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Allgemein
Family First Festival
Konzertbericht

Bands
Adam Angst
Boysetsfire
Chuck Ragan
Funeral For A Friend
War on Women

Locations
Palladium



Datum: 21.08.2015

Family First Festival im Kölner Palladium

Das etwas andere Familientreffen…..

Köln (kl)    Wenn das nächste Familientreffen so abläuft, macht es endlich mal Spaß, die bucklige Verwandtschaft zu sehen. Alter Verwalter hat das Spaß gemacht im Palladium in Köln. Glänzend aufgelegte Familienmitglieder, super Publikum und einige Überraschungen haben das Family First Festival zu einem unvergesslichen Abend werden lassen!

Boysetsfire luden zu ihrem ersten eigenen Festival ein. Foto: Kristof Linke

Den Beginn des Reigens der gepflegten Krawallmusik im restlos ausverkauften Palladium in Köln geben allerdings 2 Akkustikacts. „New Deadline“ und „Senore Matze Rossi“ Hatten jeweils 20 Minuten Zeit, ein paar neue Fans zu gewinnen. Allerdings wirkte das etwas deplatziert. Was nicht heißt, dass sie nicht schlecht waren, aber zur falschen Zeit am falschen Ort. Dennoch wurden sie von dem bereits anwesenden Publikum wohlwollend verabschiedet.

Erst als War on Women (Fotos) auf die Bühne stiegen, wurde es Lauter. Allerdings muss man den Krachpunk des Quintetts aus Baltimore mögen. Sagen wir es mal so: Wird Krach organisiert, ist er sehr wohlklingend und schmeichelt den Ohren. Wenn er allerdings unorganisiert und somit nur Laut aus den Boxen kommt, fühlt es sich an, als ob ein Zug mit Jetantrieb durch die Gehörgänge rast. Mein Fall war es eher nicht so, aber jeder hat seinen eigenen Geschmack. Was man ihnen aber auf gar keinen Fall vorwerfen kann ist mangelnder Einsatz. Sängerin Shawna gab den Zeremonienmeister und tanzte wie ein Derwisch über die Bühne. Und auch der Rest der Band hatte ordentlich Spaß auf der Bühne. Nach 40 Minuten war der Spuck allerdings vorbei, Und War on Women wurden schon unter deutlich mehr Applaus verabschiedet, als die beiden Akkustiker. Aber wie schon geschrieben…. Man muss es mögen.

Adam Angst (Fotos) waren zwar nicht so schnell wie die vorherigen War on Women, aber Saugut! Musikalisch genau zwischen Turbostaat und Marathonmann angesiedelt, pusteten sie ihren unglaublich fetten Punk durch die Gehörgänge. Dabei gebar sich Sänger Felix Schönfuss als Dandy, der mit an Arroganz grenzender Sicherheit über die Bühne stolzierte. Große Posen beherrscht er aus dem FF. Der Rest der Band spielte derweil sauber, voller Energie und mit mächtig Spaß in den Backen ihr Set. Zwischendurch besuchte Felix das Publikum, in dem sich erste Moshpits bildeten. Nach ca 40 Minuten wurden Adam Angst unter deutlich lauterem Applaus als die vorherigen War on Women von der Bühne gelassen. Ein wirklich sehr gutes Warm up für das, was da noch kommen sollte. Und ich denke, dass sie mit diesem Auftritt einige neue Fans gewonnen haben. Mich auf jeden Fall!

