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Konzertbericht

Bands
AFI
The Dear and Departed

Locations
Große Freiheit 36



Datum: 14.04.2010

Unterwegs im Norden

AFI rocken Hamburg auf ihrem einzigen Clubgig in Deutschland

Hamburg (me)    Hammer Stimme, stylischer Auftritt, coole Songauswahl, eine „gefühlte“ höhere Laufleistung als die deutsche Nationalmannschaft insgesamt und eine leider viel zu kurze Show – das waren AFI in der Grossen Freiheit 36 in Hamburg. Bei ihrem einzigen Clubgig in Deutschland gaben die Alternative-Rocker am vergangenen Mittwoch ordentlich Gas und brachten die fast ausverkaufte Grosse Freiheit 36 ganz schön ins Schwitzen. Mit im Gepäck dabei hatte die Band um Sänger Davey Havok ihr neues Album „Crash Love“. Supportband war an diesem Abend die amerikanische Band „The Dear and Departed“.

Bilder zum Konzert
Homepage von AFI
Homepage von The Dear And Departed


Schon bevor „The Dear and Departed“ pünktlich um 20 Uhr auf die Bühne stürmen, kocht die Stimmung in der Grossen Freiheit 36. Die Raumtemperatur im Club ist beinahe tropisch und dem ein oder anderen tropft schon vor den Klängen des ersten Songs der Schweiß in die Schuhe. 2007 machten „The Dear and Departed“ mit ihrem Debütalbum „Something Quite Peculiar“ auf sich aufmerksam und brachten Anfang des Jahres ihre neue EP „Chapters“ auf den Markt. In ihrem 30-minütigen Set nutzten sie ihre Zeit und spielten sich solide durch eine gut komprimierte Songauswahl ihrer letzten Veröffentlichungen. Ihre Songs sind gitarrenlastige Pop-Punk Nummern mit starken Melodien, die jedoch eher kurzweilig als einprägsam sind. Das Publikum ist anfangs skeptisch, lässt sich aber zunehmend von der Band begeistern und einheizen. Nach einer guten halben Stunde wippt auch der letzte Bewegungsmuffel im Publikum mit und die Vorfreude auf AFI hat ihren Höhepunkt erreicht.

Gegen 21 Uhr ist die Umbaupause schließlich beendet und Bühnendekoration und Equipment für AFI sind installiert. Beim ersten Blick fällt sofort auf – AFI sind eine verdammt stylische Band. Die Bühnenausstattung wurde für die Tour scheinbar frei nach dem Motto „Es glitzert, es ist sinnlos, ICH WILL ES!“ ausgewählt. Für Sänger Davey Havok, Bassist Hunter Burgan und Gitarrist Jade Puget werden glitzernde, silberne Podeste auf der Bühne aufgebaut. Schlagzeuger Adam Carson hat ein darauf farblich abgestimmtes ebenfalls glitzerndes, silbernes Schlagzeug.

Eingeleitet von einem immer schneller werdenden Herzschlag stürmen AFI schließlich die Bühne und starten mit ihrem Openersong „Medicate“ ihre Show. Ein Song vom neuen Album „Crash Love“, dass dem Publikum scheinbar noch nicht ganz so bekannt ist, denn richtig Stimmung kommt erst beim zweiten und viel bekannteren Song „Girl’s Not Grey“ und dem darauf folgenden „The Leaving Song Pt. II“ auf. Was folgt ist eine gute und geballte Songmischung der Alben „Crash Love“ (2009), „Decemberunderground“ (2007), „A.F.I.“ (2004) und „Sing the Sorrow“ (2003), wobei ein Großteil der Songs vom aktuellen Album stammt. „I am trying very hard to be here“ fehlt genauso wenig wie “End Transmission”, “Beautiful Thieves”, “Too shy to scream” und “It was mine”.

Passend zur Bühnenausstattung wirbelt auch Sänger Davey Havok im Glitzeroutfit über die Bühne: mit schwarzen Glitzerchucks, silbernem Jackett und sogar glitzernden, silbernen Earplugs passt er perfekt ins Bühnenbild. Und auch wenn beim Publikum die neuen Nummern von „Crash Love“ noch nicht ganz so bekannt sind, so ließen sich die Zuschauer trotzdem vom energiegeladenen Auftritt der Band, allen voran Davey Havok, mitreißen. Der springt wie ein Flummi von einem Glitzerpodest zum anderen, klettert auf die Lautsprecherboxen, läuft zum Schlagzeug, springt in den Bühnengraben, um sich von seinen weiblichen Fans in der ersten Reihe feiern zu lassen, klettert zurück auf die Bühne, dreht sich mehrmals um seinen Mikrofonständer und absolviert sein Programm dann gleich wieder von vorn. Einzig bei den ruhigeren und melodischen Parts in den Songs lässt er sich auf die Knie fallen oder legt sich halb über sein Glitzerpodest, um sich eine kurze Verschnaufspause zu gönnen. Nach 55 Minuten verabschiedet sich die Band dann schließlich mit „Miss Murder“, einem ihrer wohl bekanntesten Songs, von ihren Fans, um danach für drei Zugaben noch einmal auf die Bühne zurückzukommen. Den Song „Love Like Winter“ performt Sänger Davey Havock in der Zugabe mit Dan Under, Frontman der Supportband „The Dear and Departed“. Die Band spielte in Hamburg ihren letzten Supportgig mit AFI nach ihrer wochenlangen Tour durch die USA und die UK und lieferte sich damit einen würdigen Tourabschluss.

Insgesamt spielten AFI eine wahnsinnig energiegeladene Show mit einer gut komprimierten Setlist. Sänger Davey Havok schafft es immer wieder mit seiner temperamentvollen Performance und seinem mühelosen Wechsel zwischen sanften Gesangspartien und harten Screamo-Parts zu begeistern. Für die etwas weiter angereisten Fans war die Länge bzw. Kürze des Konzerts allerdings trotz der tollen Show eine Enttäuschung, denn die Band stand kaum länger als 60 Minuten auf der Bühne!