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Parc Astrid



Datum: 09.07.2015

Festival Les Ardentes 2015

Zum letzten Mal Parc Astrid

Lüttich/Belgien (sd)    64000 Musikfans versammelten sich zur letzten Ausgabe des Festial Les Ardentes auf der Maasinsel im Zentrum von Lüttich. Im nächsten Jahr geht es an einen anderen Ort.

D'Angelo beim Festival Les Ardentes 2015 in Lüttich/Belgien Foto: Sven A. Droste

Wie schon immer war das Lineup auch für die Ausgabe im Juli 2015 weit gefächert, wobei der amerikanische und auch
Impressionen vom Les Ardentes
einheimische Hip-Hop in diesem Jahr eine große Rolle spielte. Dazu gab es natürlich auch allerhand interessante und legendäre Acts Rock, Punk, Indie und Elektro zu sehen und vor allem auch zu hören.

Los ging es traditionsgemäß schon am Donnerstag, einem Tag an dem das Wetter noch nicht so recht wüsste wohin es wollte, sich am Ende aber für die trockene Variante entschied, was auch hieß, das allen Schlammbäder vor und hinter der Bühne erspart blieben.

Donnerstag:

Die Open Air Bühne stand an diesem Tag unter dem Banner des Hip-Hop. Zumindest ab dem frühen Abend gaben sich MCs und DJs die Mikrophone bzw. Nadeln in die Hand. Da waren Flatbush Zombies (Fotos) aus Brooklyn, New York. Die drei "Beast Cost" Rapper, Zombie Juice, Meechy Darko und Eric Elliot gaben ganz schön Gas und irgendwie scheint es modern zu sein mit Smartphone auf die Bühne zu gehen um die eigene Show zu dokumentieren, zumindest Zombie Juice hat das Teil nicht aus der Hand gelegt.

Etwas später auf der Bühne war es dann die Starflam Crew (Fotos), die dem Publikum eingeheizt hat. Bei strahlendem Sonnenschein und der Tatsache das Starflam aus Belgien stammen, kein Wunder, aber die MCs der Crew hatten eine ordentliche Power, die sich schnell auf des Publikum übertrug. Starflam schaut schon auf eine lange Geschichte zurück, die bereits 1996 begann und bis heute hält sich ihre Beliebtheit beim belgischen Publikum. Die Agilität der Starflam Crew noch im Hinterkopf hatte man bei den beiden Brüdern von Rae Sremmurd (Fotos) den Eindruck, dass es sich um zwei Flummies auf Speed handelte. Einer der beiden rollte auf einer Mischung aus Skatboard und Einrad auf die Bühne, da war sein Bruder schon zwei Mal die gesamte Breite der Bühne abgelaufen. Energie pur und dazu noch schön bunt. Die Zwei sind bereits Millionäre, zumindest auf Youtube.

Der Schlussact auf der Open Air Bühne für den Donnerstag war Kendrick Lamar (Fotos). Der aus Los Angeles stammen de Rapper hat in der Vergangenheit schon viele Lorbeeren aus der US Hip-Hop Hall of Fame kassiert und sein aktuelles Album To Pimp A Butterfly ist auch auf dem Höhenflug. Auf der Bühne ist er eher unauffällig, dunkle Klamotten, Basecap und wenig spektakuläre Show, das alles hielt die Crowd aber nicht davon ab, extatisch mit ihm zu feiern.

Auf der HF6 Bühne standen am Abend nicht die Raps im Vordergrund. Mit Stuff. (Fotos) ging es in eine andere Richtung, es wurde experimentell und instrumental. Mit einer kaum in Schubladen zu kategorisierenden Mischung aus Jazz, Elektro, Big- und Breakbeats ließen die fünf Belgier aus Gent ihr Publikum tanzen.

The Dø (Fotos), das gemischte Doppel aus Frankreich und Finnland beeindruckte das Publikum mit eine außergewöhnlichen Buhnendekoration, den Kung Fu Skills von Olivia Merilahti und schöner Musik.

Coeur de Pirate (Fotos) bildet den Abschluss auf der HF6 Bühne. Hinter dem Namen steck die aus Montreal stammende Sängerin und Komponistin Béatrice Martin. Mit ihrer charmanten Show sang sie sich in die Herzen der Festivalbesucher und machte sich damit zum heimlichen Highlight des Tages.

Freitag:

Freitags gib es beim Festival Les Ardentes traditionell dann drei Bühnen. Open Air, HF6 und Aquarium, wobei auf letzterer der elektronischen Musik eine Plattform geboten wird.

