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Konzertbericht

Bands
LaBrassBanda

Locations
Philharmonie



Datum: 13.10.2010

LaBrassBanda - Blasmusik und bläcke Fööss in der Kölner Philharmonie

Köln (m2w)    von Petra Hetfeld und Sven Droste

Die Mischung ist recht ungewöhnlich, LaBrassBanda und die ehrwürdigen Hallen der Kölner Philharmonie. Wenn man die Fünf aus dem Chiemgau schon einmal bei einem Konzert, egal ob live und in Farbe oder Daheim am Bildschirm, gesehen hat, weiß, dass sich dies schwer mit dem klassischen Bild eines Tempels der ernsthaften Musik übereinbringen lässt. Aber es ist möglich und am 13. Oktober war es so weit. LaBrassBanda gaben ihr allererstes Konzert in einer Philharmonie.

Bilder zum Konzert
Homepage von LaBrassBanda


Dass dieser Abend etwas Besonderes sein sollte, zeigt sich schon am Eingang. Wo sonst sehr bestimmt auftretende, meist in schwarz gekleidete Sicherheitsdienstler die Eintrittskarten und gegebenenfalls auch Taschen und Körper kontrollieren, verrichtet das zuvorkommende, in blaue Uniformen gekleidete Personal der Philharmonie seinen Dienst und steht hilfreich bei Fragen zur Lokation zur Seite. Nach dem Betreten der Philharmonie können jedoch noch nicht sofort die Plätze eingenommen werden, denn die Tore zu der eiligen Halle sind noch verschlossen. Etwas Zeit, im Foyer die anderen Gäste zu beobachten.

Das Publikum ist sehr gemischt. Menschen aller Altersstufen und Kleidungsstile sind gekommen, um sich die fünf Bayern anzuschauen. Von einem akustischen Signal begleitet, öffnen sich dann auch die Türen und die Wartenden strömen in den Konzertsaal zu ihren ausgewiesenen Sitzplätzen. Die Zeit bis zum Beginn des Konzertes wird dann mit für die Philharmonie wahrscheinlich eher ungewohnter Musik überbrückt. Dendemann, ein wenig Reggae und andere Künstler der deutschen Sprechgesangszene sind zu hören.

Als es endlich los geht ist es kurz nach 20 Uhr. Sepp (Stefan Dettl, Trompete), Hans (Andreas Hofmeir, Tuba), Manu (Manuel Winbeck, Posaune), Olli (Oliver Wrage, Bass) und Yossarian (Manuel da Coll, Schlagzeug) kommen barfuß auf die Bühne und lassen sich von der beeindruckenden Kulisse begeistern. Blasmusik der etwas anderen Art erfüllt den Raum und auch die Herzen der Zuhörer. Spätestens nach dem dritten Lied sind aus den Sitzreihen Stehreihen geworden. Sepp ist ein wahrer Entertainer, nimmt das Publikum mit, gibt Anekdoten zu den Liedern zum Besten. Er kokettiert mit seinem schlechten Hochdeutsch und vergewissert sich, ob man ihn wirklich versteht. In den meisten Fällen klappt das auch gut, nur einmal, etwas später im Programm, sagt er etwas, das das Publikum nicht zu verstehen scheint. Möglichst deutlich und langsam, aber doch mit breitem bayrischen Akzent wiederholt er dann "Ich sing es vor und ihr singt es dann nach!".

Ungewöhnlich für ein Rockkonzert ist auch das, was nach ungefähr der Hälfte des Programms kommt. Es ist die Pause, die bei Veranstaltungen in der Philharmonie üblich ist. Die Musiker verschwinden von der Bühne und alle anderen streben aus dem Konzertsaal, um sich mit Sektchen, Bierchen oder etwas nicht Alkoholischem zu erfrischen. Nach kurzer Zeit ertönt dann wieder ein Signal, das darauf hinweist, schleunigst wieder die Plätze einzunehmen, denn es folgt der zweite Teil. Nach der Pause bleiben einige wenige Plätze jedoch leer, ob ihre Besitzer Abo-Karteninhaber waren, die sich unter bayrischer Blasmusik etwas anderes vorgestellt haben, bleibt wahrscheinlich für immer ungeklärt.

Es braucht nicht viel, die Begeisterung von vor der Pause wiederherzustellen und die Dinge nehmen ihren Lauf. LaBrassBanda ziehen Blaskapellen gleich einmal durch die Zuschauer, bis in den obersten Rang und wieder zurück geht die Reise. Sepp entfacht einen Sängerwettstreit zwischen den Gästen vor der Bühne und denen in der Chorempore hinter der Bühne und bei der Zugabe gibt es noch einen Bayrisch Crashkurs. Nach ein wenig üben geht die Zeile "Wanna mir zwoa zamma stehn, samma zwoa Hälftn oar Problem. Am Anfang woars echd hammerscheee un dann hoast du ogfangd zum Redn" auch dem Kölner Publikum recht leicht über die Lippen.

Blumen für die Musiker und Klatschmarsch bitte. Als Resümee bleibt festzuhalten: Klasse Band, geniale Musiker, die mit ihrer doch außergewöhnlichen Musik, einer Mischung, die irgendwo zwischen Punkrock, Polka, Dub und Ernst Mosch liegt, selbst das "gesetzte" Publikum der Philharmonie zu tanzen bringt. Wobei LaBrassBanda in einem Club mit direktem Kontakt zum Publikum bestimmt noch heißer sein können.

25.10.2010 Bamberg / Konzert- und Kongresshalle Bamberg
19.11.2010 Wien (AT) / WUK
26.11.2010 Zwickau / Alter Gasometer
27.11.2010 Dresden / Reithalle Dresden
29.11.2010 Leipzig / Werk II
11.01.2011 Erlangen / E-Werk