Funeral for a Friend (Fotos) stellten die Stellschrauben dann nochmal ein wenig schärfer ein. Die Walliser zeigten, dass guter Melodic Hardcore nicht unbedingt aus den Staaten kommen muss. Das immer voller werdende Palladium zeigte sich ebenfalls begeistert von der energiegeladenen Show der Band. Sänger Matthew Davies nutzte die gesamte Bühne aus, um die Anwesenden zum Abgehen zu motivieren. Der Rest der Band Hielt sich anfang der show etas mehr im Hintergrund, wurde aber mit fortschreitender Dauer des Konzertes viel Lockerer. Leider war die Stimme von Matthew etwas angegriffen und das schmälerte den Genuss etwas. Aber wie schon geschrieben machte er dies durch seine Bühnenpräsens wieder mehr als wett. Für jemanden, der die Jungs noch nie gesehen hat, war es sicher eine gute Werkschau der Band und sie werden sicher weitere Fans dazugewonnen haben. Nach 45 Minuten verließen sie die Bühne unter großem Applaus.

Als Chuck Ragan (Fotos) die Bühne betrat, änderte sich einiges. Erstens habe ich nie gedacht, dass Country gemischt mit Folk und Indiemusik so interessant und gut klingen kann. Und zweitens hätte ich nie gedacht, dass eine so große Anzahl der Besucher die Texte auswendig kann. Lauthals wurden die Songs mitgesungen und begeistert aufgenommen. Mit seiner Band The Camaraderie löste er erste richtige Begeisterung im Publikum aus. Seine tiefe und durchdringende Stimme passte wunderbar zu dem eher düsteren Songs, die als Besonderheit von einer Geige begleitet wurden. Darüber Hinaus versprühten er und seine Band richtig Spielfreude. Selbst ein Defekt an Chucks Gitarre konnte der guten Laune keinen Dämpfer verpassen. Und Hot Water Music wurde auch noch gehuldigt. Mächtig gut gelaunt verließen Chuck Ragan und seine Band nach 60 Minuten die Bühne und hinterließen ein überglückliches Publikum.

Aber all das Vorherige war vergessen, als Boysetsfire (Fotos) die Bühne enterten. Mit „After the Eulogy“ wurde sofort klargestellt, wo die Reise an dem Abend hingeht. Mit mächtig viel Spielfreude wurde das Publikum auf einen Querschnitt der mittlerweile über 20 Jährigen Karriere der Band geschickt. Das Publikum war seit dem ersten Song nicht zu halten. Es feierte, moshte und sang wirklich jeden Song lauthals mit. Sänger Nathan war bestens gelaunt und bot eine sehr energiegeladene Show. Und auch der Rest der Band zeigte sich bestens gelaunt und spielfreudig. Die Reise ging über „Release the Dogs“ und „Requiem“ weiter. Je länger das Konzert dauerte, desto klarer wurde, dass sich BSF wirklich Gedanken gemacht haben was sie Spielen. Einen kompletten Abriss ihrer Klassiker mit dezent eingestreuten neuen Songs aus ihrem im September erscheinenden neuen Album. Und dies wurde durch einige Überraschungen wie „Deja Coup“ und „With every Intention“ fein gewürzt. Hin und wieder wurde der Fuß vom Gas genommen und dem Publikum eine kleine Verschnaufpause gegönnt („Never Said“ und das bereits erwähnte „with every intention“). Besonders denkwürdig wurde der Abend allerdings durch verschiedene Duette. Besonders „10 and Counting“ wurde mit der Unterstützung von Chuck Ragan zu einem Highlight des Abends. Des Weiteren wurden BSF von Matthew Davies bei „Rookie“ unterstützt. Und bei „Vehicle“ kam der US Bassist Chis Rakus von BSF auf die Bühne.
Nach 70 Minuten verließen sichtlich gut gelaunte Musiker die Bühne. Dies war allerdings nur ein kurzes Duschschnaufen. Mit“Walk Astray“, „my Life in the Knive Trade“ und „Empire“ Wurden nochmal 3 Perlen aus Ihren Schaffen herausgeholt, bevor sich die Band endgültig verabschiedete.
Alles in Allem ein wirklich denkwürdiger Abend, der zeigt, dass Familienfeiern richtig gut sein können. Man muss nur die richtigen Mitglieder einladen!