Neben Mount Kimbie, Bonobo, Lapalux, die bist Tief in die Nacht auflegten, war am späteren Abend der Niederländer Binkbeats (Fotos) am Start. Seine Performance geht ein paar Schritte weiter als einfach nur aufzulegen. Er spielt live auf Gitarre, Marimbaphone, Schlagzeug, sampelt und loopt und baut so seine Tracks live zusammen, allein das Zuschauen war eine Freude.

Auf der Open Air Bühne war am Abend eine Größe des Old School Hip-Hop zu bewundern, die mit noch größerer Begleitung auf die Bühne gingen - De La Soul (Fotos) kamen mit Big Band. Für viele kamen Erinnerungen an ihre Jugend wieder als es hieß "Hey, how ya doing ..." und auch ich Ihre Version von dem Gorillaz Hit Feel Good Inc. Brachte den Platz vor der Bühne ordentlich zum Beben.

A$AP Rocky (Fotos), der nach De La Soul auf dem Spielplan stand ließ gehörig auf sich warten und zog ich in der fast vollen Stunde Verzögerung die eine oder andere Welle der Empörung und Form von Pfeifkonzerten und Buh-Rufen zu. Wie es schien war man mit dem Monitorsound der Mikrophone nicht zufrieden. Die Unzufriedenheit des Publikums was aber sofort vergessen, als der A$AP Mob auf die Bühne ging. Wofür die Feinabstimmung des Sounds und die ewiglange Verzögerung allerdings gut war bleibt fraglich, wo doch die Herren Rappper doch fast nur in ihre Mics brüllten.

Die belgische Formation Oscar and the Wolf (Fotos) gingen auch etwas verspätet auf die Bühne, denn so sehr sie sich auch bemühten, die Zeit konnte die Festival Crew unmöglich wieder aufholen. Die Show begann mit Sänger Max Colombie vor einer weißen Leinwand, die erst nach dem ersten Song fiel und einen Blick auf die restliche Band zuließ. Die Band gibt es erst seit 2010, sie verdienten sich 2013 mit ihrer Single Orange Sky erste Sporen, der national Durchbruch war den 2014 mit der Veröffentlichung des Debutalbum Entity geschafft. Oscar and the Wolf sollte man auch bei uns mal im Auge behalten und achtgeben wenn sie in der Nähe spielen.

Die Nacht zum Tag machte dann der Berliner Paul Kalkbrenner, der auf der Open Air Bühne noch lange die Puppen tanzen lies.

In der Halle auf der HF6 Bühne war unteranderem die Elektropopformation Hecules and Love Affair (Fotos) zu belauschen. Schon allein, aber nicht nur wegen der Outfits der beiden Sänger waren sie eines Besuchs wert.

Ein persönliches Hightlight war die aus Großbritannien stammende Elli Jackson, besser bekannt als La Roux (Fotos). Ihre Bühnenpräsenz ist großartig und faszinierend, man möchte glauben, der Thin White Duke wäre zurückgekehrt - wer nicht weiß wer das ist, sollte dringend mal danach googeln. La Roux hat 2014 mit Trouble in Paradise ihr zweites Studioalbum veröffentlicht, da ganz offensichtlich mit den Sounds und Styles der 80er kokettiert. Die Show beim Les Ardentes gibt auf jedenfalls Anlass nach weiteren Konzerten der Britin Ausschau zu halten.

dEUS sind Dauergast beim Les Ardentes, vor zwei Jahren auf der Open Air Bühne spielten sie in diesem Jahr in der Halle, leider ging die Show dank der Pünktlichkeit von A$AP Rocky ein wenig unter. Auch hier ging es dann dank The Averner, Bakermat, Claptone und Lost Frequencies auch bis zum frühen Morgen weiter.

Samstag:

Der Samstag stand wie kein anderer Tag des diesjährigen Festivals im Zeichen der Gitarre. The Experimental Tropic Blues Band, The Charlatans, Paul Weller, The Hives und der Godfather des Punkrock, Iggy Pop, das sind Namen die nichts anderes als schweißtreibende Auftritte erwarten ließen. Umrahmt wurde das dann noch von Charlie Winston, Nicky Minaj, Great Mountain Fire und vielen anderen. Leider konnten wir am Samstag nicht selbst dabei sein und es tut im Herzen weh.

Sonntag:

Der Abschlusstag zeigte ich mit seinem breit aufgestellten Lineup offen für alle Style. Big Flo & Oli, zwei sehr junge MCs aus Frankreich, brachten schon am frühen Nachmittag die Open Air Bühne zum Toben und auch bei ihrer späteren Autogrammstunde war immenser Andrang.

