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Allgemein
Hütte Rockt
Konzertbericht

Bands
Basement Apes
Beyond The Black
Écru
Josh.
Monsters of Liedermaching
Mr. Hurley & Die Pulveraffen
Muff Potter
Skindred
Swiss und die Andern
Wingenfelder

Locations



Datum: 09.08.2019

Hütte Rockt 2019

Geheimtipp im Osnabrücker Land

Georgsmarienhütte (ml)    Das Hütte Rockt Festival ist von der Größe her mit Sicherheit einer der Geheimtipps in der hiesigen Festivalszene. Mit 4.500 Besuchern auf zwei Tage verteilt gehörte es auch 2019 zu den eher kleinen Festivals. Dennoch konnte das Hütte Rockt Festival mit einem Line-Up trumpfen, welches in dieser Größenordnung nur wenige andere Festivals hinbekommen.

Das Hütte Rockt Festival 2019 konnte durch sein abwechslungsreiches Line-Up und durch seine Headliner überzeugen. Foto: Marcel Linke

Ich komme gerade auf dem Festivalgelände an, muss noch einchecken und das Auto parken, da schallt mir "Cordula Grün" entgegen. Ich denke mir nur so: Na toll, covern jetzt schon die Indie-Bands die Party- und Oktoberfesthymnen. Weit gefehlt.
Neuentdeckung Nummer 1 für mich auf dem Hütte Rockt Festival 2019 ist Josh. (Fotos), der noch wesentlich mehr zu bieten hat als seinen Hit "Cordula Grün" und eher im Indie-Bereich als im Partyhits-Bereich angesiedelt ist.
Die Performance, die ich sehe, gefällt mir. So kann es ruhig weiter gehen.

Weiter geht es mit einem Abstecher zur Zeltbühne. Diese ist auf dem Festival regional geprägt. Alle Bands kommen aus der Nähe. Auf der Bühne schreit sich zum Melodic Hardcore der Sänger von écru (Fotos) gerade seine Seele aus dem Laib. Das ist nicht ganz meine Musik. Generell bin ich dieses Jahr eher für die Musiker auf der Hauptbühne zu haben.

So zum Beispiel Flooot (Fotos). Auch diese Band eine Neuentdeckung für mich. Die Jungs auf der Bühne machen Hip Hop mit Blasmusik. Kennt man schon von Moop Mama, aufgrund einer vollwertigen Band klingt das hier aber etwas poppiger und massentauglicher. Genauso intelligent, wie die Musik sind auch die Texte von Flooot, die zwar oft über banale Alltagsdinge handeln, diese aber sehr intelligent aufbereiten und aus Blickwinkeln betrachten, aus denen man sie selbst noch nicht betrachtet hat.

Auch intelligent, aber etwas politischer wird es mit Swiss und die Andern (Fotos), die Hip Hop mit Punkrock kombinieren und dabei gegen Rechtsextreme Flagge bekennen. Die Ansagen von Sänger Swiss sind teilweise etwas einfach gehalten, transportieren aber eine klare Message (O-Ton: "Man darf das Wort Hurensohn wirklich nicht sagen, außer in einem Kontext: Jeder Nazi ist ein Hurensohn."). Aber auch mit ihren Songs stellen sich Swiss und die Andern gegen Rechtsextremismus. Ihre erste EP, die beim Hütte Rockt nicht fehlen darf, trägt treffend den Titel "Schwarz Rot Braun". Und gecovert wird "Schrei nach Liebe".

Beyond the Black (Fotos) fegen das Hütte Rockt Festival weg. Eine Woche zuvor war die Mannheimer Symphonic Metal Band noch auf dem Wacken Festival. Jetzt sind sie beim Hütte Rockt Festival und legen mit Double Bass und Songs, die nach bekannten Metal-Bands, wie Nightwish klingen, eine so unglaubliche Lautstärke auf das Parkett, dass es wohl im wenige Kilometer entfernen Osnabrück hörbar ist. Wenigstens im Zoo dort.

Etwas leiser, aber nicht weniger tanzbar geht es im Zelt mit den Basement Apes (Fotos) zu, die mit einer Mischung aus Hard Rock und Punk ein wenig an Bands, wie die Dropkick Murphys erinnern. Der Folk fehlt hier zwar, aber auch bei den Dropkick Murphys überwiegt der Punk in der Musik.

