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Konzertbericht

Bands
Angra
Scarlet Aura
Tarja Turunen

Locations
Batschkapp



Datum: 12.10.2016

Internationaler Metal-Abend

Tarja Turunen in der Batschkapp - The Shadow Shows

Frankfurt (rl)    An diesem kühlen Herbstabend kamen Fans von Hard Rock, klassischem Heavy Metal und symphonischen Metal vollends auf ihre Kosten - schon allein wegen Tarja Turunen, die mit lautem Jubel und Applaus gefeiert wurde. Das Manko des Abends: die Akustik.

Tarja Turunen ist gerade auf Tour. Foto: Harald Flechtner

Es geht an diesem Abend früh los. Bereits um 19:30 Uhr stehen Scarlet Aura aus Bulgarien auf der Bühne. Die
Fotos zum Konzert in Hannover
Homepage von Tarja Turunen
Homepage von Angra
Homepage von Scarlet Aura
vierköpfige Band rund um Frontfrau Aura Danciulescu existiert seit seit 2014 und stellte als Opener für Tarja ihr Album "Falling Skies" vor. Scarlet Aura selbst bezeichnen ihre Musik als Melodic Metal, manche Lieder haben auch Einflüsse von klassischen Hardrock. Wegen dem Stil der Band, dem Aussehen und der kräftigen Rockstimme der Sängerin und Frontfrau sind Vergleiche mit Doro Pesch durchaus legitim.

Um 20:30 Uhr stehen Special Guest Angra aus Brasilien auf der Bühne. Auf dieser Tour unterstützen sie nicht nur Tarja, sondern feiern auch das 20-jährige Bandjubiläum. Die sechsköpfige Band rund um den Sänger Fabio Leone beherrscht klassischen Heavy Metal wie man ihn von Dio, vielleicht auch Judas Priest und anderen üblichen Verdächtigen kennt. Allerdings bringen Angra in ihre Musik noch einmal etwas ganz eigenes ein, vor allem live, wenn die Percussion das übliche Line-Up Gitarre, Bass und Schlagzeug ergänzt. Als die Brasilianer sich nach etwa einer Stunde von der Bühne verabschieden, können sie den Auftritt durchaus als Erfolg verbuchen.
Trivia: Gitarrist Kiko Loureiro, der seit 2015 auch bei Megadeth spielt war an diesem Abend nicht dabei, stattdessen verstärkte Marcelo Barbosa als ständiges sechstes Tourmitglied die Band.

Nach etwa 30 Minuten Umbau-Pause ist es dann soweit, die Metaloper beginnt: Tarja betritt unter frenetischem Jubel die Bühne. Ihre Stimme lässt keine Wünsche offen, der Sound leider schon, zumindest teilweise. Was Klang und Akustik angeht, hätte mehr drin sein können. Und: Wohl dem, der Ohrenstöpsel dabei hatte, denn es war unfassbar laut. Eine Besucherin riet während der Umbaupause anderen Fans: "Passt auf Eure Ohren auf". Zu recht. Da war das Akustik-Medley (Until Silence / The Reign / Mystique Voyage / House of Wax / I Walk Alone) eine willkommene Abwechslung, Hier kam Tarjas ausgebildete Stimme (Mezzosopran) besonders zur Geltung, und sie konnte zumindest ein paar Einflüsse Kammermusik einbringen, die sie gerne mag und singt.

Das war allerdings nicht das einizige Medley, denn mit "Tutankhamen", "Ever Dream", "The Riddler" und "Slaying the Dreamer" fanden auch vier Nightwish-Songs den Weg in die Setlist. "Demons In You", ohne Alissa White-Gluz, schließt mit den krachenden und heftigen Gitarrenriff an den Nightwish-Sound an, und mit "Victim of Ritual" kommt mit dem "Bolero"-Thema wieder der klassische Einfluss zum Tragen.

Tarja schafft es, dass das Publikum in ihren Bann zu ziehen - mit ihrer Stimme, ihrem Charme und ihrer Präsenz. Mal wirkt sie anmutig, bewegt sie sich ein wenig wie eine Ballerina, mal headbangt sie und spielt Luftgitarre. Und sie wendet sich immer wieder direkt an das Publikum. Ob die Finnin mit "You know I am the drama queen" auf die Auseinandersetzung mit ihren ehemaligen Nightwish-Kollegen anspielt und ob sie sich als "old witch" oder "old bitch" bezeichnet hat, soll an dieser Stelle offenbleiben. Ihre Rührung ob des teils lauten und langen Beifalls und ihre Dankbarkeit für die Unterstützung der Fans war auf jeden Fall ehrlich und Tarja Turunen anzusehen.

Auch wenn der Sound an diesem Abend ein Manko war, so gibt es nicht allzu viel zu meckern. Tarja und ihre Band spielten etwa anderthalb Stunden lang und sie werden mit minutenlangem Applaus verabschiedet. Fairerweise muss man sagen, dass noch mehr möglich gewesen wäre: Der Sound war den ganzen Abend problematisch, und es hätten auch noch ein paar Besucher mehr Platz gehabt, da die Batschkapp etwa zu zwei Drittel gefüllt war. Aber sei's drum. Es war ein guter Konzertabend, dessen Highlight ganz klar Tarja war, die mit ihrer Stimme, ihrer Musik und auch der Videoshow eine gute Leistung ablieferte. Scarlet Aura und Angra waren gut gewählte Support-Bands, die sich nun vielleicht über ein paar Fans mehr freuen dürfen.