Der frankophone Hip-Hop fand dann mit Nekfeu (Fotos) seine Fortsetzung. Der ebenfalls aus Frankreich stammende Ken Samaras sorgte ebenfalls für ordentlich Trubel bei seiner Show, surfte und stand auf der Menge und wurde frenetisch gefeiert.

Das musikalische Klima änderte sich mit Erlend Øye (Fotos) total. Der Sänger des Duos Kings of Convenience und der 2014 leider aufgelösten Band The Whitest Boy Alive stand mit seiner Band The Rainbows auf der Bühne. Böse Zungen mögen sagen Musik zum Einhörner zählen, so kam es zumindest bei Teilen des Publikums an. Bezeichnen war der Moment als aus dem Publikum der Ruf kam: "Ey dude, wake up!" und Erlend antwortete "We are completely awake." Der Rufer kam aber wahrscheinlich einfach nicht mit dem energetischen Cut zurecht, den Nekfeu und Erlend Øye trennte, denn die Performance des Norwegers war gut, entspannt und sehr verträumt - man konnte schon das ein oder andere Einhorn zählen.

Die nächste Band und noch ein Sprung. Metronomy (Fotos) aus England entführten ihr Publikum in eine Glitzerwelt aus Discokugeln. Die Band um Mastermind Joseph Mount steht für tanzbaren Indi-Disco-Sound und zelebrierte zu Sonnenuntergang eine Show der guten Laune und bewegten Füssen. Joseph Mount, der während des Auftritts immer zwischen Keyboard und Gitarre wechselte, ist aber nicht nur für Metronomy verantwortlich, nein, er ist auch Schmied einiger beachtlicher Remixe von den Gorillaz, Goldfrapp und Lykke Li.

Zum Abschluss auf der Open Air Bühne stand noch ein Act auf dem Programm, der für bewegte Hüften sorgen sollte. D'Angelo (Fotos) aka Michael Eugene Archer, der nach 14 Jahren im letzten Jahr mit Black Messaiah endlich sein drittes und durchweg auch ein politisches Album veröffentlichte. Für die Funk und Soul Fans sollte die Show in Lüttich zu einem groovigen Abendmal werden. Der Multiinstrumentalist kam mit einer großen, 11 "Mann" starken Kapelle auf die Bühne, an seiner Seite unter anderem Ausnahme Bassist Pino Palladino. Die Show des Soulman war bewegend, funky und mitreißend, ein großartiger Abschluss auf der Hauptbühne des Festival Les Ardentes 2015.

In der Halle, auf der HF6 Bühne stellten sich Sleaford Mods (Fotos) ihrem Publikum. Sparsamer kann man sich Postpunk-Hip-Hop nicht vorstellen. Das aus Nottinham stammende Duo ist in seiner Musik schon recht minimalistisch, noch minimalistischer war ihre Performance, kaum Lichtwechsel, kaum physische Aktion. Andrew Robert Lindsay Fearn stand gemütlich mit Bierchen vor seinem auf 2 Beck's Kiste drapierten Laptop und drückte ab und an ein paar Knöpfe, während sich Jason Williamson die Seele aus dem Leib slammte. Sehenwert!

Ähnlich energetisch aber mit mehr Gitarren ging es mit Black Rebel Motorcycle Club (Fotos) weiter. Optisch das wahre Rock'n'Roll Klischee, schwarze Lederjacken, Zigaretten, Nebel, düsteres Licht, brachen sie eine kraftvolle Show auf die Bühne die mal wieder zeigte, das Gitarre, Schlagzeug, Bass zwar ein altes, aber noch lange kein veraltetes Konzept sind.

Balthazar (Fotos) kommen aus dem belgischen Gent, Ihre Texte sind jedoch Englisch und die Band wieder ein Beweis, dass dieses kleine Land immer wieder für gute musikalische Konstellationen sorgen kann. Die fünfköpfige Band war auf der Bühne ein wenig introvertiert, was aber durchaus charmant rüber- und nicht nur beim Publikum gut ankam.

Die Letzte beiden Acts auf der HF6 Bühne und damit auch der Abschluss des Festivals waren der britische Rapper Tinie Tempah und danach das französiche Musikkollektiv Fauve.

Jetzt bleib nur noch abzuwarten, was im nächsten Jahr passiert, wohin geht die Reise, wo wird man ein neues Zuhause finden. Ein Bisschen traurig ist es schon, dass die Tage des Festivals in Mitten der Stadt gezählt sind, das Gelände hatte doch einen ganz bestimmten Charme, den man nicht so schnell wiederfinden wird.