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Konzertbericht

Bands
Dropkick Murphys
Flogging Molly
Glen Matlock

Locations
Westfalenhalle



Datum: 04.02.2018

Gipfeltreffen der Irish-Folk-Punk-Helden

Der St. Patricks Day gastiert in der Westfalenhalle Dortmund

Dortmund (ml)    Was für ein Gipfeltreffen. Flogging Molly und die Dropkick Murphys zusammen direkt hintereinander auf einer Bühne. Wir haben nicht geglaubt, dass wir das nochmal erleben dürfen. Am letzten Wochenende durften wir. Der St. Patrick's Day wurde vorverlegt in die Westfalenhalle Dortmund. Die Szene hat es gefeiert, als die Konzerte Anfang Oktober 2017 bekannt gegeben wurden. Und nun wurden sie gespielt.

Die Dropkick Murphys luden auf ihre aktuelle Tour auch Flogging Molly mit ein. Foto: Bastian Sylvester

Pünktlich um 19 Uhr konnte der vorgezogene St. Patricks Day beginnen. Heute spielen drei Bands und davon darf ein
Fotos zum Konzert
Homepage der Dropkick Murphys
Homepage von Flogging Molly
Support länger spielen als normal. Glen Matlock, der ehemalige Sex-Pistols-Bassist ist es aber nicht. Er tritt alleine mit Gitarre bewaffnet an, um die Westfalenhalle zu beschallen und hat auf dem größten Konzert der Tour Probleme das Publikum einzufangen und vor allem zu übertönen. Schade, denn immerhin war hier eine Punkrock-Legende auf der Bühne.

Nach einer sehr kurzen Umbaupause stehen dann auch direkt Flogging Molly auf der Bühne. Erklären muss man Irish-Folk-Punk-Bands Flogging Molly nicht mehr. Als Nummer 2 in der Welt in dieser Musikszene hat sich die Band längst ihren Namen gemacht und trotzdem freut sich Dave King immer wieder wie ein kleines Kind, wenn er vor einem zahlreich erschienenen Publikum spielt. Und das Publikum in Dortmund ist zahlreich erschienen. Es sind alle Ränge der Westfalenhalle geöffnet, wenn auch nicht komplett ausverkauft, muss das von der Bühne aus eine beeindruckende Kulisse sein.
Leider fehlt etwas. Angesichts der Hallengröße hätte man der Bühne dann doch noch seitliche Monitore spendieren können, damit auch das Publikum hinten mehr sehen kann. Okay, normalerweise treten sowohl Flogging Molly als auch die Dropkick Murphys in Deutschland in etwas kleineren Hallen auf. Monitore sind hier nicht nötig, das Publikum ist näher dran. So kann man eigentlich sogar fast davon ausgehen, dass viele der Anwesenden die beiden Bands ohnehin schon einmal aus nächster Nähe gesehen haben.
Flogging Molly haben nun das große Problem aus einem großen Fundus an Songs schöpfen zu können und dennoch leider nur eine Stunde Spielzeit zu haben. Dennoch können sie viele ihrer Hits im Set unterbringen. Neben dem obligatorischen "Drunken Lullabies" fehlen deswegen auch "Float", "Tobacco Island" oder die Hymnen "If I Ever Leave This World Alive" sowie "What's Left of the Flag" nicht. Den Abschluss des, für einen Support-Act ziemlich langen Sets, macht die sehr tanzbare Nummer "The Seven Deadly Sins". Und mit Fug und Recht kann man behaupten, dass es wohl selten Support Acts gibt, die vom Publikum so gefeiert werden und bei denen sich das Publikum schon so verausgabt, dass der Hauptact zwar gebührend gefeiert werden kann, aber nicht mehr so gefeiert wird, wie man es normalerweise tut. Okay, Flogging Molly sind in Bezug auf die Dropkick Murphys auch kein normaler Support-Act, sondern einfach weltweit im selben Genre fast gleichbedeutend.

Nach einer weiteren halben Stunde Umbaupause durfte der Abend perfekt werden. Zu den Klängen von Sinead O'Connors Song "The Foggy Dew" machten sich die Jungs aus Boston bereit. Die Dropkick Murphys enterten dann mit "The Lonesome Boatman" vom aktuellen Album die Bühne. Und direkt ging es ab. Auch wenn Dropkick Murphys Konzerte schon öfters mehr abgegangen sind. Es war super. Der Rest ist einfach der Tatsache geschuldet, dass sich das Publikum schon eine Stunde lang verausgabt hat.
Schnell spielt sich die Band durch das Set. Vorbei an Songs, wie "The Gang's All Here" oder "First Class Loser" fällt an einem Super-Bowl-Abend wie diesem von den bekennenden American Football-Fans dann auch die Bitte doch das Team "New England Patriots" zu grüßen. Zum, für ein kurzes Video aufgenommenen, "Let's Go Pats" gesellten sich aber leider dann doch viele Buhrufe in der Halle. Offensichtlich gab es viele Fans der Philadelphia Eagles in der Halle, deren Mannschaft dann auch in der Nacht zu Montag gewonnen hat.
Langsam näherte sich das Konzert dann aber den Klassikern. "Johnny, I Hardly Knew Ya", "Sunshine Highway", "Time to Go", "Rose Tattoo" - das sind die Evergreens beim Publikum, welches heute so zahlreich in der großen Westfalenhalle erschienen ist, dass es sich bei dem Konzert in Dortmund um die größte Show der Tour handelt.
Auch Traditionals dürfen bei den Dropkick Murphys nicht fehlen. "The Wild Rover" ist in der Hinsicht wohl der hierzulande bekannteste Song. Im irischen Original ist die eingedeutschte Fassung des Songs hier besser bekannt von Klaus & Klaus als "An der Nordseeküste". "The Wild Rover" geht als Abstinenzlerlied dann glücklicherweise aber doch mehr ab.
Nach knapp über einer Stunde und weiteren Liedern wie "You'll Never Walk Alone", welches in der Bundesliga ja gerade bei den Dortmundern im benachbarten Stadion beheimatet ist, geht es nun stark auf die erste Zugabenpause zu.
Aus der kommen die Murphys aber ziemlich schnell wieder zurück. "The Boys Are Back" leitet passend den ersten Zugabenblock ein. Zu diesem dürfen zu "Until Next Time" dann auch zahlreiche Besucher, welches auch eine Tradition hat, auf die Bühne zu den Murphys. Kurz den überforderten Securities entwischt und ab auf die Bühne. "Skindhead on the MBTA" beendet den Zugabenblock dann. 75 Minuten? Und schon "My Way" als Outro-Musik? Da muss noch was gehen. Ging es auch. "Folsom Prison Blues", ein Johnny-Cash-Cover, startete einen weiteren Zugabenblock und "I'm Shipping Up To Boston", die Hymne der Band und Einlaufmusik der irischen Nationalmannschaft, beendete den Dortmunder St. Patrick's Day stilvoll.

Und nach einem rundum gelungenen Abend gibt es nur drei kleine Wehrmutstropfen. Bei der Aufstellung haben wir uns eigentlich noch einen zusammen performten Song von Flogging Molly und den Murphys gewünscht. "The State of Massachusetts" fehlte. Der Song ist an dem Tag 10 Jahre alt geworden. Und zuguterletzt: Der Sound in der Westfalenhalle lässt wie immer zu wünschen übrig.