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Datum: 20.01.2017

Turbo Start für Turbostaat

Wenn das Forum Bielefeld zum Wohnzimmer wird

Bielefeld (dd)    Bielefeld polarisiert. Zumindest was den Musikgeschmack am Freitagabend betrifft. Zwei Konzerte finden statt, der Ringlokschuppen ist ausverkauft und bietet Spaßrap mit den 257ers, im Gegensatz dazu füllt sich das Forum zu Deutschrock von Turbostaat. Bei unserer Haus- und Hofband mussten wir natürlich ins Forum.

Turbostaat spielten im Forum Bielefeld. Klar, dass wir dabei sein müssen. Foto: Marcel Linke

Das Konzertjahr 2017 beginnt mit einem Paukenschlag für m2w.
Das nahezu ausverkaufte Forum in Bielefeld lädt zum Tanz, gespielt wird Supportband Freiburg, garniert mit
Fotos vom Konzert
Homepage von Turbostaat
Homepage von Freiburg
allerfeinstem Turbostaat, die Rast machen auf dem Weg nach Abalonia.
Diverse Abende sind im Vorfeld schon ausverkauft. Für Bielefeld sind noch Karten an der Abendkasse verfügbar.

Die Vorband ist gut gewählt, trifft den Nerv der Veranstaltung und stimmt progressiv auf den Abend ein. Es ist die Band Freiburg aus Gütersloh.
Ein Basstornado braut sich zusammen und bläst durch Outfit und Haar, verwirbelt das Gehirn und flasht Man-in-Black-like die Gedanken. Pulsschlaggleich, uhrentickendes Gitarrengezupfe, Klaviergeklimperähnlich, türmt sich auf zu einer Mauer, auf derer die Band balanciert.
Seiltänzergleich wird die Mauer zum Soundteppich umfunktioniert, der Balanceakt glückt. Pulsierend ertönt das Intro, Impulse an der Schmerzgrenze, Vibrieren durch Mark und Bein, progressiv, nach vorne rennt der Beat, jeder Schlag trifft.
Und das Publikum? Das ist wie in Trance, muss erwachen und die Mauer erklimmen. Wo bleibt der Pogo? Wann platzt das Saftpäckchen Durstlöscher vor dem Amp? Was muss die Band noch leisten um anzukommen?
Langsam erwachen die Zuschauer, Energie bis Reihe drei, der Großteil klatscht Schaufensterpuppengleich brav nach jedem Stück. Zu wenig, um eine gute Leistung anzuerkennen.

Umbaupause.
Die Liste der Bühnendeko ist lang. Glühbirnen, Lampenschirme, Omas Teppiche, Plastikblumen, Buddha und der alte Koffer, in dem Gitarrist Rollo Santos seine Pedale verstaut.
Alles versprüht Wohnzimmercharme, gemütlich, urig, Heimat, willkommen sein und willkommen heißen.

Genau so begegnen sich Band und Publikum, heißen sich freudig Willkommen, ähnlich alter Bekannte wird das Wiedersehen gefeiert.
Musikalisch geht die Reise durch alle Alben der vergangenen Jahre, bunt gemixt und doch aufeinander abgestimmt. Während „Ruperts Gruen“ und „Der Zeuge“ die Reiselust nach Abalonia schürt, erinnern „Der Frosch hat’s versaut“ und „Haubentaucherwelpen“ an früher.
Gewohnte Professionalität sorgt nicht für einen Abbruch der Leidenschaft. Beide Seiten, auf und vor der Bühne genießen jeden Ton.

Ansagen immer wieder von Rollo und Jan, gefüllt mit Lob ans Publikum und kurze Anekdoten zur neuen Single „Die Tricks der Verlierer“, was laut Rollo nicht heiße, dass es ein Hit sei, sondern nur ne kleine Schallplatte. „Aber es ist ein Hit!“ schallt es aus dem Publikum zurück. Die Band ist geschmeichelt.

Keine Sekunde des Konzerts wird Pause gemacht, von Song zu Song rennt die Band, treibt die Zuschauer vor sich her. Es wird gepogt, gesungen, getanzt, geklatscht und geschwitzt.
Das Forum verwandelt sich in einen Backofen und kocht jeden, der sich darin befindet. Einzige Ausnahme ist Rollo, der das gesamte Konzert mit Mütze und Wollmantel dick eingepackt spielt. Nicht einmal leicht glänzt er vor Schweiß. Entweder versteckt er mehrere Kühlakkus unter seinem Outfit, oder er ist schlichtweg zu cool um zu schwitzen.

Die Reise des Abends endet mit der Ankunft und „Abalonia“ als letztes Stück. Sichtlich glücklich verabschiedet sich die Band, so einfach lässt das Publikum sie aber nicht ziehen.
Klatschen, Rufe und Pfiffe fordern mehr, bekommen mehr. „Harm Rochel“, „Phobos Grunt“ und „Vormann Leiss“ als Zugaben blicken erneut in die Vergangenheit, am Ziel der Reise angekommen sind Turbostaat ja schon.
Welch gelungener Start in eine neue Reise durch das Konzertjahr 2017.