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Konzertbericht

Bands
Anthrax
The Raven Age

Locations
Hyde Park



Datum: 27.06.2017

Anthrax in Osnabrück

Anthrax bringen den Hyde Park zum Kochen

Osnabrück (bs)    Die Thrash Metal-Giganten Anthrax spielten vergangenen Dienstg im Osnabrücker Hyde Park. Unterstützt wurden sie dabei von Null Positiv und The Raven Age. Wie Sarah ihr Debüt als web2music-Redakteurin erlebte, lest ihr im Folgenden.

Anthrax spielten letzte Woche im Hyde Park Osnabrück. Foto: Bastian Sylvester

Kaum zu glauben, dass meine Eltern gerade mal über meinen Namen diskutiert hatten, als Anthrax das letzte Mal im
Fotos zum Konzert
Homepage von Anthrax
Hyde Park in Osnabrück waren. Lieb gewinnen durfte ich sie erst gut 16 Jahre später, als sich dann doch mal so etwas wie eine Musikpräferenz aus dem Chaos namens Pubertät bilden konnte. Damals nie geschafft sie live zu sehen, konnte ich mir somit eine Art Jugendtraum erfüllen und wurde nicht enttäuscht.

Enttäuschend hingegen war die erste Vorband, die ich – freundlich ausgedrückt – ein wenig zwischen Silbermond und Tokio Hotel packen würde und, auch wenn zumindest die Sängerin ab und an ins Publikum lächelte, was man von ihren drei Bandkollegen nicht unbedingt behaupten kann, sich mit Songtexten behaupteten wie „Wir sind die Revolution“, „Schrei!“ oder „Die Dunkelheit in mir“. Ihr eher kläglicher Versuch die an Teenie-pop grenzenden Verse wieder gut zu machen, indem sie alle wie Statisten aus einem Mad Max Film aussahen, scheiterte leider und wurde von den Besuchern damit belohnt, sich lediglich überall aufzuhalten, nur nicht vor der Bühne.

Die zweite Vorband „The Raven Age“ waren dagegen eine große Erleichterung, wenn sie auch meiner Meinung nach, nicht so viel aus ihrem Potential gemacht haben, wie es am Anfang den Anschein hatte. Alle Bandmitglieder wirkten super sympathisch - mit denen hätte ich gerne später noch ein Bier getrunken - und die Musik hat Spaß gemacht, aber kein Song ist so wirklich hängen geblieben und trotz freundlicher Animation war auch das Publikum nicht dazu zu bekommen, etwas mehr abzugehen, als bloß ein wenig mit den Köpfen zu nicken. Eigentlich schade, weil die Musik selber alles andere als schlecht war, aber ich kann mir vorstellen, dass der ein oder andere bei einem Eintritt von 42 Euro selbst „nur“ von den Vorbands mehr erwartet hätte.

Nun war es nach langem Warten (für mich 13 Jahre) soweit, das Licht verdunkelte sich und der Song der Blues Brothers I can’t turn you loose schallte durch die Halle. Die Menschen bewegten sich nun auch zügig in die Mitte und waren endlich ein Publikum. Menschen, dessen Altersdurchschnitt zwar vermuten ließen, dass sie auch vor 30 Jahren schon da gewesen hätten sein können, aber gespickt mit jungen Punker-, Metal oder gar Hipsterexemplaren. Ian Scott war der erste Mann auf der Bühne und stimmte mit einem erstaunt breitem Grinsen und – von meiner Position aus nur erahnenden – leuchtenden Augen Among the living an. Charlie Benante, Frank Bello und Jonathan Donais folgten, Belladonna stürmte als letztes und direkt war ihre gute Laune ansteckend. Was auch immer ich erwartet hatte, dass die Leute noch so viel Bock hatten, nach tagelangem Konzerte- und Festivalspielen, muss man einfach honorieren.

Gestehen muss ich auch, dass mir gleich der erste Song live besser gefiel, als auf der Platte, weniger pathetisch, der Spaß, den sie als Trash-Metal-Band haben, kam einfach deutlicher rüber. Die Stücke die folgten – Caught in a Mosh und Got the Time – wurden mit nicht weniger Begeisterung gespielt und Belladonna hatte sichtlich Freude daran, die Fans im Publikum direkt mit einzubeziehen, indem er ständig Blickkontakt suchte. Hielt auch unserem Kameramann, getreu seinem Rebellenklischee, den Mittelfinger in die Kamera, gefolgt von einem versöhnlichen Lächeln. Mit Madhouse hatten sie dann fast alle aus den Ecken gelockt. Leider war die Halle nicht so voll, wie erhofft, wodurch die Fans in der Mitte zumindest das Glück hatten, genug Platz zum Tanzen zu haben. Das Album Worship Music wurde dann auch noch vertreten mit Fight’Em Til You Can’t und darauf folgte mal ein Lied des 2016 erschienenen Albums For All Kings: Breathing Lighting. Danach ging es wieder ein Stück in die Vergangenheit und das Publikum feierte – mal mehr mal weniger exzessiv – Intro to Reality, Belly of the Beast und All of them Thieves.

Nun reichte es mir auch langsam mit dem am Rand stehend am Bier nippen und ich wagte mich direkt nach vorne. Und so groß die Freude auch auf das angestimmte Medusa war und so toll die Band das Publikum ansprach und Spaß hatte, so wenig konnte ich auch ausblenden, dass viel zu viele Fans sich immer noch auf das Kopfnicken beliefen. Zumindest ein paar abgedrehte Exemplare waren da und feierten mit der Band – irgendwie wirkte es dadurch auch wie ein Clubkonzert irgendwo in einem kleinen Kellerraum: Die Band war nah, kommunizierte mit einzelnen Fans und strahlte übers ganze Gesicht, als wäre dies nicht ihr gefühlt fünftausendstes Konzert. Nach Be All, End All wurden dann noch mal alle Kraftreserven für Antisocial, dem Trust-Cover, aktiviert und nachdem dann das letzte Riff von Indians verklang, schmiss die Band noch ihre Pleks in die Menge. Ich gebe zu, eines habe ich auch vom Boden geklaubt; eine kleine Erinnerung, die mir günstiger erschien, als die leider 30 Euro teuren Bandshirts beim Merch. Etwas seltsam erschien mir das nicht-verlangen einer Zugabe, aber die Musik aus der Dose wurde wieder angemacht und die Fans fingen an, brav Richtung Ausgang zu laufen und so schloss ich mich an. Im Auto sitzend, das nächste kühle Bier öffnend, wurde dann noch lauthals geschwärmt und gelästert (vor allem die erste Vorband und die teuren Shirts waren Thema, mit dem Zeitabstand von gut drei Stunden aber gar nicht mehr so tragisch, sondern eher amüsant) und abgerundet wurde der Abend, indem wir meiner Mutter um 12 einen Geburtstagsgruß ins Handy gröhlten, der vielleicht „Wie schön, dass du geboren bist“ hätte sein können.