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Konzertbericht

Bands
Bill Ryder-Jones
Mumford & Sons

Locations
Barclaycard Arena



Datum: 13.05.2016

Mumford & Sons in der Barclaycard Arena

Meet me at Hamburg Volkspark

Hamburg (ml)    Mumford & Sons sind auf Tour. Für drei Konzerte im Mai hat es sie nach Deutschland geführt, bevor es im Juni nochmal für zwei Konzerte auf das Hurricane- und das Southside-Festival geht. Mitgebracht haben sie als Support Bill Ryder-Jones mit seiner Band.

Marcus Mumford hat sichtlich Spaß auf der Bühne. Foto: Marcel Linke

Wer von weiter her angereist kommt hat heute Probleme. Das Pfingstwochenende steht vor der Haustür und an
Fotos zum Konzert
Homepage von Mumford & Sons
Homepage von Bill Ryder-Jones
diesem Freitag sind die Autobahnen besonders voll. So kommt es nicht nur, dass man vor der Halle im Stau steht, sondern auch noch auf den Autobahnen.
Eine Stunde nach Einlass und kurz vor offiziellem Beginn trudeln also immer noch viele Autofahrer ein. Viele von ihnen werden den Support Bill Ryder-Jones verpassen, einer der Mitbegründer der legendären britischen Indie-Rock-Band The Coral. Viel macht das nicht aus. Er und seine Band spielen an diesem Abend nur 7 Songs. Er präsentiert dem Publikum seinen etwas verträumten Singer-Songwriter-Indie-Rock und wird dabei von einer Band aus Schlagzeuger, Bassist und Keyboarder sowie Backing Vocals unterstützt.

Insgesamt passt das ganz gut als Support zu Mumford & Sons. Es ist nicht zu laut, nicht zu schnell, geht musikalisch etwas in die Richtung des Hauptacts und stiehlt ihm doch nicht die Show.

Das kann man aber auch gar nicht. Allein die schiere Anzahl an Bühnenmusikern beeindruckt schon. Da ist einerseits die feste Besetzung der Band, bestehend aus den vier Mitgliedern Marcus Mumford, Winston Marshall, Ben Lovett und Ted Dwane. Unterstützt werden sie von einer kompletten Backing Band, die Schlagzeug und Percussions übernimmt.
Es geht ruhig und leise mit "Snake Eyes" auf die Bühne. Ein sehr atmosphärischer Einstieg in das Konzert. So lässt sich eine Spannungsparabel aufbauen. Es muss nicht immer explosiv in eine Show gehen. Es kann aber laut weiter gehen. Nach der ruhigen Einstiegsnummer kommt dann "Little Lion Man". Dafür schnallt sich Marcus Mumford die Akustik-Gitarre um, der Kontrabass wird raus geholt: Jetzt wird Folk gespielt. Und alle tanzen mit.

Dazu brauchen Mumford & Sons dann aber auch keine explosive Show. Für die Größe der Halle ist die Bühne schon sehr schlicht gehalten. Zahlreiche Lampen schmücken sie aus. Keine Deko. Links und Rechts Leinwände auf denen die Leute, die weiter hinten sind, das Konzert verfolgen können. Selten mal LCD-Grafiken im Bühnenhintergrund. Die Bühne wirkt etwas blechern. Dadurch reflektiert das Licht und es entsteht etwas der Eindruck einer Industrieoptik, der gerade zu den Folk-Songs gut passt. Für eine Band, die sich vor allem über ihre Musik definiert, reicht das aber auch völlig aus.

"Below My Feet" ist der dritte Song, den die Band spielt. Sowohl "Snake Eyes", als auch "Below My Feet" sind Songs vom aktuellen Album und beide sind ruhiger als die älteren Nummern. Der tanzbare Folk wurde etwas zurückgefahren, dafür hat der Pop und Bombast Einzug in die Songs gefunden. Das ist dann insgesamt nicht schlechter und es passt ziemlich gut in das Live-Set der Band. Es zeigt eine Band auf, die sich weiter entwickelt und zu neuen, größeren, Ufern aufbricht.
Der Titelsong "Wilder Mind", den die Musiker spielen, ist stellvertretend für das komplette Album. Fast schon minimalistische Musik, ein bedrückender Gesang, der im Refrain dann richtig aus sich heraus kommt. Jeder Song beschreibt seinen eigenen Spannungsbogen. Im Wechsel mit den Liedern der beiden Vorgängeralben ist das komplette Konzert fast schon mit diesem einen einzigen Song zusammengefasst.
Aber diese Betrachtung wird der Band und speziell Marcus Mumfords Songwriterkünsten, die auf einem Album noch nie einen schlechten Song hervorgebracht haben, nicht gerecht.

