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Allgemein
Konzertbericht

Bands
Chiodos
Sonny Moore

Locations
Molotow



Datum: 10.02.2009

Perlen im Norden

Chiodos begeistern in Hamburg

Hamburg (m2w)    ein Bericht von André Siekmeier

Welch ein Glück, dass man sich auf die moderne Technik immer verlassen kann. Genau das dachte ich mir auch, als ich mit sagenhaften 80 km/h durch einen ausgereiften Schneesturm Richtung Hamburg düste. Der Wetterdienst versprach nämlich "ca. 2 Grad und schwachen Regen". Griff ins Klo würde ich mal sagen. Nach 3,5 Stunden Fahrt erreichen wir dennoch die verschneite Reeperbahn und schließlich das legendäre Molotow. Die lange Fahrt lohnte allerdings, denn nach zweieinhalb langen Jahren sind "Chiodos" endlich wieder auf deutschen Bühnen zu sehen.

Fotos: Jacqueline Strecker

Bilder zum Konzert
Homepage von Chiodos
Sonny Moore auf MySpace


Als "Vorband" gab es gleich die erste Überraschung. Bei "Sonny Moore", ehemals Sänger der damals großartigen "From First To Last", habe ich dann doch etwas anderes erwartet. Dass er ein Elektroprojekt aufgebaut hat war mir bekannt, aber heute war er ganz als DJ unterwegs. Keine Instrumente auf der Bühne, kein Mikrofon in das er vielleicht hätte singen können. Stattdessen gibt’s ein skurriles DJ-Set zwischen Rock und Pop, House und Elektro. Sogar für Technobeats findet er Platz. Nur unterbrochen von stumpfen Ansagen, wie "Make Some Noise", oder "Don't Be Shy". Sonny sieht nicht gut aus, er wirkt kaputt und raucht während seines 45 minütigen Sets ca. 10 Zigaretten. Doch so ungünstig diese Szenerie im Vorprogramm auch sein mag, am Ende des Abends wäre es eine fette Party geworden.

So kommt es dann dazu, dass "Chiodos" aufbauen, ohne dass es eine echte Vorgruppe gab. Ein Preis von 20€ für im Endeffekt eine einzelne Band ist meiner Meinung nicht tragbar. Aber was soll man machen? Diese Band zu verpassen ist jedenfalls keine Alternative. Es bleibt auch der einzige Wermutstropfen des Abends

"Chiodos" starten mit "The Undertaker's Thirst For Revenge Is Unquenchable" der aktuellen Singleauskopplung und zeigen damit jedem was hier heute angesagt ist. Druckvoll spielen die 6 Jungs aus Michigan nach vorne und Sänger Craig gibt von Beginn an Vollgas. Leider bringen anfängliche Soundprobleme schlechte Laune auf die Gesichter der Band. Hinzu kommt ein Publikum, dass noch nicht heiß ist, weil ja keine Vorband da war, die für das nötige Warm Up gesorgt hat. Doch das ändert sich schnell. Schon ein paar Songs später hat die Menge sich warm gefreut und die Stimmung im Saal findet sich in dem Lächeln der Musiker wieder. Besonders Sänger Craig freut sich sichtlich und bedankt sich gleich mehrfach. Er hat auf der ersten Headlinertour seiner Band wohl nicht mit einem solchen Anklang gerechnet. Die gute Stimmung ist dabei absolut berechtigt, denn die Playlist entbehrt nichts.
Neben "There's No Penguins In Alaska" und "The Words Best Friend Become Redefined" vom Labeldebüt "All's Well That Ends Well" und "Is It Progression if a Cannibal Uses a Fork?" und "Lexington" vom Nachfolger "Bone Palace Ballet" finden auch "Smitten For The Mitten" und "Two Birds Stoned At Once" von der gerade erst erschienenen Bonusversion "Bone Palace Ballet: Grand Coda" ihren Platz im Set.

Jeder Song hat seine Berechtigung und das Publikum dankt es mit Applaus und Begeisterung.
Beim letzten Song "Baby, You Wouldn't Last A Minute On The Creek" kommt Craig runter in die Menge und lässt alle mitsingen. Nass geschwitzt steht er vor der Bühne, umringt von der Masse. Genau das macht eine Band sympathisch und als er mir das Mic an den Mund drückt und ich beherzt "what do you say" hinein shoute ist die Welt in Ordnung. So sollte es sein.
Nach 12 Songs ist das Konzert vorerst vorbei. Eine knappe Stunde hat dieses Fest bisher gedauert. Nicht lang genug, da ist sich hier jeder einig, also spielen die Jungs noch auf Zuruf eines mitgereisten britischen Fans "No Hardcore Dancing In The Living Room" und weil das Molotow kein Wohnzimmer ist, wird gleich losgelegt. BAM und aus...

So endete ein toller Abend mit einer tollen Band, die eine tolle Show geboten hat.
Auf dem Weg nach draußen hielt ich Craig noch die Tür auf, da er beide Hände mit Kram beladen hatte. Es war lange nach der Show, doch er strahlte immer noch und sagte "thank you, you're awesome!"- Danke Craig, du aber auch!