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Datum: 02.07.2017

Summerjam Festival 2017

Weniger Besucher aber nicht weniger Vibes

Köln (rf)    Normalerweise sind die Campingflächen rund um den Haupteingang und den P2 Zugang schon vor dem offiziellen Start bis auf den letzten Platz gefüllt, in diesem Jahr ist das nicht so. Selbst Freitagmittag kann man noch viele freie Flecken erkennen. In Zahlen sind das 25.000 Besucher die den Weg zum Summerjam gefunden haben, 6.000 weniger als im Jahr zuvor. Schlechter ist die Stimmung dadurch aber nicht, und einen Vorteil hat es dann doch, mehr Platz zum tanzen.

Toots & The Maytals (Toots Hibbert) - Headliner beim Summerjam Festival 2017 Foto: Rune Fleiter

Der Freitag beginnt bei trockenem Wetter und angenehmen Temperaturen auf beiden Bühnen zur selben Zeit. Auf der Red Stage (Hauptbühne), die Freitags schon seit einigen Jahren ganz im Zeichen des Hip-Hop steht, gibt es gleich eine Premiere. Mit den Jugglerz aus Stuttgart steht zum ersten Mal ein Soundsystem auf der Bühne. Nach kurzem eigenem Set bringen die Jugglerz ihren eigenen Label Act Rudebwoy sowie Kaas von den Orsons auf die Bühne. Dem Publikum scheint es noch etwas früh zu sein denn die Stimmung hält sich noch in Grenzen. Anders an der Green Stage, dort eröffnen Volodiaaus Frankreich mit Modern Roots und französischen Texten das Summerjam und begeistern vor einer amtlichen Zuschauermenge. 

Fotos vom 1. Tag
Fotos vom 2. Tag
Fotos vom 3. Tag
Homepage des Summerjam Festivals
Weiter geht es mit Runkus & The Old Skl Bond, allerdings mit deutlicher Verspätung und technischen Problemen. Letztere meistert Runkus absolut professionell. Er lässt seine Band erst einmal spielen so dass die Techniker die Probleme beheben können. Das Publikum zeigt sich verständnisvoll und ist später als es darum geht mitzusingen direkt voll dabei. Aufgrund der Verspätung bekommt Runkus noch ein klein wenig mehr Stagetime ehe dann für den nächsten Act Nattali Rizeumgebaut wird. Zwar versucht man den Umbau im wahrsten Sinne des Wortes möglichst schnell über die Bühne zu bringen, trotzdem beginnt das Konzert von Nattali Rize mit gut 25 Minuten Verspätung. Musikalisch variiert das bekannte Set aus neuen und alten Songs was für eine schöne Abwechslung sorgt und sich so vom Vorjahres Auftritt etwas abhebt. Trotzdem bleibt der bekannte Mix aus Modern Roots mit viel Dub und ab und zu ein paar Elektro Samples, und dass kommt beim Publikum super an.

Ganz andere Töne gibt es derweil auf der Red Stage mit OK Kid. Hier dominiert eine Mischung aus Pop, Hip-Hop und etwas Indie. Es macht ein wenig den Eindruck als würde man nicht nur zwischen zwei Bühnen sondern eher zwischen zwei Festivals wechseln. Zurück an der Green Stage steht der Auftritt von Jah 9 auf dem Plan. Die Rasta Empress, die Ihre Wurzeln in der Dub Poetry hat, lässt ihr Charisma von der Bühne strömen und verbindet gekonnt tanzbare klassische Roots Riddims mit tiefgründigen Texten. An der Red Stage ist der musikalische Kontrast nun nicht mehr ganz so groß, Joy Denalane bietet feinen Soul und RnB und zieht damit sogar einige Reggae Fans vor die Bühne was vorher bei OK Kid kaum der Fall war. Meta & The Cornerstones, im weißen Outfit, wie ein Apostel von Ras Tafar I stürmt Meta die Green Stage und legt gleich voll los. Tolle Stimmen der weiblichen Backing Vocals unterstützen ihn hervorragend. Rockige Gitarrenriffs in Verbindung mit fettem Modern Roots bringt die Massive in Schwung. Im dritten Song spielt Meta selbst die Rhythmusgitarre und unterstützt seine ohnehin schon gute Band. Der Platz zwischen Bühne und FOH ist voller tanzender Menschen und die Stimmung ist dementsprechend hervorragend.