Dass sich Mumford & Sons nicht immer allzu ernst nehmen merkt man dann zu "Broken Clown". Den Track führen sie mit dem Kommentar an, dass Ted Dwane Geburtstag hat. Es folgt ein Geburtstagsständchen vom Publikum. Aufgelöst wird dann aber, dass Mumford & Sons diese Nummer so auf jedem Konzert bringen. Das erinnert mich dann etwas an Kapelle Petra in ganz groß. Wer da wohl bei wem abgekupfert hat?

Zu "Ghosts That We Knew" wird es dann abermals sehr atmosphärisch. Im Publikum werden die Handylichter und erstaunlich viele Feuerzeuge gezückt, während die Lichttechniker das ganze durch eine beeindruckende Lasershow umranden. Und da ist es dann: Nun gibt es doch etwas Show, aber eine die vom Wesentlichen, von den Musikern und ihrer Musik nicht ablenkt, sondern diese nur unterstützt.
Im Anschluss spielt die Band "The Cave". Etwas früh, dafür dass es sich hier wohl neben "Little Lion Man" immer noch um einen ihrer größten Hits handelt. Übrigens sind das alles Songs, die hier keine hohen Chartplatzierungen hatten. Selbst die Alben konnten maximal Platz 2 in Deutschland erreichen. Die Radiosender spielen die Musik der Band dennoch. Und die Konzerte? Die finden mittlerweile in den größten Arenen des Landes statt und sind ausverkauft. Wie kommt das?
Wenn einem eines klar wird auf einem Konzert der Mumford & Sons, dann dass es sich bei Marcus Mumford nicht nur um ein musikalisches Mastermind handelt, sondern dass die Band die Songs auch live perfekt umsetzen kann. Die Show reißt einfach mit. Wer von der Hinfahrt noch völligen Stress durch den Stau-Zeitdruck hat, verliert ihn auf dem Konzert komplett. Ob vorne oder hinten. Jeder wird mitgerissen und taucht ein in die Welt der Musiker.

Und die lassen das Publikum sogar in ihre Nähe. Da ist dann erst einmal der Abstecher von Marcus Mumford zu "Ditmas" in die Menge. Er sprintet durch, einmal die Tribühne hoch. Ganz nah bei den Fans, die ganz hinten sind. Und nachdem auch das komplette Innenraum-Publikum mitbekommen hat, wo er ist, zwängt er sich durch die vollen Sitzreihen wieder zurück in Richtung Bühne. Hier gibt es Musiker noch zum Anfassen. Die Zugabe beginnen die Briten dann von einer Mittebühne. Zu viert stehen sie um ein Mikrofon herum, bewaffnet mit ihren Stimmen und einer Akustik-Gitarre. "Timeshel" und "Cold Arms" geben sie zum Besten. Eine tolle Geste an ihr Publikum in Deutschland, von dem sie auf dem Konzert sagen, dass es sich gut anfühlt wieder dort zu sein.

Das Konzert ist fast zu Ende. Zum Abschluss kommt die Band natürlich noch einmal auf die Hauptbühne, um mit "Hot Gates" zu starten. Direkt im Anschluss folgt eine Coverversion von Bruce Springsteens "I'm On Fire", welches gerade eher den älteren Konzertbersuchern auf dem Konzert der Mumford & Sons ein Begriff ist.
Gut um noch einmal vor dem großen Abschluss runterzukommen. Zu "I Will Wait" und "The Wolf" holen nicht nur Mumford & Sons ihre letzten Energiereserven raus. Auch das Publikum kommt nochmal voll aus sich heraus und rastet komplett aus.

Was für ein grandioses Konzert die Band hier gespielt hat. Wenn man bedenkt, dass die Mumford & Sons erst drei Alben veröffentlicht haben und jetzt schon international dort stehen, wo viele Musiker erst nach Jahrzehnten spielen, ist es fast schon unmöglich sich vorzustellen, wie es für die Band noch weiter geht.