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Konzertbericht

Bands
Fury In The Slaughterhouse
Jan Löchel

Locations
Gerry Weber Stadion



Datum: 21.07.2017

Won't Forget These Days

Fury in the Slaughterhouse feiern ihr 30-jähriges Jubiläum

Halle (Westf.) (ml)    Fury in the Slaughterhouse haben im Gerry Weber Stadion Halle einen Halt auf ihrer Sommer Open Air Tour eingelegt und damit 4.900 ostwestfälischen Fans einen großartigen Gefallen getan, die so noch einmal die Gelegenheit hatten die Band vor der Haustür live zu sehen. Als Support begleitete Fury in the Slaughterhouse Jan Löchel.

Fury in the Slaughterhouse haben sich zu ihrem 30-jährigen Jubiläum noch einmal zusammen getan und gastierten auf ihrer Tour im Gerry Weber Stadion in Halle. Foto: Marcel Linke

Das Gerry Weber Stadion füllt sich träge. Bei sommerlichen Temperaturen ist das Dach aber heute offen. Insofern ist
Fotos zum Konzert
Homepage von Fury in the Slaughterhouse
Homepage von Jan Löchel
das Konzert heute auch ein richtiges Open Air. Der Start ist für 18:10 Uhr angekündigt. Nach dem Ausfall eines Support Acts wurde dieser aber nach hinten verlegt. Das Konzert beginnt nun eine halbe Stunde später mit dem eigentlich ersten Support Act Jan Löchel. Und obwohl Löchel schon eine halbe Stunde später als geplant beginnt, steht er erstmal vor einem ziemlich leeren Gerry Weber Stadion. Schade, denn der Singer- and Songwriter schafft es die schon anwesenden Besucher zu begeistern und das, obwohl er nur mit einer Gitarre und seiner Stimme bewaffnet auf der Bühne steht. Seine Songs sind ruhig, einfühlsam und prägen sich durch den balladesken Stil.
Immerhin füllt sich das Stadion während seines Auftritts, denn die Besucher wissen: Um 19:30 beginnen Fury in the Slaughterhouse. Der Umbau geht dementsprechend schnell. Klar: Löchel muss nur ausgeklinkt werden, kurzer Line-Check und es kann los gehen.

Los geht es dann auch mit einem Countdown. Von 10 an wird runter gezählt bis es ein Video von Fury in the Slaughterhouse gibt, welches die Band von ihren Anfängen vor 30 Jahren bis heute zeigt. Im Dezember 1986 gründeten sich Fury in the Slaughterhouse und wurden schnell bekannt. Eigentlich ist die Band seit 2008 aufgelöst. Für besondere Anlässe kommen sie aber immer mal wieder zusammen. So nun auch zum 30-jährigen Jubiläum.

Mit "Dance on the Frontline" begibt sich dann die Band auch auf die Bühne. Schon zu ihrem dritten Lied "Jericho" ist klar, dass sich Fury in the Slaughterhouse auch mit politischen Statements nicht zurückhalten werden. Als Hintergrundanimation zeigen sie zu diesem Song Trump Donald.

Früh zeigen Fury in the Slaughterhouse, was man von einem Abend auf ihrer Open-Air-Tour erwarten kann. Ein bunter Mix aus eben diesen 30 Jahren Bandgeschichte wird gespielt. So zum Beispiel "Radio Orchid", welches auf dem bereits 1993 erschienenen "Mono" zu finden ist, und zu den Hits der Band gehört.


Anekdoten und politische Statements aus 30 Jahren Bandgeschichte

Zu fast jedem Lied hat Sänger und Frontmann Kai Wingenfelder eine Geschichte oder eine wichtige Ansage parat.
Und so gibt es nicht nur Musik zu hören, sondern auch zahlreiche Anekdoten.

Schon vor 20 Jahren haben Fury in the Slaughterhouse das erkannt, was heute durch die sozialen Netze ultimativ verstärkt wird. "Milk and Honey" handelt davon, dass man sich gerade hierzulande keine Sorgen machen muss, weil alles im Überfluss vorhanden ist. Wingenfelder macht darauf aufmerksam, dass es "Demokratie nicht geschenkt gibt" und "wir definitiv im Land, wo Milch und Honig fließt, leben".

Im Gerry Weber Stadion fließt bei sommerlichen Temperaturen aber eher das Bier. Eine Abkühlung gibt es aber auch im etwas anderem Maße. Fury in the Slaughterhouse haben ein Akustik-Set eingebaut. Drei Songs spielen sie auf dem Laufsteg, der sich vor ihrer Bühne befindet: "When God Goes Home", "Then She Said" und "Bring Me Home", zu welchem Kai Wingenfelder als auch Schlagzeuger Rainer Schumann sich ins Publikum begeben. Passend zur Location stellt Wingenfelder auch seine Bandmitglieder vor, die allesamt neue Namen bekommen: Steffi Graf, Boris Becker und John McEnroe sind die bekanntesten der genannten Tennisspieler.

Für ein "Boys Don't Cry"-Cover kommt auch Support Jan Löchel noch einmal auf die Bühne. Wingenfelder erklärt, dass Löchel maßgeblich für den Sound der Band auf der 30-jährigen Tour verantwortlich ist und zusammen mit der Band einige Lieder umarrangiert hat.

Auch die Band wurde durch gewisse Anhänger des rechten Parteienspektrums in der Vergangenheit eindringlich darum gebeten den Mund verbieten. Den Mund halten wird die Band aber nicht. "Every Generation Got Its Own Disease" beschäftigt sich traurigerweise schon seit 25 Jahren mit dem Thema Diktatoren, Rechtsextremismus und Menschen, die die Erde einfach nur schlechter machen. Auf Bühnenscreen hinter der Band werden Bilder von Diktatoren, wie Putin und Erdogan, aber auch von Rechtspopulisten, wie Trump oder Petry gezeigt.

Auch "Won't Forget These Days" markiert einen wichtigen Punkt in der Band. 1990 ist der Song erschienen und machte diese bekannt. Auf keinem Konzert darf das Lied fehlen und es ist auch zu einer inoffiziellen Hymne des wieder in die Bundesliga aufgestiegenen Hannover 96 geworden. Über den Aufstieg freut sich die Band sichtlich, denn 2011 durften Fury in the Slaughterhouse den Song nach einem Heimspiel des Erstligisten im Stadion spielen. Der Song ist insgesamt so populär, dass das Publikum Fury in the Slaughterhouse mit dem Refrain dieses Liedes aus der Zugabenpause zurückholt, die "Won't Forget These Days" dann auch einfach mal weiter fortsetzen.
"Down There" gibt den Abschluss des ersten Zugabenteils. Und dieser endet sehr stimmungsvoll. In der Halle gehen tausende Lampen im Publikum an, bevor die Band in die nächste Pause verschwindet.
Das Konzert bewegt sich nach über zwei Stunden Musik nun dem Ende zu. Natürlich kommen Fury in the Slaughterhouse wieder. "Time To Wonder" fehlt noch. Wohl der bekannteste Song der Band, wenn es auf die breite Masse ankommt. Aber auch "Time To Wonder" ist noch nicht der Abschluss des Konzerts.

Kai Wingenfelder kommt noch einmal mit Christof Stein-Schneider auf die Bühne, der sich auf die Kante setzt. "Seconds To Fall" macht den Abschluss eines 2 1/2-stündigen Konzertes. Wir möchten nichts heraufbeschwören, aber die Band hat sichtlich Spaß an dem, was sie macht. Vielleicht gibt es nach 2017 doch noch eine Fortsetzung?



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