Bei Trettmann hat man dann das Delay von zuvor noch 20 Minuten aufgeholt, musste man doch nur ein DJ Set aufbauen. Und das war auch gut so denn bei nur 30 Minuten Stagetime wäre da sonst nicht mehr viel Zeit übrig geblieben. Als zweites spielt Trettmann seinen Tune „Was Solls“ und widmet diesen seiner Mutter. Auch auf der Red Stage neigt sich der Tag mittlerweile dem Ende entgegen, von G-Eazy gibt es den grade so typischen US Hip-Hop bevor dann Sido als Headliner auf der Bühne steht. Klassisch mit Maske, naja nur fast denn mittlerweile ist sie Gold, betritt Sido dann die Bühne. Für einen Headliner ist die Stimmung irgendwie komisch und nicht wirklich ausgelassen aber vielleicht muss das im Hip-Hop so sein. An der Green Stage sieht das derweil ganz anders aus. Hier lässt der King of the Dancehall, Beenie Man, kein Stein auf dem anderen. Im rasanten Tempo geht es von Tune zu Tune und das Publikum singt, tanzt und hüpft fast durchgehend mit. Besonders bei Tunes wie „Who Am I“ oder „King of the Dancehall“. Ein gelungener Abschluss des ersten Tages. Für alle die jetzt noch nicht Müde sind geht es nun in die Dancehall wo Pow Pow Movement und Sentinel Soundauflegen. Dort bekommt man leider nur das typische 0815 Dancehall Set geboten mit einer Reihe von Replays (z.B. Soca Warrior Anthem oder der Bumaye Riddim) auf beiden Seiten. Der Versuch von Sentinel Sound ein kurzes Soca Set zu etablieren trägt leider keine Früchte da der Großteil des Publikums nicht darauf anspringt was schade ist. Generell würde etwas mehr Soca dem Summerjam sicherlich ganz gut tun, auch auf der Livestage.

Der Samstag beginnt nass, es schüttet ohne Ende aber passend zur Öffnung des Festivalgeländes ist dann erst einmal Schluss. Im Laufe des Tages regnet es zwar immer mal wieder aber das ist nichts was einen erfahrenen Festivalbesucher aus der Ruhe bringen sollte und so tanzen viele, ob mit Gummistiefeln oder direkt barfuß, um und durch die Pfützen die sich gebildet haben. So wie bei Jahcoustix der als erster Act des Tages auf der Green Stage spielte. Das Publikum vor der Bühne ist anfangs dabei sehr überschaubar aber die die da sind, sind voll motiviert und die Interaktionen zwischen Künstler und Publikum funktioniert reibungslos. Auf der Red Stage eröffnen wie auch bereits am Freitag die Jugglerz das Programm. Dieses Mal haben sie mit Kingseyes, Jah Sun und Miwata drei Reggae Artists mit dabei die jeweils ein kurzes Akustik Set performen. Im Anschluss geht es auf derselben Bühne mit Cali P und eine ordentlichen Mischung aus Modern Roots und Dancehall weiter. Kontrastprogramm dagegen auf der Green Stage. Mit Systema Solar aus Kolumbien wird es wild mit einer bunten Mischung aus Hip-Hop, Breakbeat, Dance und vielen weiteren Stilrichtungen. Zu der Uhrzeit eher was für die wahren Fans. Ähnlich furios geht es an gleicher Stelle mit Dubioza Kolektiv weiter. Beim ersten Blick denkt man an einen Ausflug der Jugendabteilung von Borussia Dortmund. Die gesamte Band in sportlichem schwarz/gelb. Musikalisch geht es temporeich mit Balkanbeat gespickt mit Ska, Rock und Elektro Elementen voran. Bei diesem Mix steht im Publikum niemand still.

Die Reggae Fans kommen dieses Mal an der Red Stage auf ihre Kosten. Bei Danakil macht sich auch wieder die große französische Massive bemerkbar die Jahr für Jahr beim Summerjam anzutreffen ist. Bei Protoje & The Indiggnation fängt es wieder an zu regen, diese Tatsache wird vom Publikum vor der Bühne aber weitestgehend ignoriert stattdessen wird getreu dem Motto „Some people feel the rain - others just get wet.“ gefeiert. Bei Songs wie „Who Knows“ oder „Kingston Be Wise“ ist die Stimmung auf dem Höhepunkt. Alpha Blondy, deutlich ergraut betritt er die Bühne, um wie immer, seine Show mit dem Song „Jerusalem“ zu beginnen. Seine Meinung zu islamistischen Terror sowie Gräuel und Krieg im Allgemeinen finden beim Publikum großen Anklang und werden frenetisch bejubelt. Bei den Irie Révoltés die eines ihrer letzten Konzerte spielen kommt dann auch wieder die Sonne raus. Hier fehlt eigentlich nur noch der Song Solei für den perfekten Festival Moment. Patrice auf der Red Stage startet sein Set mit einem Max Romeo Cover und hat das Publikum sofort im Griff. Die Show geht rasant weiter in Bühnendschungel. Viele künstliche Pflanzen dekorieren den Platz zwischen dem durchgehend weißen Equipment. Nur Patrice hebt sich durch sein buntes Outfit ab. Auch eine Coverversion von Bob Marley´s „Heathen“ ist Teil seines Sets. Der Altmeister wäre durchaus zufrieden. Sphärische Klänge aus der Loopstation gibt es dann bei Dub FX. Drum & Bass wechseln sich mit elektronischen Offbeat- und Dubsounds und dem Saxophon von Mr. Woodnote ab. Irre Lichteffekte machen das Konzert zu einem Gesamtkunstwerk. Das Set von Headliner Damian 'Jr. Gong' Marley startet wie gewohnt schnell. Die ersten beiden Songs „Make It Bun Dem“ und „Set Up Shop“ dauern zusammen nur etwa 4 Minuten. Bei dem Song „More Justice“ geht es dann schon etwas ruhiger zu. Einflüsse aus HipHop, R´n´B und Dancehall prägen den ersten Teil des Auftritts. Elegant eingestreute Songs seines Vaters bereichern das Set genauso wie die musikalische Verbeugung vor Dennis Brown. Das Cover von „Promised Land“ ist genial. An neuen Songs spielt Damian Marley nur seinen Song „Medication“. Songs wie „Nail Pon Cross“ oder „Caution“ werden nicht gespielt. In der Dancehall Arena wird es in der Nacht dann experimentell denn dort legen die Drunken Masters auf. Zwar wird versucht mit dem Set dem Summerjam etwas gerecht zu werden was aber nicht wirklich klappt. Abgesehen vom vordersten Bereich des Publikums ist die Stimmung ziemlich mau. Und auch der Sound ist nicht besonders, gerade die Bässe überfordern die Boxen massiv, definitiv kein Vergnügen.

