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Allgemein
Konzertbericht

Bands
Any Given Day
Caliban
Neaera
Vitja
Walking Dead On Broadway

Locations
Skaters Palace



Datum: 28.12.2015

Hängen den Hammer an den Nagel:

NEAERA sagen Farewell

Münster (as)    12 Jahre garantierten uns die fünf Münsteraner von Neaera fiese Riffs und dicke Bässe. Nun ist das Ende der Geschichte erreicht: Neaera gibt es nicht mehr! Doch dieser Abgang wird uns noch länger in Erinnerung bleiben. Eine letzte Show, ein letztes Heimspiel und das Skaters Palace wurde in den Grundfesten erschüttert.

Da wir in den Weihnachtsfeiertagen leider mit mehreren krankheitsbedingten Ausfällen in unserem Team zu kämpfen hatten, können wir euch hier leider nur ein Archivfoto von Neaera auf dem Vainstream zeigen. Foto: Marcel Linke

Neaera war eine Band die mich persönlich, aber auch Music2Web lange begleitet und begeistert hat. In den letzten Jahren wussten sie auf zahllosen Festival- und Clubshows zu überzeugen und konnten sich ganz oben in der deutschen Metalszene etablieren. Obwohl ihre Touren durch ganz Europa und auf alle wichtigen Festivals führten, fanden sie immer wieder den Weg zurück in die beschauliche Heimat. Neben den Vainstream-Auftritten in Münster meine ich vor allem das exklusive Konzert im Osnabrücker Bastard Club 2014 und die 3 (!) Besuche in unserer Heimatstadt Bad Oeynhausen. Selten waren Musiker auch menschlich so überzeugend.

Und jetzt soll also Schluss sein? Nun gut, aber nicht ohne sich zu verabschieden! Die Darkness Over X-Mas Tour dient als Sprungbrett in die Ewigkeit und natürlich fällt der finale Termin auf Münster. Nachdem die Sputnikhalle ausverkauft war, wurde die Show in das Skaters Palace hochverlegt: ebenfalls direkt ausverkauft! Allesamt wollten sie dieser Band noch einmal die Ehre erweisen und somit handelt der folgende Bericht weniger von der Tour, sondern allein von der letzten Show einer liebgewonnenen Band. Vitja, Walking Dead on Broadway, Any Given Day und Caliban werden also höflich ignoriert.

Es ist warm im Skaters Palace. Die bisherigen Bands haben dem Publikum richtig eingeheizt und das Bier hat den Rest getan. So wird es unruhig. Die Leute sind ungeduldig und wollen jetzt endlich den Headliner sehen. Als dann das Licht ausgeht und im Nebel die Einlaufmusik durch den Saal schallt, wird der letzte freie Platz vor der Bühne eingefordert. Es entfaltet sich ein sphärischer Klangteppich, der - durch Trommeln unterstützt - eine Sogwirkung in Richtung Bühne entwickelt. Den Zuschauer lockt und einlullt, nur um uns dann mit "Armamentarium" gleichzeitig einen Kinnhaken und einen Schwinger in die Magengrube zu verpassen: Bam! Sofort brennt der Pit und der erste von unzähligen Crowdsurfern macht sich auf den Weg. Mitten drin im Getümmel ist Sänger Benny und reitet auf den Fans. Ein letztes Mal ist er der Dirigent des Mosh und er geht in dieser Rolle auf. Denn Niemand im Metal ist so wenig böse, wie Benny. So kann er machen, was er will. Egal was er auch sagt, sein Lächeln macht alles wieder gut und vor allem macht es gute Laune. Neaera-Shows haben auch deswegen immer so viel Spaß gemacht.


Münster skaliert:  Neaera, Neaera, Neaera!

Allein Benny's Laufwege sind das Eintrittsgeld wert. Wenn er nicht gerade von der Menge getragen wird, springt er über die Bühne oder durch den Graben. Erst klettert er die Pfeiler hoch, später lässt er sich von einem Balken baumeln und bald wird sein Mikrofonkabel als Hindernis entlarvt und durch ein Funkmic ersetzt. Endlich kann ein ausgebuffter Plan umgesetzt werden: 1. Benny bestellt sich auf der Bühne ein Bier. 2. Crowdsurf zur Theke auf der anderen Seite des Palace. 3. Mit dem Bier von der Menge zurück zur Bühne getragen werden. 4. Benny prostest und trinkt das Bier - So noch nicht gesehen. Starke Nummer.

Neben all diesen Ablenkungen darf nicht vergessen werden, dass Neaera auch verdammt gute Songs dabei haben. Ob Klassiker, wie "Walls Instead Of Bridges" und "Let The Tempest Come" oder aktuelleres wie "My Night Is Starless" (hier zündet Benny einen Bengalo!) : Der Neaera-Sound ballert. Dazu ordentliche Arbeit der Lichttechnik mit vielen bunten Farben und einer gesunden Portion Strobo. Ein wirklich gelungenes Konzert, bei dem das Publikum die ganze Zeit in die Vollen geht. Circle Pit, Wall of Death und immer wieder Crowdsurfer. Die Security passt gut auf. Nach einer guten Stunde ist das Set dann vorbei und die Zeit der Zugaben ist gekommen. Mit "Paradigm Lost" und "Definition Of Love" kommen die treuen Fans noch einmal auf ihre Kosten. Dann geht das Licht aus und die Abspann-Musik fängt an. Plötzlich ist eine Stimme zu hören: "Timo, noch nicht!" und das Licht geht wieder an. Nach diesem ungewollten Lacher gibt es noch ein letztes Mal auf die Zwölf. "Synergy" wird der letzte Song sein, den Neaera live spielen. Ein wenig traurig ist das, aber das hier heute war ein einmalig genialer Abschluss.

Schließlich kommt doch der Abspann und zu "Guns & Roses" klatscht Münster volle 5 Minuten, während die Band den Theaterabgang macht. Verbeugen, nochmal Verbeugen. Applaus, noch mehr Applaus. Zum Stadion-Evergreen "You Never walk alone" gehen schließlich die Türen auf und der Abend ist gelaufen. Ein wirklich schöner Abschied: Danke an Benny, Sebastian, Benjamin, Stefan und Tobi. Danke an Neaera. Und viel Erfolg im echten Leben.