Folk machen dagegen Mr. Hurley & die Pulveraffen (Fotos). Als Headliner haben sie eine sehr kurze Anfahrt. Die Band kommt aus Osnabrück und ist damit quasi Lokalmatador. Dementsprechend voll ist es vor der Bühne, wenn mit Songs, wie "Schrumpfkopf im Rumtopf" der Piratenrock gefeiert wird.

Am zweiten Tag ist es ein wenig der Wind, der in Georgsmarienhütte Sorgen bereitet. Die Bühne hält dem aber stand und so kann weiter gemacht werden mit dem Programm.

Für mich beginnt der Tag mit den Monsters of Liedermaching (Fotos). Egal wo, auf Festivals geht diese Band immer. Beim Hütte Rockt Festival spielen die Monsters of Liedermaching im Nachmittagsprogramm, auch wenn sie locker Headliner sein könnten. Sie spielen sich durch ein kurzes Set, in dem natürlich auch "Tod in der Nordsee" nicht fehlen darf, um dann doch recht schnell nach ihrem Auftritt weg zu fahren. Ein Auftritt auf dem Open Flair ist für den Abend datiert. Das Hütte Rockt hat sich die Band am Tag zuvor angeguckt.

Wingenfelder (Fotos) spielen im Anschluss auf der großen Bühne. Hierbei handelt es sich um zwei Brüder mit Band, die sonst besser bekannt sind mit ihrer Band Fury in the Slaughterhouse. Als Wingenfelder machen sie deutschsprachige Musik, die sich teils auch mit aktuellen politischen Ereignissen beschäftigt (Rechtsruck, Donald Trump). Aber auch "Time To Wonder" fehlt nicht.

So richtig laut werden dann Skindred (Fotos). Die Briten schaffen es das Hütte Rockt Festival noch einmal durch Alternative Metal, Reggae und lauten Bässen so richtig abzureißen. In Georgsmarienhütte wird es mit Skindred noch einmal richtig laut. Highlights sind ihr Prodigy-Cover "Out Of Space", welches sie dem verstorbenen Keith Flint widmen und ihr Klassiker "Nobody".

Nach knapp einer Stunde beenden Skindred ihr Set und machen Platz für den Umbau für den Headliner des Festivals. Muff Potter (Fotos) spielen einen ihrer Reunion-Gigs auf dem Hütte Rockt in Georgsmarienhütte. Über das gesamte Wochenende waren sie eine von vielen heiß erwartete Band. Kein Wunder. 10 Jahre hieß es bei Muff Potter: Funkstille. Nagel, Sänger der Band, veröffentlichte zwei Bücher. Die Band war aufgelöst. Wie es nach 2019 weiter geht, ist noch unklar. Auf dem Hütte Rockt spielen Muff Potter ein sehr solides Konzert, welches mit "Born blöd" startet und die Zuschauer dann durch die gesamte Schaffensphase der Band führt: "Bis zum Mond", "Wir sitzen so vorm Molotow", "Die Guten". Als Aushilfe ist Felix Gebhardt (ehemals Home of the Lame) mit auf der Bühne, der teils Bandroadie macht und teils hinterm Mikrofon steht.
Neben ständigen Nagel-Ansagen "Der Name dieser Band ist Muff Potter", welches eine Anspielung auf Kettcar ist mit denen sie auf dieser Tour oft zusammen gespielt haben, gibt es aber auch gescheite Ansagen. So erzählt er, dass "Wenn dann das hier" als Antwort auf den Tocotronic-Song "Über Sex kann man nur auf Englisch singen" entstanden ist. Nach viel zu kurzen 90 Minuten ist Schluss. "100 Kilo" beendet das Set von Muff Potter mit den Abschlusszeilen von "Kleine Welt". "Ich weiß nicht wohin die Reise geht" ist treffend. Der Gig erinnert an das Abschiedskonzert der Band im Jovel Münster. Hoffentlich geht es hiernach wieder weiter.

Das Hütte Rockt hat auch 2019 wieder überzeugt. In dem sehr gemischten Programm war für alle etwas dabei. Und die Ausrichtung ist klar: Abends möchte man vor allen Dingen die Rockfans begeistern. Tagsüber setzt man mehr wert auf familientaugliche Musik.