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Konzertbericht

Bands
Razz
Sportfreunde Stiller

Locations
Westfalenhalle



Datum: 15.12.2016

Sportfreunde Stiller in Dortmund

Live wirken die Sportfreunde Stiller

Dortmund (ml)    Die Sportfreunde Stiller haben am letzten Wochenende ihre Tour beendet. Vorher kamen sie nochmal kurz nach Dortmund in die Westfalenhalle 3A, unweit des Stadions ihres, in sportlicher Hinsicht, großen Erzrivalen Borussia Dortmund gelegen.

Die Sportfreunde Stiller können immer noch "roquen". Foto: Marcel Linke

Es ist eines dieser Konzerte, die ich mit einem mulmigen Gefühl betrete. Scheinbar viel zu lange höre ich die Musik
Fotos zum Konzert
Homepage der Sportfreunde Stiller
der Sportfreunde Stiller. In dieser Zeit hat sich die Band natürlich weiter entwickelt. In meinen Augen etwas weg vom Rock und dem Punk der alten Tage hin zu Pop. Gerade die beiden neuen Alben nach ihrem Unplugged gefallen mir nicht mehr so.

Aber erstmal gibt es eine Verschnaufpause. Razz gehen auf die Bühne und schaffen es das Publikum mit ihrer Mischung aus Mando Diao und Pop zu überzeugen. Dieses fordert nach dem Auftritt prompt eine Zugabe. Generell ist das Publikum heute Abend bunt gemischt. Sowohl junge als auch ältere Fans besuchen das Konzert der Sportfreunde Stiller. Einige sind mit ihnen erwachsen geworden und bringen nun ihre Kinder mit zum Konzert. Insgesamt geht es gemäßigter zu als noch vor zehn Jahren auf einem Sportfreunde-Konzert. Auch in der Location an sich möchte sich bei mir keine wirkliche Konzertstimmung einstellen. Die Westfalenhalle 3A ist eine typische Messehalle, die man allenfalls noch für Industriebälle nutzen kann, aber Rockkonzerte sollten sich anders präsentieren.

Auf die Bühne kommen die Sportfreunde Stiller recht unspektakulär. "Raus in den Rausch", der Opener des Konzerts klingt aber insgesamt live wesentlich druckvoller als auf Platte. Was im Studio sehr poppig klingt bringen die Sportfreunde Stiller mit gehörig mehr Rock und verzerrten E-Gitarren rüber. Und nun ist es tatsächlich sehr gut, dass die Sportfreunde Stiller nicht die besten Instrumentalisten, dafür aber bessere Songwriter, sind. Denn Songs, die eher in die Rock-Richtung gehen lassen mehr Fehler zu, als Lieder die vom Pop geprägt sind. Während man im Studio mehrere Takes hat, um seinen Part einzuspielen, gibt es live halt nur eine einzige Chance.

Insgesamt ist die Setlist bunt gemischt aus allen Epochen des Wirkens der Sportfreunde Stiller. Früh werden neben neueren Songs, wie "New York, Rio, Rosenheim" auch Lieder, wie "Komm schon" oder "7 Tage, 7 Nächte" gespielt. Das alles natürlich nicht ohne Spielchen mit dem Publikum, welches sich heute vor allen Dingen auf die Wörter "Flo", damit ist der Schlagzeuger der Sportfreunde Stiller gemeint, und "Rüde", damit ist der Bassist der Sportfreunde Stiller gemeint, beschränkt. Die Sportfreunde Stiller sprechen natürlich selbst immer wieder das Thema Fußball an. Immerhin befinden sich die 1860- und Bayern-München-Fans im Signal Iduna Park in Dortmund und damit auf Feindesland. Das will ausgekostet werden. Trotz der Spitzen bleibt der Abend friedlich. Und so kommt zum, auf Publikumswunsch gespielten "Heimatlied", auch eine ernsthafte Ansage, dass die Verbundenheit zur Heimat nicht zu dem Rassismus und Nationalismus führen darf und soll, der derzeit durch Anhänger der AfD zelebriert wird.

Es ist gut, dass die Sportfreunde Stiller so viele Hits haben und aus diesem Fundus auch mit vollen Händen schöpfen. So fällt sogar auf, dass die neuen Songs, wie "Das Geschenk" oder "Disko4000" gar nicht mal so verschieden zu den alten Liedern sind. Sie fügen sich nahtlos in das Set ein, was bei den Sportfreunden schon immer aus rockigen und schnellen Nummern, aber auch aus Pop-Balladen bestand.
"Ein Kompliment" ist dann aber wohl der Höhepunkt des Konzerts und wird, dafür dass hier ausnahmslos jeder mitsingt und tanzt, sehr sehr früh im Set gespielt. Auch das zeigt aber nochmal, dass die Sportfreunde Stiller zahlreiche Hits haben. Immer wieder wird "Ich, Roque" vom Publikum gefordert. Eine komische Forderung angesichts der Tatsache, dass man sich auf fußballerisch schwarz-gelbem Boden befindet. Aber noch muss das Publikum warten. Der Song wird erst in der Zugabe gespielt.

Die Zugabe beginnt dann auch mit einem Unplugged-Set, welches das Publikum für "Eisgekühlter Bommerlunder" unterbricht. Und dann hat auch Peter raus, wie der sich "Peter"-Rufe aus dem Publikum verdient. Er muss nur ein Weizen auf Ex trinken.
Das Konzert befindet sich auf der Zielgeraden und nach dem ersten Zugabenpart verschwinden schon viele Besucher, obwohl es noch nicht zu Ende ist. Denn, was so oft gefordert wurde, wird nun gespielt: "Ich, Roque".
Aus "1. Wahl" und "Auf der guten Seite" machen die Sportfreunde Stiller dann noch ein Medley bevor sie das Publikum nach rund 2 Stunden in die Nacht verabschieden.

Auch wenn mir die neuen Platten der Sportfreunde Stiller nicht gefallen. Live hat mich die Band wieder einmal überzeugt und live integrieren sich auch die neuen Songs so gut ins Set, dass man sie gar nicht mehr als solche wahrnimmt. Insgesamt ist die Band immer noch zum Blödeln aufgelegt und ist, positiv gesehen, nicht erwachsen geworden. Es sind immer noch die alten bodenständigen Jungs von damals, als "Ein Kompliment" ihnen deutschlandweit Erfolg beschert hat.