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Konzertbericht

Bands
Frank Turner
PUP
Xylaroo

Locations
Emsland Arena



Datum: 10.11.2018

Be more kind

Frank Turner spielte zum ersten Mal in Lingen

Lingen (ml)    Zum ersten Mal zieht es Frank Turner für ein Einzelkonzert in Deutschland ins Ländliche. Bisher spielte er immer in Großstädten oder zumindestens Ballungszentren. Mit der Emsland Arena Lingen steht zwischen Osnabrück und den Niederlanden dennoch die perfekte Halle für ein Frank Turner Konzert.

Frank Turner nimmt in Lingen ein Bad in der Menge. Foto: Marcel Linke

Was beim Reinkommen direkt auffällt ist, dass die Bühne sehr weit rein gezogen ist und die seitlichen Ränge
Fotos zum Konzert
Homepage von Frank Turner
Homepage von PUP
abgehängt sind. Trotz der großen Halle entsteht damit Clubatmosphäre. Nur 1.600 Besucher erscheinen heute zum Konzert des Briten.
 
Und dieser hat neben seinem neuen Album "Be More Kind" noch zwei Vorgruppen im Gepäck.
 
Den Beginn machen Xylaroo. Ein Londoner Singer-Songwriter-Duo. Die beiden Frauen haben ausgezeichnete Stimmen. Ein Cover des Red Hot Chili Peppers-Hits "Under The Bridge" wird vom Publikum sehr gut aufgenommen. Insgesamt bieten sie allerdings zu wenig Abwechslung und das, obwohl ihr Set sehr kurz ist und nur aus 6 Songs besteht.
 
Begeistern können hingegen PUP. Sie kommen aus Toronto und verkörpern richtigen dreckigen, aber auch modernen, Punkrock. Laut, schnell, melodiös und mit vielen Chören. Da ist viel Energie drin. Und das zeigt gerade Frontmann Stefan Babcock auch super auf der Bühne, der immer dann, wenn er nicht singen muss von Seite zu Seite über die Bühne stürmt.
 
Nach anderthalb Stunden Vorgeplänkel geht dann aber ziemlich pünktlich um 9 Uhr Frank Turner selbst auf die Bühne. Beginnend mit "Blackout", in dem der Hauptprotagonist des Abends ein Bad in der Menge nimmt, und "1933" spielt er zu Anfang erstmal eine ganze Menge von eher neuen Songs. Neu ist auch die E-Gitarre, die er dieses Mal statt der der obligatorischen Acoustic Gitarre mit dabei hat.
Frank Turners aktuelles Album ist vor dem Hintergrund der Wahl Donald Trumps und dem Rechtsruck in der Welt entstanden. Und das merkt man. Die Songs sind eher düster und auch das Bühnenbild ist mal dunkel und mal in unheilvolles rotes Licht getaucht, wenn er Parallelen zu den 30ern zieht, die die Welt damals ins tiefste Chaos gestürzt haben. Verhältnismäßig ist der Beginn des Konzertes also vorwiegend ruhig gehalten.
 
Unterbrochen wird dies jedoch durch den Hit "Recovery". Danach geht es dann aber auch erstmal weiter mit neuem Material, so auch dem doch etwas fröhlicheren "Little Changes". Für den Abend hat sich Frank Turner eine ziemlich klare Struktur ausgedacht. Zuerst hauptsächlich neue Songs. Dann ein bunter Mix. Und dann kommen die ganz alten Lieder. So schaffen Frank Turner und seine Sleeping Souls den Übergang mit der deutschsprachigen Version von "Eulogy" recht gut hin zu den Klassikern, wie "If I Ever Stray", "Try This At Home" und "Peggy Sang The Blues".
 
Die Lieder der ersten zwei Alben spielt Frank Turner dieses Mal jedoch in einem Solopart: "Long Live The Queen", "The Ballad of Me and My Friends", aber auch "Photosynthesis" zu dem dann auch irgendwann die Sleeping Souls wieder einsetzen. Während des Soloparts ist Frank Turner die gesamte Zeit von zwei Strahlern hinter seinem Rücken angestrahlt. Dies sorgt für einen interessanten Effekt: Seine Silhouette wird groß an die Hallenrückwand gestrahlt.
Nach "Photosynthesis geht es in die Zugabenpause.
 
Aus dieser kommt Frank Turner mit einem ruhigen Song vom Be More Kind-Album zurück: "Don't Worry". Danach wird es aber mit "I Still Believe" und "Four Simple Words" noch einmal ziemlich rockig und tanzbar. Zu "Polaroid Picture" stehen dann neben den beiden Vorgruppen auch noch die Techniker von Frank Turner mit auf der Bühne. Eine sehr nette Geste gegenüber den Menschen, die so ein Konzert überhaupt erst möglich machen.
 
Be More Kind. Das Motto geht in alle Richtungen.