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Konzertbericht

Bands
Paul Weller
Pictures

Locations
Ringlokschuppen



Datum: 04.06.2017

Musikalisches Bildungsprogramm im Ringlokschuppen

Mit Paul Weller zu den Wurzeln des Britpops

Bielefeld (ml)    Paul Weller ist aus der Geschichte des Britpops nicht mehr weg zu denken. Nun spielte der Modfather im Bielefelder Ringlokschuppen. Ein guter Grund für uns sich einen der einflussreichsten Musiker Groß-Britanniens einmal live anzuschauen. Unterstützt haben ihn dieses Mal keine Unbekannten. Die Pictures waren dabei.

Mit Paul Weller trat eine der größten Britpop-Legenden im Ringlokschuppen auf. Foto: Bastian Sylvester

Und fangen wir zuerst einmal mit den Pictures an. Als der Name fiel kamen wir ins Grübeln. Wo haben wir diese Band
Fotos zum Konzert
Homepage von Paul Weller
Homepage von Pictures
schonmal live gesehen? Na klar, bei einer anderen britischen Band: Letztes Jahr im Vorprogramm der Kaiser Chiefs in Köln. Damals waren wir von den Pictures nicht ganz so überzeugt, auch wenn es das Publikum anders sah. Ob sich das heute ändert wird sich zeigen.
Und ja dieses Mal hat es die Band geschafft. Was uns im Vorprogramm der Kaiser Chiefs zu seicht vorkam ist nun, mit einer geringfügig anderen Erwartung an diesen Abend, ein toller Ausflug in den Britpop, wie man ihn von Oasis kennt. Wir schließen daraus, dass eine Band in unterschiedlichen Kontexten unterschiedlich wirken kann und hoffen, dass wir die Pictures bald mal wieder in Bielefeld begrüßen dürfen.

Eine halbe Stunde später steht mit Paul Weller eine lebende Legende auf der Bühne des Ringlokschuppens. Schon zum ersten Song "I'm Where I Should Be" ist uns sehr schnell klar, dass sich auf der Bühne ein Haufen absolut talentierter Musikprofis versammelt hat. In der hinteren Reihe stehen ein Percussionist vor einem vollständigen Drumset, in der Mitte der Drummer selbst und rechts ein Organist. In der vorderen Reihe stehen mit Steve Cradock und Damon Minchella ebenfalls zwei Legenden an Bass und Gitarre. Die beiden Musiker haben mit Ocean Colour Scene eine der bekanntesten Britpop-Bands gegründet. Nicht vergessen darf man Paul Weller himself, der während des Konzertes zwischen Gitarre und Piano wechselt.

Der Auftritt von Weller startet verhältnismäßig unspektakulär. Zu Beginn spielt die Band wenig von den Songs, die sich auf dem Album zur Tour "A Kind Revolution" befinden. Hier und da wird aber schonmal auf der E-Orgel oder der E-Gitarre soliert und der restliche Weg des Abends aufgezeigt. Auf der Bühne wird noch eher der Britpop gespielt für den Paul Weller berühmt ist. So ungefähr im mittleren Teil des Hauptsets wird sich dieses aber ändern. "You Do Something To Me", welches Paul Weller noch auf den Konzerten zuvor im Hauptteil gespielt hat, sucht man vergeblich. Dafür hat ein sehr viel Rock, teils gepaart mit Blues Einzug gehalten. Und so wird das Konzert mit Songs, "Woo Sé Mama", "White Sky" oder "Peacock Suit" bis zum Höhepunkt gehört. Natürlich nicht ohne viele viele E-Gitarren-Solos, die schon allein Weltklasse sind.

Mit dem ebenfalls sehr rockigen "Start!" verabschieden sich Paul Weller und seine Band dann nach über 90 Minuten in die wohl verdiente Zugabenpause. Zurück kommen sie größtenteils akkustisch und sitzend. Der Bass ist zwar noch verstärkt, ebenso die E-Orgel: "Wild Wood" und "Monday" werden von der Band gespielt bevor sich die Musiker abermals in ihre Backstage-Räumlichkeiten verabschieden. Und nun verlangt das Publikum nicht nur mit Klatschen, sondern auch mit Stampfen nach einer Zugabe.
Ein von Band abgespieltes Intro mit dem Lärm einer Großstadt verrät es schon: Mit "These City Streets" kommen Paul Weller und co wieder, um weitere vier Songs zu spielen, bevor "The Changingman" das Set vermeintlich endgültig beendet. Doch das Publikum hat in diesem Fall immer noch nicht genug. Mit "You Do Something To Me" fehlt immerhin einer der größten Hits von Paul Weller. Ein Song, der quasi nicht fehlen darf. Nochmals erklatschen sich die Besucher den Musiker in einer ohrenbetäubenden Lautstärke her, der mit "You Do Something To Me" und "Broken Stones" dann sogar noch zwei Songs spielt.

Für uns war der Ausflug zum "Godfather of Britpop" mal eine Reise in die Vergangenheit unserer bevorzugten Musikrichtungen. Britpop ist bei Paul Weller definitiv dabei. Es gibt hier einige große Oasis-Fans. Es wäre jedoch falsch, wenn man Paul Weller auf Britpop oder die Mod-Bewegung reduzieren würde. In erster Linie ist er ein großartiger Musiker, der viele Stile gleichermaßen beherrscht und sich ständig neu erfindet. Nach dem, was wir von ihm auf der Bühne gesehen haben, ist es für uns auch kein Wunder, dass Paul Weller einer der einflussreichsten Musiker im United Kingdom ist. Zurecht fühlen sich Musiker, wie Adele oder Amy Winehouse geehrt, wenn sie mit Paul Weller zusammen arbeiten dürfen. Er ist einer der wenigen Musiker, die nur durch ihre Musik überzeugen.