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Dan Croll
Daughter

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FZW

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Konzertbericht



Datum: 10.10.2016

Wie jemand so süßes so traurige Musik schreiben kann...

Daughter im FZW

Dortmund (dd)    Wochen habe ich auf diesen Termin hingefiebert und Tage gezählt. Im Sommer habe ich jedes Festival verpasst, auf dem Daughter gespielt haben, um so mehr habe ich mich über die Zusage gefreut, über ihr Konzert im FZW in Dortmund berichten zu dürfen.

Daughter spielten ihren melancholischen Indie-Folk im FZW Dortmund. Foto: Marcel Linke

Das FZWist leider nicht ausverkauft, circa eine halbe Stunde vor dem Konzert ist noch viel Platz im Innenraum,
Fotos zum Konzert
Homepage von Daughter
Homepage von Dan Croll
während die ersten Reihen des Ranges schon gut gefüllt sind.
Minuten vor dem Support wird es kuschelig. Alle rücken nochmal zusammen, versuchen einen möglichst guten Blick zu erhaschen auf die Bühne und den nahenden Support.

Es ist Dan Croll, nicht mit kompletter Band, sondern nur begleitet von Keyboard und E-Gitarre. Er selber wechselt während des Auftritts öfters zwischen Keyboard und Akustikgitarre.
Seine Debutsingle From Nowhere lief 2014 im Radio rauf und runter.
Ich verspreche mir viel und werde bitter enttäuscht. Der Sound ist miserabel abgemischt (ja, ich stehe nicht ganz mittig, dennoch durchaus noch in einem Bereich, in dem der Bass nicht alles überdröhnen sollte), die drei sitzen wie Hühner auf der Stange, hier und da verrutscht ein gesungener Ton.
Das Publikum reagiert verhalten. Hier und da wird mit dem Kopf genickt, nach den einzelnen Liedern halbherzig applaudiert.
Ruhig ist es während der Songs, dazwischen wird der Redebedarf gestillt. So geht es fast unter, dass den Jungs erst auf dem Weg zum Konzert aufgefallen ist, dass sie keine Stühle für den Auftritt haben. Kurzerhand wurden schwarze Hocker beim schwedischen Möbelhaus gekauft, nur 2 Schrauben fehlen. Wer diesen Stuhl hat (und eventuell irgendwann mit seinen Einzelteilen auf dem Boden liegen könnte), das weiß keiner so recht.
Erst bei den letzten Lieder des Auftritts kommt Stimmung auf. Sänger Croll tauscht das Keyboard erneut gegen die Akustikgitarre, die Stücke werden schneller, tanzbarer, die Stimmung besser.
Nach einer halben Stunde geben sie die Bühne frei für Daughter. Bis zum Schluss haben alle Hocker gehalten.

Punkt neun Uhr, die Lichter im Publikum gehen für Daughter aus, die Bühne leuchtet golden. Sängerin Tonra sagte einmal in einem Interview, sie habe jeden Abend auf der Bühne eine andere Stimmung und trage diese in ihre Songs. Das mache jedes Konzert so besonders.
Mit diesem Interview im Hinterkopf schaue ich gebannt in ihr Gesicht. Das Gold wechselt zu Weiß, ihr wird die Gitarre gereicht, sie lächelt verhalten.

Die Bühnendeko ist schlicht, drei lange Tücher, angestrahlt mit verschiedenen Farben und Mustern, ansonsten nur die Musiker und ihre Instrumente. Der erste Song des Abends ist New Ways.
Ich bin direkt hin und weg von ihrer Stimme, der Leichtigkeit, die sie ausstrahlt, trotz der Schwere der Songtexte. Niemand freut sich so süß und zeitgleich so zurückhalten über den Applaus wie Tonra. Hin und wieder macht sie einen Knicks, bedankt sich viele, viele Male und trinkt ein paar Schlucke von ihrem Tee.
Das Intro von Doing The Right Thing muss unterbrochen werden, die Gitarre ist verstimmt. Gitarrist Haefli gibt zu, es sei seine Idee gewesen („I said go in quickly you don’t even have to tune and now it’s hitting my own face“).
Man merkt bei jedem Stück, wie sehr Tonra es genießt, auf der Bühne zu stehen. Immer hat sie ein Lächeln auf den Lippen, singt den Refrain von Doing The Right Thing noch einmal acapella und bedankt sich leise für den Applaus.
Zu No Care steht sie ohne Instrument da, hält sich mehr an sich selbst und dem Mikrofon fest, als das sie steht und nimmt doch das Publikum in ihre Welt, in der sie ganz allein für sich singt.
Das Intro von Youth erklingt, verstummt und erklingt erneut. Tonra lacht, sie habe das Stück schon so oft vergessen und sich grade doch selber verrückt gemacht den Text vergessen zu haben. Das Publikum unterstützt laut singend, hierauf haben viele gewartet.
Mit Shallows endet das reguläre Set nach guten 90 Minuten.
Nur kurz verbeugen sich alle und laufen von der Bühne.
Jemand hinter mir merkt an: „Das jemand so süßes so traurige Lieder schreiben kann, man kann es eigentlich nicht glauben“.

Bis Daughter die Bühne zur Zugabe betreten, applaudiert das Publikum. Würden nicht schon alle stehen, gäbe es Standing Ovation.
Auch bei Medicine gibt es in der zweiten Strophe einen kleinen Aussetzer, lachend gibt sie den Fehler zu, niemand nimmt es ihr krumm.
Das letzte Lied des Abends ist Fossa, mein persönliches Lieblingslied und Highlight der Band.
Ich bin überwältigt und glücklich. Das nächste Daughterkonzert in der Nähe wird definitiv wieder besucht.

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Datum: 10.10.2016

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