Home

Taglist:

Allgemein
Konzertbericht

Bands
Erik Penny
Madsen

Locations
Ringlokschuppen



Datum: 06.11.2010

Ihr seht fantastisch aus - Madsen in Bielefeld

Bielefeld (ml)    Madsen sind live immer wieder ein Highlight. Zum fünften Mal spielten sie am vergangenen Samstag in Bielefeld. Zum vierten Mal nun schon im Ringlokschuppen. Pro Album mindestens einmal.
Dieses Mal wurden sie vom Wahlberliner Erik Penny und seiner Combo begleitet.

Bilder zum Konzert
Interview mit Madsen
Homepage von Madsen
Homepage von Erik Penny


Schon vor dem Konzert kann die Band den Abend als Erfolg verbuchen. Das Konzert findet wieder in der großen Halle des Ringlokschuppens statt und damit an eigentlich gewohnter Stelle für Madsen.

Doch bevor die mittlerweile sechsköpfige Band auf die Bühne kommt, darf erstmal eine Band mit der Hälfte an Personal auf die Bühne: Erik Penny und Band.
Erik Penny konnte schon andere Musiker, wie zum Beispiel Ronan Keating, Milow oder Runrig begleiten. Derzeit ist er als Support auf der Madsen-Tour mit dabei.

Da steht er nun also mit seiner schwarz umrandeten Brille, Gitarre in der Hand und Mund vorm Mikrofon und stimmt das erste Lied mit seinem Bassisten und seinem Schlagzeuger an. Sonne geht im Ringlokschuppen auf. Der Song klingt nach Jack Johnson, nur ohne Surfbrett.
Irgendwo kein Wunder: Erik Penny kommt eigentlich aus Los Angeles, seine Wahlheimat ist nun aber Berlin. Dementsprechend gut sind auch seine Lernfortschritte in der deutschen Sprache. In perfektem Denglisch kommuniziert er zwischen seinen Songs mit dem Publikum, welches sich vom ersten Ton an so in seine Musik verliebt hat, dass zwischen den Songs teilweise das Klatschen vergessen wird.

Der charmante Sänger weiß zu überzeugen. Mit typischem Indie-Pop, der Marke "heute lassen wir uns wieder von Bob Dylan beeinflussen", samt stilechter Akkustikgitarre spielen sich die drei Musiker durch das Set, dessen Höhepunkt "Under The Gun" sein wird, welches die Band zusammen mit Madsen und dem Publikum performed.

Eine halbe Stunde nach dem pünktlichen Beginn um 8 Uhr geht es in die Umbaupause, die eine weitere halbe Stunde dauern wird. Dann geht das Licht aus, die Länge des Intros erscheinen und Madsen kommen mit dem energiegeladenen "Das muss Liebe sein" auf die Bühne.
Energiegeladen ist ein gutes Stichwort. Denn so sollte der gesamte Abend sein. Energie ist allerdings auch eines der Themen des heutigen Abends. Madsen kommen aus dem Wendland. Zum Wendland unterwegs ist an diesem Abend ein Castor Transport, der Atommüll in das Atommülllager Gorleben bringen soll. Um sich mit den eigenen Leuten zu solidarisieren und auch Protest auszuüben ist die Bühne mit einem Gorleben-Schild und einer Fahne der Anti-Atomkraft-Bewegung dekoriert.
Schnell spielen sich Madsen in Richtung Klassiker und Hits: Es folgen "Ja oder nein" und "Ein Sturm". Das Publikum ist von der ersten Minute an vollständig da. Bei allen anderen Bands könnte man sogar meinen, dass diese zu Anfang schon ihr gesamtes Pulver verschießen, nicht so bei Madsen, die immer noch mehr Kohle ins Feuer schaufeln und verheizen.
Auch Sänger Sebastian ist wieder voll da. Durch einen Sturz aus 5 Metern Höhe zum Videodreh "Lass die Liebe regieren", bei dem sich Sebastian Madsen verletzte, musste die Tour verschoben werden. Dies kommentiert er mit: "Ich bin wieder hergestellt.". Es folgt der entsprechende Song, zu dem sich Sebastian verletzt hat, dieses Mal nicht mit ihm in 5 Metern Höhe sondern mit Konfettimaschinen in 5 Metern Höhe.
Aber auch Balladen, langsame Lieder sind Madsens Stärken. Zu "Zwischen den Zeiten", welches an eine langsame Version von "Sympathy for the devil" erinnert, wird das Publikum aufgefordert alle verfügbaren Leuchtmittel in die Luft zu strecken. Der Saal wurde so hell erleuchtet.
Aber auch ein wenig Thrash muss sein bei so einem hochqualitativen Konzert. Der Hit "Perfektion" vom ersten Album wird vom Howard Carpendale-Cover "Hello Again" eingeleitet. Und weil die "Perfektion" so toll ist und Schellenkränze so billig, kommt heute ein Fan in den Genuss einen mit nach Hause zu nehmen. Jedoch nicht ohne eine Bedingung: "Wer das fängt, muss das Konzert durchspielen."
Aber auch Komplimente an das Publikum werden genügend weiter gegeben: "Ihr könnt gut singen, ihr könnt gut springen, ihr seht fantastisch aus." Es folgt ein lauter Knall, die Bühne ist eingehüllt in Konfetti und "Panik" vom ersten Album wird gespielt.

