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Konzertbericht

Bands
Tocotronic

Locations
Rosenhof



Datum: 20.10.2010

Tourauftakt zur Tocotronic-Herbsttour in Osnabrück

Osnabrück (m2w)    Am 20. Oktober starteten Tocotronic in Osnabrück ihre Herbsttour. Mit dabei nicht nur Lieder vom neuen Album "Schall und Wahn" sondern auch zahlreiche Klassiker aus den älteren Jahren der Band.

Bilder zum Konzert
Homepage von Tocotronic


"Hallo Osnabrück!" - mit einem der typischsten Dirk von Lowtzow-Sätzen wird das heutige Konzert im Rosenhof eingeleitet. Laut Dirk von Lowtzow "ein sehr schöner Saal". Eine Vorgruppe gibt es nicht. Dafür verzieren Pokémons die Verstärker.

Nach dem Ende dieser kurzen Begrüßung erklingen auch direkt die Töne von "Eure Liebe tötet mich" und es ist klar auf welcher Tour man sich befindet. Auf der "Schall und Wahn"-Tour 2010.
Mit dem selben Lied, wird auch das gleichnamige Album dieser Band eingeleitet, die über die Jahre hinweg ruhiger und erwachsener geworden ist.

Ruhiger sind allerdings nicht die Konzerte geworden. Diese sind genauso energievoll und druckgeladen, wie es für Tocotronic halt geht. Musikalisch kann die Band live sogar noch besser überzeugen als auf Platte, da die Musiker die ihre Instrumente in ein abgerundetes, aber keineswegs überproduziertes Klangbild einfügen, wahre Meister in ihrem Handwerk sind.

Nach einem weiteren Lied des aktuellen Albums "Die Folter endet nie" ging die Reise durch das Tocotronic Repertoire in die Vergangenheit. Es folgten "Verschwör dich gegen dich" und "Sag alles ab" vom Album "Kapitulation". Gerade "Sag alles ab" ist mit dem Punk, der mit drin ist in diesem Lied ein Aushängeschild der Herkunft dieser Band. Links, gegen das Establishment, gegen Nationalismus und für ein bißchen mehr Anarchie. Wie heißt es in einem Lied von Tocotronic, welches heute Abend nicht gespielt wurde so schön: "Pure Vernunft darf niemals siegen."

Dafür geht es weiter in die Vergangenheit der Band: "This boy is Tocotronic". Einer der ersten großen Hits der Band. Auch wenn "Let there be rock", welches später noch gespielt werden sollte vorher erschien, hat sich die Band damit zum ersten Mal, auf Grund des gut platzierten Titels auch einen Namen auf Dauer gemacht. Tocotronic war ein Begriff, Tocotronic war in aller Munde, Tocotronic kannte man seitdem halt.
Und genauso schien auch das Publikum zu reagieren, welches eher die Klassiker als die aktuellen Lieder mitzusingen vermag.
So zum Beispiel "Jungs hier kommt der Masterplan" vom Erstlingswerk "Digital ist besser", welches 1993 erschienen ist. In Musikerjahren gerechnet definitiv ein Dinosaurier deutscher Rockgeschichte. Das Erstwerk der Band kommt generell sehr gut bei den Fans an. Auch "Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit" vom gleichen Album wird vom Publikum gefeiert.

Genauso wie "Drüben auf dem Hügel" und "Let there be Rock" können die Klassiker das Publikum vor allem zum Tanzen und Mitsingen animieren. Die neueren Lieder sind aber auch langsamer als die alten und laden deswegen zum andächtigen Lauschen ein. Die Rolle wird beiderseits vom anwesenden Publikum gut wahr genommen, so dass zu "Let there be Rock" sogar ein Crowdsurfer zu sehen ist.

Nach über einer Stunde verabschiedet sich die Band dann zum ersten mal von der Bühne. Die Gitarren an den Verstärker gelehnt, Rückkopplungen erzeugend, verlangte das Publikum nach der ersten Zugabe: "Mein Ruin". Es folgten noch "Ich bin viel zu lange mit euch mitgegangen" und "Freiburg", bevor die Band abermalig verschwand, um sich dann mit "Im Zweifel für den Zweifel" endgültig von der heutigen Bühne zu verabschieden.

Der Tourauftakt ist in Osnabrück definitiv gelungen. Auch wenn der Rosenhof nicht ausverkauft war, konnte man gerade dem gemischten Publikum ansehen, dass sie mit den Darbietungen der Band auf der Bühne heute Abend sehr zufrieden waren. Vielleicht nicht rundum zufrieden, denn nach 17 Jahren Tocotronic kann es natürlich sein, dass gerade das eine Lieblingslied nicht in der Setliste auftaucht.