Home

Taglist:

Allgemein
Konzertbericht

Bands
Ikaria
Superpunk

Locations
JZ Kamp



Datum: 24.09.2010

Superpunk auf Tour

Super Punk im Bielefelder Kamp

Bielefeld (bf)    Es ist Freitag, der 24.09.10 und die Band Superpunk lädt zu ihrer „Die Seele des Menschen unter Superpunk“ Tour ein. Es dürften wohl schon viele Menschen irreführende Assoziationen dank des Bandnamens gehabt haben. Fakt ist, wer heute die härtesten und schnellsten drei Akkorde erwartet, die das eigene Ohr je gehört hat, liegt in jedem Fall falsch! Das Bielefelder Publikum hat seine Hausaufgaben gemacht, die Zahl der Unwissenden scheint an diesem Abend verschwindend gering zu sein, denn statt Irokesen Frisuren tummeln sich junge und alte „Normalos“ im Publikum. Begleitet werden Superpunk von Ikaria.

Bilder zum Konzert
Homepage von Superpunk
Homepage von Ikaria


Es ist 21.10 Uhr, die Nebelmaschinen arbeiten was das Zeug hält und lassen die Bühne beinahe komplett verschwinden. In rotes Scheinwerferlicht getaucht erklingt das Intro und Ikaria kommen auf die Bühne. Die Band hat den weiten Weg aus Berlin auf sich genommen, um dem Bielefelder Publikum ihre Musik zu präsentieren. Es ist noch relativ leer im Kamp, das Publikum zeigt sich von der schüchternen Seite und nimmt zunächst im hinteren Teil des Kamps ihren Platz ein. Das Set wird mit „Parabolic“ von der aktuellen Platte „Luxembourg“ eingeläutet. Zu Beginn fällt es dem Quartett schwer, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Das Publikum klatscht zwar höflich nach jedem Lied, ja die Leute bewegen sich sogar näher Richtung Bühne, doch der Funke will nicht so recht überspringen. Das ändert sich schlagartig, als „Transmitter“ gespielt wird, ein Lied das echten Ohrwurmcharakter hat, lässt das Publikum aus der eigenen Bewegungsstarre erwachen. Vielleicht wurde das Auditorium vorher einfach nur durch den starken Nebel zu sehr eingelullt, um sich noch zu bewegen.
In 30 Minuten nehmen Ikaria die Besucher mit auf eine musikalische Reise Richtung „Luxembourg“, einzig als das Lied „Ease“ gespielt wird, geht man die in Vergangenheit und damit zur Vorgängerplatte.

Es folgt die Umbaupause für Superpunk. Das Kamp hat sich inzwischen zusehends gefüllt. Das Publikum erstreckt sich vom jugendlichen Konzertbesucher bis hin zu Erwachsenen im besten Alter. Dementsprechend ist auch der Alkoholausschank von Bier bis Wein.

Um 22.10 Uhr kommen schließlich Superpunk auf die Bühne. Die Band aus Hamburg und München legt gut gelaunt direkt mit „Das Feuerwerk ist vorbei“ aus dem aktuellen Album „Die Seele des Menschen unter Superpunk“ los. Doch eigentlich stimmt das gar nicht, denn vorbei ist hier noch lange nichts. Zugegebenermaßen es dauert, bis sich die Stimmung im Publikum auf ihrem Höhepunkt eingefunden hat, doch nachdem sich die ersten Tänzer gefunden haben, dauert es nicht lange, bis der Rest mitzieht. Das ist auch kein Wunder, denn Sänger Carsten gibt extra die Ansage „Fotografen kommt bitte auf die Bühne zum fotografieren und lasst uns gut aussehen. Dann ist die Tanzfläche für das Publikum eröffnet“. Spätestens mit dem Ohrwurm „Carsten ist mein Name“ steht dann auch niemand mehr still. Wer sich übrigens immer noch fragt „Ja was machen Superpunk denn nun für Musik, wenn es kein Punk ist?“ dem soll geholfen werden. Nach eigener Aussage ist es fetzige Beat Musik, kombiniert mit einem Schlag Oldie und einer Prise Indie. Noch Fragen?

Gerne wird in den Liedern eine textliche Brücke zu ihren Heimatorten geschlagen, so geschehen bei „Hamburg ist der Platz für dich“ und „Parties in München“. Letzteres wird mit jeder Menge Humor angekündigt „Wenn wir das Lied spielen, werden wir immer mit faulem Obst, abgelaufener H-Milch und halben Gehwegplatten beworfen. Wir trauen uns nur, es zu spielen, weil das Bielefelder Publikum so tolerant ist.“ Toleranz hin oder her, es gibt jedenfalls keine Gegenstände die Richtung Bühne geworfen werden.

Doch was wäre ein Konzert ohne technische Probleme? Per Random wird wohl auf fast jedem Konzert ein Instrument ausgewählt, das nicht richtig funktionieren wird. Am heutigen Abend ist es das Keyboard. Doch eine erfahrene Band weiß damit umzugehen, so wird gewitzelt, dass sich das Keyboard leider bis zum Ende der Tour komplett auflösen wird. Da Bielefeld die letzte Station vor dem Tourfinale ist, ist es nur die logische Konsequenz, dass es nicht mehr so richtig einsatzbereit ist. Doch zum Glück gibt es den Techniker, der das Keyboard überreden kann, den Geist noch nicht ganz aufzugeben. Und so sind pünktlich zu „Das waren Mods“ alle technischen Probleme behoben.

Es folgen noch viele weitere Hits aus der 14 jährigen Erfolgskarriere der Band um Sänger Carsten Friedrichs. Das Publikum freut sich über „Neue Zähne für meinen Bruder und mich“, „Ich weigere mich aufzugeben“, „Tu einfach dein bestes mach dir keine Sorgen“ und „Allein in eisigen Tiefen“. Letzteres wurde durch mächtig aufgepeppt als Keyboarder Thies Mynther seinen Standard Platz verlässt und sich in der Mitte der Bühne einfindet, um selber einmal das Tanzbein zu schwingen.

Es wird betont, dass sich mittlerweile Melancholie breit macht, denn bald wird man wieder den langweiligen Jobs nachgehen müssen. Doch von Melancholie ist nichts zu spüren. Die Band zeigt sich humorvoll während der Interaktion mit dem Publikum und ist sehr spielfreudig. So werden zwei Zugabeblöcke an das reguläre Set gehängt, in denen unter anderem das Instrumental „Up all night“ und „Ich bin kein Ignorant, ich bin kein Idiot“ gespielt werden. Zum Abschluss gibt es „Bleib deinen Freunden treu“, ehe das Publikum nach einer 1 ¾ Stunde tanzbarer Musik und jeder Menge Humor in den Abend entlassen wird.
Und eines können sich Superpunk gewiss sein: Die Fans werden der Band treu bleiben.