Madsen haben im letzten Jahr einen großen Personalwechsel hinter sich. Folkert "Folli" Jahnke ist aus der Band ausgestiegen, dafür ist Lisa Nicklisch hinzugekommen. Durch die Verletzung von Sebastian Madsen gibt es jetzt live auch noch einen weiteren E-Gitarristen. Diesen Personalwechsel könnte live kein Lied besser charakterisieren als "Kein Mann für 1 Nacht". Anders als bei allen anderen Liedern verschwindet Sebastian hier von der Bühne und Bruder Johannes darf singen.
Im Gegensatz zum letzten Auftritt der Band in der kleinen Halle, bei dem alle mitsingen konnten, sah man jetzt in der großen Halle jedoch im Publikum zunehmend fragende Gesichter. Der Song ist auf keinem Album erschienen.

Was nun folgte ist eines der Highlights dieses Konzertes. "Where is my mind?" performed by Madsen, written by the Pixies. Eine Fußnote der Rockmusik. Und ein fantastisches Cover der Band. Und da macht es auch nichts, dass bei Sebastian heute alles schief geht, dass sein Monitor und seine Gitarre den Geist aufgeben. Er freut sich, wie ein Kind, über das tolle Publikum am heutigen Abend.
Und dennoch merkt man der Band an, dass sie auch gerne woanders wären. Im Wendland, bei den Protesten gegen die Atomkraft, die in diesen Tagen durch den Castor Transport und die AKW-Zeit-Verlängerung neu aufgeflammt sind. Im Ringlokschuppen wird der kleine Protest geübt, mit Fahne und Banner. "Du schreibst Geschichte" folgt, ein Lied was für diesen Augenblick nicht perfekter hätte passen können. Und als ob dieser Protest auch im Publikum angekommen ist: Man sieht die Leute eine Wall of Death durchführen. Woanders normal, auf einem Madsen-Konzert doch noch außergewöhnlich.

Es folgt der Zugabenteil, der durch "Labyrinth", Name des Albums und der Tour, eingeleitet wird. Gefolgt vom Madsen-Klassiker "Vielleicht".
Höhepunkt des Zugabenteils wird die Ballade "Obenunten", bei der neben Sebastian auch noch Lisa singt, zumindest auf dem Album. Auf der Bühne wächst die Band auf die stattliche Anzahl von 9 Personen, weil sich Erik Penny samt Anhang dafür revanchiert, dass zuvor Madsen bei Erik Penny auf der Bühne mitgespielt haben.

Mit "Nachtbaden" geht es nun endgültig in den wohl verdienten Feierabend beziehungsweise in die Autogrammstunden am Merchandise-Stand mit den Fans.

Madsen sind immer ein Garant für gute Konzerte. Mit dem Wechsel von der kleinen in die große Halle geht der Trend nun auch wieder im Live-Bereich nach oben für die Band. Man gönnt dem sympathischen Team ihren Erfolg und man merkt, dass die Band so am Boden geblieben ist, dass sie sich auch nach einem Konzert nicht zu schade sind, mit ihren Fans zu sprechen. Um es mit den Worten von Sebastian zu sagen: Fantastisches Publikum, fantastische Band, fantastisches Konzert.