Sonntag 14 Uhr, vor der Red Stage hat sich schon eine große Menschenmenge versammelt die alle auf Jamaram warten. Der Jamaram typische Mix aus Reggae, Ska, Soca, Afrobeat und anderen musikalischen Einflüssen sind der perfekte Wake Up Call für den letzten Festival Tag. Auch bei Bukahara die auf der Green Stage sieht das ähnlich aus auch wenn hier erst beim letzten Song „Eyes Wide Shut“ die Stimmung Jamaram Niveau erreicht. Das Konzert von Yaniss Odua beginnt bei strömenden Regen. Ein kurzer aber heftiger Schauer, der die Stimmung nicht beeinträchtigt. Besonders gefeiert wird der aus Martinique stammende Künstler von seinen französischen Fans. Alle Anderen genießen seine angenehm unaufgeregte Darbietung und seine Musik. The Skatalites, Wenn schon Ska, dann von den Erfindern dieses Musikstils. Sie sind exzellente Musiker aber keine ausgewiesenen Entertainer. Man tanzt zur Musik, aber ausgelassene Stimmung mag nicht aufkommen. Mit dem Song „My boy Lollipop“ beginnt der Gesangsteil mit dem Skatalites-Urgestein Doreen Schaffer. Gleichzeitig erfolgt ein Stilwechsel zum Rocksteady. Ein solides Konzert ohne besondere Höhepunkte. Vor Energie strotzend geht dagegen der Auftritt von Kabaka Pyramid los. Mit „Revolution of the Mind“ geht es im Roots Stil weiter. Angenehm relaxt fließt das Konzert dahin. Liebhaber von Roots Reggae swingen im Offbeat mit. Die Sonne (selten genug an diesem Wochenende) schmeichelt der Seele, genau wie Kabaka´s Musik. Ein lyrischer Schlagabtausch zwischen Kabaka und seinem Gitarristen auf einem Walshy Fire Tune ist einfach toll. Original Dancehall mit Cocoa Tea´s Tune „Ring Di Alarm“ und einer Burro Banton Interpretation sind definitiv ein Highlight.

Xavier Rudd, Der Multiinstrumentalist! Mit den Klängen eines Didgeridoos und Chorgesang startet das Set. Spiritualität ist greifbar. Welch ein faszinierender Musiker, der im Irrsinnstempo Didgeridoo spielt. Roots Reggae vergangener Zeiten wird wieder zum Leben erweckt. Mit Elektrobeats, rockigen Gitarrenriffs und gut eingesetzten Percussions werden herrliche Klangbilder erschaffen. Das Konzert ist purer Genuss. Fadda Freddy. Acapellagruppe, die im Halbkreis aufgestellt eine unglaubliche Stimmenvielfalt bieten. Einer der Sänger hat Elektropads am Körper und spielt darauf die Drums. Alles andere sind menschliche Stimmen, auch wenn man verzweifelt die Synthesizer sucht. Manchmal extrem spacig und scheinbar elektronisch werden hier mit den Stimmen der Sänger und der Sängerin unbeschreibliche Klangerlebnisse erzeugt. Atemberaubend schön das Bob Marley Cover „No Woman No Cry“ als Zugabe. Toots & the Maytals, early Reggae ohne Schnörkel, das ist das Ding von Toots Hibbert. Der Altmeister ist eine wahrhaft würdiger Headliner auf der Red Stage. Selbst die Dancehall-Leute werden von Sound der Maytals mitgenommen. Der schlichte aber durchdringende Beat fährt in die Beine und zwingt zum Tanzen. Als Beobachter fällt auf, das Toots sein Mikro manchmal direkt vor dem Mund hält, dann wieder in Brust- oder gar Bauchhöhe hält, aber der Sound ist immer gleich. Bedeutsam oder nicht, das Konzert war klasse. Zum Abschluss gibt es noch das obligatorische Feuerwerk und Andrew Murphy, Host und Mr. Summerjam, der zusammen mit dem Publikum noch den „Redemption Song“ singt. Trotz geringerer Besucherzahl und nicht optimalem Festivalwetter war es dennoch ein sehr entspanntes und schönes Summerjam Festival.