no Bridget Jones

Köln (m2w)    Tanzen, singen und feiern. So lässt sich das The Wombats-Konzert in der Live Music Hall in Köln stark vereinfachen. Dass es allein damit aber noch nicht getan ist, beweisen die australischen Beuteltiere mit Wahlheimat Liverpool wie selbstverständlich.

Fotos zum Konzert
Homepage von The Wombats
Homepage von Morning Parade


The Wombats sind derzeit eine der Bands der Stunde. Mit ihrem ersten Album "A Guide To Love, Loss And Desperation" wurden sie in England vom NME so gehypet, dass dieses hohe Chartplatzierungen erreichte, die Konzerte schnell ausverkauft waren oder in größere Hallen verlegt werden mussten. Dabei fragt man sich, wie geht es mit dieser Band weiter, war das alles oder können The Wombats die hohe Qualität ihres Debüts halten und weiter ausbauen?

3 Jahre lang ist das nun her. Der Hype ist mittlerweile vorüber. Die Band hat sich gefestigt und legt jetzt sogar einen noch besseren Start hin als mit ihrem Debüt. Beim Namen The Wombats denken nur noch Tierliebhaber und Biologen als erstes an australische Beuteltiere. Alle anderen assoziieren ihn mit dem Namen einer Band, die rein geographisch das Erbe der Beatles antrat und Liverpool dabei sehr gut weg kommen lässt.
3 Jahre sind vergangen und die Band verkauft wieder die gleichen großen Hallen, wie auf der letzten Tour aus. Neu ist, dass Radiosender die Liverpooler für Konzerte buchen. Neu ist auch, dass vom neuen Material nur sehr wenig bekannt ist. "This Modern Glitch" wird erst in zwei Wochen veröffentlicht.

Dennoch ist die Live Music Hall mit rund 2.000 Besuchern restlos ausverkauft. Dies merkt man nicht nur daran, dass es zum Hauptact allmählich keinen Platz mehr gibt, sondern auch an den Temperaturen in der Halle, die selbst am offenen Eingang nicht sinken wollen.


Höchstleistungen bei sommerlichen Temperaturen in der Live Music Hall

Morning Parade leiten heute den Konzertabend ein. Genau, wie die Wombats sind sie innerhalb einer halben Woche auch zweimal in Köln. Mit dem Unterschied, dass der Headliner an diesem Abend sein Konzert schon gespielt hat. Morning Parade folgen am Montag im Underground.
Die Band aus Essex liefert eine solide Rockshow ab. Ohne Schwächen und mit wenigen Höhepunkten. Musikalisch erinnert das ganze ein bißchen an aktuellere New Wave Bands, wie die Editors oder die White Lies.

Den Gig der Wombats sollte ihr Album-Opener "Our Perfect Disease" eröffnen, wie schon auf der Tour zuvor, als der Album-Opener "Boys, Girls & Marsupials" auch zum Konzert-Opener wurde. Das Publikum ist jetzt schon voll mit dabei und überraschenderweise sogar textsicher. Richtig aus dem Häuschen sind die anwesenden Fans jedoch erst mit "Kill The Director". Schon ein Klassiker der Band, obwohl diese erst zwei reguläre Alben veröffentlicht hat. Textzeilen, wie "This Is No Bridget Jones" sind bezeichnend für die Ironie, die manchmal in den Texten der Band mitschwingt, so bezeichnend, dass auch die Fans Plakate mit solchen Textzeilen in die Luft strecken.

Die Band versteht sich nicht nur darin Hits am laufenden Band zu schreiben, sondern auch auf Abwechslung. Nur selten findet mal ein Walzer Einzug in die moderne Rockmusik: "Party In A Forest" übernimmt bei den studierten Musikern aus Liverpool auch diese Funktion.
Das Publikum weiß, wann es was zu machen hat. Es wird mitgeklatscht, mitgesungen, mitgetanzt und wahlweise auch mitgegrölt. Die Lieder geben es her. The Wombats feiern sich und feiern auch alle anderen. Da fällt dann auch nicht auf, dass Bassist Tord an einer Erkältung leidet. Die wird auf der Bühne einfach weg gerockt. Denn genau dort herrscht mindestens genauso viel Bewegung, wie im Publikum. Angesichts der gefühlten 40 Grad in der Live Music Hall eine große Leistung beiderseits.


Ein gutes, aber viel zu kurzes Konzert

Und so manövrieren sich die Band und das Publikum vorbei an Songs vom alten Album, wie "Patricia The Stripper", "Here Comes The Anxiety" oder "Backfire At The Disco" vom alten Album über "Techno Fan", "Schumacher" oder "1996" bis hin zu den Dancefloorkrachern. "Moving To New York" ist so einer, der noch einmal das komplette Publikum in der Live Music Hall fordert und sich verausgaben lässt. Auch "Tokyo" vom aktuellen Album fordert das Publikum, darf aber auch nicht kommentarlos über die Bühne gehen. Spätestens hier ist es, wie so oft in den letzten Wochen auf den Bühnen dieser Welt gesehen, Zeit auch ein paar Worte über die immer noch aktuelle Katastrophe in Japan zu verlieren. Die Band hat dort ganz besondere Wurzeln. Ihre ersten zwei Platten, die hinterher für "A Guide To Love, Loss And Desperation" heran gezogen wurden, sind nur in Japan veröffentlicht worden.

"Tokyo" ist nicht nur die erste Single des zweiten Albums sondern auch das letzte Lied des Hauptsets an diesem Abend. Es ist klar, dass die Zugabe Verhandlungssache ist, das Publikum, welches schon zuvor sehr gut mitgearbeitet hat, aber eine sehr gute Verhandlungsposition hat.
Mit "Anti-D" geht es zurück auf die Bühne, ehe der eigentliche Höhepunkt kommt: "Let's Dance To Joy Division". Der bekannteste Song der Band, der Song mit dem die Wombats aus Liverpool berühmt geworden sind und seitdem in jeder Indie Disco mindestens einmal am Abend gespielt werden. Eine Hymne an die Ironie, denn bekanntlicherweise kann man zu Joy Division nicht tanzen. The Wombats würde man jedoch sofort abnehmen, dass sie dazu tanzen können. Gläser werden heute nicht unbedingt erhoben, denn diese werden nicht verteilt an der Bar, dafür nimmt die Band noch einmal ein Bad in die Menge ehe nach sehr kurzweiligen 75 Minuten das Konzert schon beendet ist.

Für die Konzertbesucher heißt es nach dem Konzert nun "Should I Stay Or Should I Go". Die meisten entscheiden sich für die zweite Option, wenige bleiben noch zur After-Show-Party mit Freibier, die nach dem Konzert folgt. Ein Konzertabend, der als einzigen Tiefpunkt die kurze Spielzeit des Hauptacts hatte. Gut gewählt war die Setlist, die fast alte und neue Lieder im Wechsel hatte.