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Konzertbericht

Bands
Reverend and the Makers
The Libertines

Locations
Columbiahalle



Datum: 07.02.2016

Endlich wieder in Deutschland

The Libertines in Berlin

Berlin (dd)    Jeder Platz ist besetzt in der Columbiahalle, kuschelig warm ist es, die Vorfreude deutlich zu spüren. Seit 2014 sind The Libertines wieder vereint, das neue Album wurde September 2015 veröffentlicht. Die Tour dazu macht im Februar dreimal in Deutschland Halt.

Lange haben die Fans darauf gewartet. The Libertines spielen zum ersten Mal seit 2004 neue Songs live in Deutschland. Foto: Marcel Linke

Berlin, Columbiahalle, ausverkauft, voll. Ehrlich gesagt schon zu voll, für meinen Geschmack. Dafür stehe ich in der
Fotos zum Konzert
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zweiten Reihe, oder schwebe, je nachdem in welche Richtung die Masse grade drückt.
Füße auf den Boden stellen? Beide gleichzeitig? Unmöglich.
Klimaanlage? Anscheinend überbewertet. Bei 3.500 Besuchern auf zwei Ebenen teilt das nicht ganz meine Meinung.

Internationales Publikum, am Eingang habe ich direkt einen Franzosen getroffen, hinter mir zwei Schweden, vor mir drei Mädels, die extra aus Polen angereist sind. Man merkt, viele haben auf ein Comeback gehofft und nehmen auch weite Anreisen in Kauf.

Warten auf die Vorband, Reverend and the Makers aus England. Das neue Album „Mirrors“ wurde grade veröffentlicht.
Vier Leute auf der Bühne, irgendwie sehen die anders aus als John McClure und Co. Die sehen eher aus wie... wahrhaftig, das ist Pete!
„Music When The Lights Go Out“, spontan und akustisch. Die Mädels um mich herum kreischen, ich kann es noch nicht so ganz fassen, geschweige denn einordnen. Ist das jetzt schon das Konzert? Pete und Carl mit Akustikgitarren, John und Gary stehen zunächst etwas planlos am Rand, ihr Gesicht drückt aus, was ich grade denke: „Das ist cool, aber was wird das jetzt?“. Nach einer Aufforderung spielen sie mit.
Zwei Songs später wird klar: Das war der Support für den Support und die The Libertines verlassen wieder die Bühne.

Reverend and the Makers positionieren sich, während der ersten Töne kommt John auf die Bühne, er erinnert mich an den Dude. Er trägt einen dunkelgrauen Wintermantel, eine Tasche ist eingerissen, darunter ein weißes T-Shirt das etwas zu kurz ist und öfters mal einen Blick auf die Bauchbehaarung freigibt. So kalt ist es in der Halle eigentlich nicht, eher im Gegenteil. Während der ersten Songs („Amsterdam“ und „Open Your Window“) stelle ich mir die Frage, ob es überhaupt eine Band gibt, die den Libertines als Vorband gerecht wird.
Bis auf The Babyshambles fällt mir keine ein, und das wäre nahezu sinnfrei weil auch dort Pete Doherty Frontmann ist.

Insgesamt haben Reverend and the Makers einen unverwechselbaren Stil. Ein Mix aus Rock, Funk und Elektro. Prädikat: Sehr tanzbar! Leider einfach nicht passend zum vorzugsweise grungigen, punkigen Garagenrock der Libertines. Das spiegelt auch die Reaktion des Publikums wieder, die zwar höflich applaudieren aber nur mäßig tanzen oder bei Aufforderungen mitsingen. Reverend and the Makers waren schon Support der Arctic Monkeys, Red Hot Chili Peppers oder The Verve. Ich stelle sie mir eher auf einem kleinen Indiefestival im UK vor, gut auch als Support der Polyphonic Spree. Gespielt wurden unter anderem auch „Shine The Light“, „Makin Babies“ oder „Mr. Glassalfempty“. Gefreut habe ich mich besonders über „Silence Is Talking“.
Alles in allem haben sie eine gute Show geliefert, nur leider keinen guten Support für The Libertines.

Umbaupause, vor Spannung knistert die Luft. 5. Juli 2014, das Datum der Wiedergeburt. Seitdem ein Album „Anthems for Doomed Youth“ und vereinzelte Auftritte, jetzt die Tour. Sie noch einmal live erleben zu dürfen habe ich nicht zu träumen gewagt, umso größer die Vorfreude.
Die Kulisse wird enthüllt, spiegelnde Flächen und davor der The-Libertines-Schriftzug, ausgeschnitten aus angerautem Metall.
„Barbarians“ eröffnet die Show. Becher fliegen auf die Bühne, gekonnt wird ausgewichen. Den tieferen Sinn verstehe ich heute noch nicht. Wenn man schon Geld für ein Konzert bezahlt und sich auf den Auftritt freut, warum muss man dann die Band mit Plastik bewerfen?

Alt ist Pete geworden, insgesamt wirkt er desorientierter und etwas unsicherer auf den Beinen. Dem Auftritt tut es keinen Abbruch, ein Song nach dem anderen wird gespielt.
„Heart Of The Matter“, „Boys In The Band“, „What Katie Did“ und „Anthem For Doomed Youth“ sind einige von ihnen.
Die Mädels vor mir werfen Kuscheltiere, Pete steckt sich eins in die Hose und wirft es zurück ins Publikum. Während des nächsten Songs „The Milkman’s Horse“ fliegt es wieder auf die Bühne und bleibt neben dem Schlagzeug liegen.

Leider ist der Sound nicht perfekt abgestimmt, die Höhen kommen zu sehr durch und generell ist es ein ganzes Stück zu laut für die Größe der Halle.
Alle tanzen und springen wild durcheinander zu „Can’t Stand Me Now“. Die Stimmung ist gut, wenig Crowdsurfer, dafür viel Gedrücke. Springen ist, zumindest für mich, kaum möglich.
Carl setzt sich ans Klavier, „You’re My Waterloo“, Gänsehautmoment.
„Time for Heroes“ ist mein Highlight kurz vor Ende des Konzerts. Es wird ein Banner auf die Bühne geworfen, die polnische Flagge mit „Libertine til I die“-Aufdruck in das sich Pete und Carl singend und spielend einwickeln.

Die Zugaben sind „Up the Bracket“, „What A Waster“ und „Don’t Look Back Into The Sun“. Mikrofonständer fallen, T-Shirts fliegen auf die Bühne, Hüte fliegen ins Publikum, zum Schluss ein kompletter Abriss der Kulisse.
Über zwei Stunden hat der Auftritt gedauert, jede Minute hat sich gelohnt.

Wer The Libertines noch live sehen möchte, hat am 09.02.16 in München und am 10.02.16 in Köln die Möglichkeit.