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Karate Andi

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Datum: 29.09.2016

Willkommen im Karate Club

Karate Andi verteilt Freibier im Forum

Bielefeld (as)    Was haben wir denn bitte erwartet? Karate Andi bringt Bielefeld die heiligen drei Gaben: Freibier, Samples und Punchlinerap. Und das Publikum frönt dem Hedonismus, wie es der Apostel vom Hermannplatz so ausgiebig predigt: Saufen, Rauchen, Pöbeln.

Karate Andi gab ein heißes Konzert im Forum Bielefeld. Foto: Marcel Linke

Der Boden klebt. Überall sind kleinere Bierpfützen, Scherben und Kippenstummel. Was aussieht wie der Morgen nach
Fotos zum Konzert
einer langen Diskonacht, waren 75 kurzweilige Minuten mit Karate Andi. Der Boss vom Hinterhof machte Ernst und bemühte sich alle gängigen Vorurteile zu bedienen. Was war da los? Ganz im Zeichen einer Universitätsstadt beginnt sein Programm um 8 CT mit einer Viertelstunde DJ-WarmUp-Kush-Music-Verblödung, die niemanden interessiert. Da hilft auch Haftis CopKKKilla nicht wirklich weiter. Aber es verschafft uns Zeit das Bühnenbild zu betrachten und zu würdigen. Mit viel Liebe zusammengestellt stehen dort ein Novoline-Automat, mehrere Topfpalmen, ein alter Röhrenfernseher sowie eine alte Schirmlampe neben einem gemütlichen Sessel. Auf einem Retro-Leuchtreklameschild wird die "Happy Hour" angekündigt. Diese beginnt mit einem freshen '80s Beat und dem "Gebrochener Knieboogie".

Achtet auf die Lyriks nicht auf den Beat

Beim Thema Ansagen macht Andi so schnell keiner was vor. In seiner unverkennbaren Art (siehe das Turbo Track by Track auf Spotify) kommentiert er sein Werk mit einer Mischung aus Distanz und Übertreibung: "Hip Hop ist für mich wichtiger als Autos oder Luft". So wollen wir es hören! Wie ein Priester zu seiner Messe mahnt er "Gott sieht alles" und das Forum antwortet: Halleluja du Hurensohn! Obwohl es nicht ganz ausverkauft aussieht, ist es doch gut gefüllt durch wippende Arme und das Publikum macht lautstark den Backup MC für den Backup MC: Das wirkt souverän. Bei Hymnen wie "Der Boss vom Hinterhof" und "Generation Andi" zeigt sich Bielefeld textsicher. Die großen Themen Spielsucht, Bier & Bitches wurden verinnerlicht.

Wenn man nur in den Spiegel sieht, um Pep zu ziehen

Tatsächlich gibt es dann auch Freibier. Gerüchte besagten, dass Andi diese kurzen Ruhepausen sehr willkommen sind, also gab es im Laufe des Abends gleich 3 Schankrunden. Wie tief Menschen sinken können, überrascht leider immer wieder. Unschöne Szenen in Bielefeld: Schubsen, Pöbeln und Diebstahl. Für einen halbvollen Becher, der oftmals nur in die Menge geworfen wurde. Eine junge Frau war sich sogar nicht einmal dafür zu schade bei der Bier-Stürzen-Shirtverlosung das Preisshirt zu klauen. Yolo.
Drauf gekackt, denn das Konzert hat einiges los. "Mofa" ist ein herrliches Zwischenfinale und zum "Chronik III" Part bildet sich gar ein Moshpit. Die Songs von "Pilsator Platin" werden gefeiert, gleich denen von "Turbo". Besonders "Eisen" ballert wirklich gut.

Komm im Bimma

Dann erkämpft sich Bielefeld ein wenig Achtung zurück. Als BackUp MC John Borno nach seinem Gastspiel (Andi keepte wieder caln und machte 1 Pause im Sessel) "Danke Münster" sagt, schallt ihm ein stur-hartnäckig-kämpferisches BIELEFELD, BIELEFELD entgegen. Don't fuck in our house, Borno! Stimmung gerettet und mit "Breakdance Battle" ein großes Finale erlebt. Leider gibt es als Zugabe (Flughafen?) nur noch "Morgen hör ich auf" (Killertrack), dann ist Ende. Um 21:45. Zieht man die Bierpausen ab, bleibt ne gute Stunde Songmaterial für knapp 25,- € Eintritt. Da ist das Freibier wohl durch die Ticketpreise zwangssubventioniert. Auch wieder geil. Ich würd mir das wohl nochmal geben.