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Konzertbericht

Bands
Aviv Geffen
Biffy Clyro

Locations
Swiss Life Hall



Datum: 11.02.2017

Mon the Biff!

Biffy Clyro feiern Tourabschluss in Hannover

Hannover (ml)    Das kann man mal machen. Biffy Clyro feiern ihren Tourabschluss in Hannover. Wieso genau nun Hannover ist zwar unklar. Die Stadt dürfte der Band aber allein durch ihren Telekom Streetgig, der rund 3 Jahre her ist, bestens bekannt sein. Als Support hat die schottische Band den israelischen Ausnahmekünstler Aviv Geffen eingeladen.

Biffy "Fuckin'" Clyro geben auch auf dem Tourabschluss in Hannover alles. Foto: Marcel Linke

So ganz passt die Popmusik von Aviv Geffen nicht zu dem Rockbombast, den Biffy Clyro bieten. Vor einer Swiss Life
Fotos zum Konzert
Homepage von Biffy Clyro
Hall, die sich noch füllt, können der Musiker und seine Band aber dennoch überzeugen. Diese schaffen es eine halbe Stunde lang einen Soundteppich in die Halle zu bringen, der seinesgleichen sucht. Die Stimme von Aviv Geffen reicht dabei auch gefühlt über mehrere Oktaven. Uns gefällt es, was Aviv Geffen macht und wir nehmen uns vor, den Musiker nochmal auf einem Konzert zu besuchen.

Wichtiger sind uns am heutigen Abend aber definitiv die Schotten, die mit "Wolves of Winter", dem Opener ihres aktuellen Albums, direkt in Vorlage gehen und sich eigentlich gar nicht mehr mit ihrem "We are Biffy Fuckin' Clyro" vorstellen müssen. Sie tun es trotzdem und feieren auf dem Abschluss ihrer Tour in Hannover nicht nur das Publikum, sondern ein Stück weit auch sich selbst. Da wird dann beim Versuch Deutsch zu sprechen aus einem "Ihr seid wundervoll." auch sehr schnell mal ein "Wir sind wundervoll.". Und das ist die Band tatsächlich.
In Hannover kommen sie um 9 Uhr auf die Bühne und schaffen es dann 2 Stunden lang die Bühne amtlich zu zerlegen. Zu "Living Is A Problem Because Everything Dies" wird im Publikum gepogt während Simon Neil im Intro und in der Bridge des Songs obligatorisch den Verrückten gibt. Es passt. Konstant ist Ben Johnston am Schlagzeug, während James Johnston am Bass es wie Neil handhabt und über die Bühne wirbelt, als gäbe es kein Morgen mehr. Und selbst die Live-Verstärkung, die an der Gitarre abseits neben dem Drum Riser steht, lässt sich mitreißen. Es dauert nicht lang bis es auch für Simon angenehmer ist seinen Oberkörper freizulegen. Das Markenzeichen der Band: Nackte Oberkörper.
Schnelle und laute Songs, wie "Sounds Like Balloons", "On A Bang" oder "Bubbles" wechseln sich mit Balladen, wie "Victory Over The Sun", "Opposites" oder dem hymnischen "57" ab.
Wie immer sind Biffy Clyro eher wortkarg. Gerade die Augen von Neil sind oft geschlossen, wenn er singt. Es sind Vollblutmusiker, die da auf der Bühne stehen. Und das wollen sie auch beweisen, indem sie lieber mehr Musik spielen und weniger reden. Das geht so auch auf. Hits sind genügend da und in die Hit-Kategorie kommen wir auch langsam mit "The Captain" und "Black Chandelier". Selbst "Mountains", die Single, die für Biffy Clyro den Durchbruch im festlandeuropäischen Mainstream markiert, kommt nicht mehr zum Schluss, sondern mitten im Set.
Es ist erstaunlich, was für eine Bandbreite Biffy Clyro bieten können. Ging es gerade auf der Bühne noch heiß her, folgt im nächsten Moment ein ruhiger Song, zu dem dann sogar die Handyleuchten vereinzelt angehen: "Medicine", welches Simon Neil atmosphärisch angestrahlt alleine mit Western-Gitarre zum Besten gibt.
Zum Ende hin wird es dann mit "That Golden Rule" auf der Bühne nochmal richtig laut, bevor es dann auf der Bühne eher leise wird, dafür aber der große Mitsingteil im Publikum beginnt: "Many of Horror". Es ist das Konsenslied von Biffy Clyro. Diesen Song mag auf alle Fälle jeder. Und diesen Song kann auch jeder mitsingen. So können die Jungs auf der Bühne das Publikum auch allein singen lassen. Das tun sie dann am Anfang und auch im Refrain, bevor sie in die Zugabe gehen, um diese mit dem nächsten Publikumschor "Machines" zu beginnen.
"Stingin' Belle" schließt das Konzert und damit auch die Tour dann nach fast 2 Stunden schweißtreibender Spielzeit nochmal hymnisch ab. Dass zum Abschluss nicht, dass auf vorigen Touren obligatorische "Mountains" kommt, sondern mittendrin gespielt wird, stört dann auch gar nicht. Auch "Stingin' Belle" hat so eine Power im Song, dass es ein Konzert, welches schon zuvor sehr energiegeladen ist, wunderbar abschließen kann.

Biffy Clyro spielen in diesem Jahr noch auf ein paar ausgewählten Festivals in Deutschland. Wer es bis jetzt noch nicht geschafft hat, sollte sich die Band unbedingt anschauen. Man verpasst definitiv etwas, wenn man es nicht tut. Und auch wir sind froh, die Band auf der Tour zum zweiten Mal besucht zu haben. Hier schließt sich für uns, passend zum Titel des aktuellen Biffy Clyro-Albums, die Ellipse. Vor gut einem Jahr gab das 1LIVE Radiokonzert in der Halle Münsterland einen super Vorgeschmack, auf das, was da an neuem Album kommen wird. So gesehen war es eine der ersten Shows der "Ellipsis"-Tour. Mittlerweile sind wir textsicher, das Publikum ist textsicher und auch die Band hat sich mit den neuen Songs gefestigt. "Ellipsis" führt den Weg, den Biffy Clyro mit "Only Revolutions" hin zum Bombast-Rock eingeschlagen haben konsequent fort und fügt sich deswegen auch ziemlich nahtlos ins Set ein.
Ein Set, welches von Anfang bis Ende keine Wünsche offen ließ.