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Allgemein
Konzertbericht

Bands
Chuck Ragan
Sharks
The Gaslight Anthem

Locations
E-Werk



Datum: 26.10.2010

Was The Gaslight Anthem mit Ölsardinen zu tun haben

Köln (m2w)    von Vanessa Vinnemeier

Am Dienstag, den 26. Oktober gaben sich The Gaslight Anthem die Ehre, im Kölner E-Werk ihr neues Album zu promoten. Nach einer langen Tour über die Festivals in Europa und Amerika im Sommer machen die Jungs keine Pause, sondern hängen eine europa- und amerikaweite Tour dran.

Bilder zum Konzert
Homepage von The Gaslight Anthem
Homepage von Chuck Ragan
Sharks bei MySpace


Kurz nach sieben öffneten sich relativ pünktlich die Tore des E-Werks, Leute strömten und strömten. Zunächst sah es dennoch sehr entspannt aus. Die große Empore und auch die ersten Reihen der Halle füllten sich, die Menge versorgte sich mit Getränken und sah dem Abend euphorisch entgegen. Immerhin gab es viel zu sehen: Zuerst Sharks, als zweiten Support konnten The Gaslight Anthem Chuck Ragan für sich gewinnen, und last but not least sollten sie selber die Bühne stürmen.

Die Halle füllte und füllte sich weiter, das Treiben war immer größer, die Menge wuchs, teilweise konnte man sogar beobachten, dass die Leute ungeduldig wurden und etwas irritiert waren, dass es wirklich so voll ist. Klar, man wusste schon im voraus dass die Halle ausverkauft sein wird, auch nachdem sie aus der Live Music Hall ins E-Werk verlegt worden ist. Aber das wirklich so viele Leute in diese Halle passen sollten, war in den Augen vieler Leute eine wirkliche Fehlplanung. Trotz allem versuchte man, einen guten Platz zu ergattern und diesen auch möglichst nicht mehr herzugeben, bis auf der Bühne endlich etwas zu sehen war.

Nach langem Warten betraten 4 schlaksige Jungs in engen Röhrenjeans und Hemden die Bühne, verteilten sich auf zwei Gitarren, einen Bass und das Schlagzeug. Das waren also Sharks - vier Junge Männer aus Großbritannien die sich zwischen Punk und melodischem Rock bewegen. Die Songs waren stimmig, gingen gut ins Ohr und die ersten Füße und Köpfe wippten mit dem Takt. Gewisse Zeilen blieben sofort im Ohr, sodass man sich auch nachher noch gut an ihren Stil erinnern konnte. Die Leute waren zufrieden mit dem, was sie da geboten bekamen, aber eine richtige Euphorie kam eher langsam auf, da sich die Band vielleicht noch mehr von anderen Bands in der Spate abheben müsste, um richtig zu begeistern. Dennoch wurden Sharks mit gutem Applaus belohnt und verabschiedeten sich nach einer guten halben Stunde dankend von der Bühne. Nach dem Auftritt hüpften die Jungs dann selber eigentlich die ganze Zeit durchs Publikum oder zum Merchandise-Stand, um die Atmosphäre wirken lassen zu können.

Nach einer weiteren halben Stunde enterte ein großer Mann, der etwas von seinem Handwerk versteht die Bühne: Chuck Ragan. Bestückt mit einer Akustik-Gitarre und einer Mundharmonika, im Schlepptau Jon Gaunt, der ihn auf der Geige begleitete. Der Leadsänger der Band Hot Water Music gab sich die Ehre sein Soloprogramm in einem kurzen Ausschnitt vorzustellen. Jetzt konnte man die wahre Begeisterung spüren: die Fans waren textsicher und begleiteten Ragan bei jedem Song mit einem lauten Chor. Scheinbar waren viele nicht nur wegen The Gaslight Anthem hier, vielleicht sogar teilweise eher, um Ragan bewundern zu können. Der Sänger aus Gainesville widmet sich solo eher der folkloristischen Musik und begleitet sich dazu auf seiner Akustik-Gitarre, eben richtig handgemachte Musik. Eine enge Verbindung zu The Gaslight Anthem war ohnehin gegeben: schließlich spielte Ragan auch schon zusammen mit Brian Fallon. Das Set war für einen Support relativ umfangreich, der Musiker spielte eine gute dreiviertel Stunde. Nach seinem Auftritt folgte ein riesiger Applaus, die Menge war völlig begeistert und die Stimmung stieg immer mehr an, immerhin kam nun der Hauptact des Abends.

Gegen zwanzig vor zehn dann verdunkelte sich die Halle zum dritten Mal, die Band betrat nach und nach die Bühne und sammelte schon vor den ersten Tönen die ersten euphorischen Schreie und lautes Klatschen. Als Opener hallten die ersten Töne von “High Lonesome” durch die Halle und es dauerte keinen Bruchteil von Sekunden, bis die Menge sich bewegte und lauthals mitsang oder auch grölte. Das Set von The Gaslight Anthem war geprägt von vielen Songs die ein hohes Tempo anschlugen. Immerhin sind sie dafür auch bekannt, die meisten Songs der Alben sind temporeich und am Besten in einer Lautstärke hörbar, die die normale Grenze überschreitet. Somit live also beste Vorraussetzungen!

Dennoch war das Set so ausgeklügelt, dass den Fans hin und wieder auch ein paar Minuten Verschnaufpause gegeben wurden, so wurden auch wenige langsamere, teilweise balladenartige Songs, wie “The Queen Of Lower Chealsea”, auf die Setlist gesetzt. Einige Highlights kamen vor allem vom ersten und auch zweitem Album der Jungs: so wurde bei “1930“, “We Came To Dance”, “Great Expectations” oder “Film Noir” das Publikum teilweise so laut, dass man Brian Fallons Lippen zwar folgte, je nachdem wo man stand, aber nichts mehr von seiner Stimme hören konnte. Bei “The ‘59 Sound”, dem letzten Song des Sets, war die Stimmung auf dem wirklichen Höhepunkt - nach jedem Song pushte sich das Publikum weiter hoch, was sich auch an den gefühlten 40 Grad mit einem Feuchtigkeitsgehalt von 90% in der Luft bemerkbar machte. Nach sage und schreibe 20 Songs also verbeugten sich die Jungs aus Gainesville und verließen die Bühne unter Toben, Johlen und Applaudieren.

Natürlich gab es auch noch eine Zugabe: weitere fünf Songs wurden zum Besten gegeben, darunter natürlich auch ihr momentan erfolgreichster Hit “American Slang”. Auch die Klänge von “Say I won’t” füllten die Halle, sogar mit einem kleinen Ausschweifer zum legendären “House Of The Rising Sun”. Nachdem dann noch “Here’s Lookin’ At You, Kid” und “The Backseat” ertönten, war endgültig Schluss.

The Gaslight Anthem hinterließen eine Menge, die ihre Musik noch lange feierten, eine Menge die total betrunken vor Glück war, eine Menge die nass wie nach einem Regenschauer war, eine Menge die leider, leider nicht einmal komplett in die Halle passte. Das also hat The Gaslight Anthem mit Ölsardinen zu tun: sie erlebten beide ein wahnsinnig geniales Konzert im E-Werk zu Köln.