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Konzertbericht

Bands
Judith Holofernes
Mama Rosin

Locations
Ringlokschuppen



Datum: 16.04.2014

Judith Holofernes im Ringlokschuppen

Von Tieren und anderen Lebewesen

Bielefeld (ml)    In der vergangenen Woche war Judith Holofernes im Ringlokschuppen in Bielefeld. Hier gab sie ein Konzert in der kleinen Halle vor 500 Besuchern. Als Support wurde sie dabei von Mama Rosin begleitet.

Judith Holofernes spielte im Ringlokschuppen Bielefeld. Leider gibt es hier dieses Mal keine Live-Bilder.Begründung siehe weiter unten. Foto: Christoph Voy

Mama Rosin machen eine interessante Mischung aus Folk, Latin und Reggae. Sie passen zu der Wandlung, die Judith Holofernes mit Wir sind Helden hinter sich hat und sie passen auch ein wenig zu den Sachen, die Judith Holofernes aktuell macht.
Mit ihrer Musik können Mama Rosin das Publikum schon sehr gut einheizen. Was man in dem Moment nicht so wirklich glaubt und wahrnimmt ist die Tatsache, dass Mama Rosin bei der südamerikanisch beeinflussten Musik, die sie machen dabei aus Genf kommen.

Nachdem der Support eine halbe Stunde lang performen durfte dauert es eine weitere halbe Stunde, bis die Bühne für Judith Holofernes und ihre fünfköpfige Band umgebaut ist. Mit "Lose Kanonen" und "Ein leichtes Schwert", dem Titelsong zu ihrem Debütalbum, beginnt die ehemalige Sängerin von Wir sind Helden, ihr Konzert.
Langsame wechseln sich mit schnellen, melancholische mit albern lustigen Stücken ab. Judith Holofernes kann offenbar alles. Und das auch schon seit längerer Zeit. Einer der Höhepunkte im Set ist die Neuinterpretation des Songs "Kamikazefliege", Titellied zu einem Soloalbum, welches Judith schon vor Wir sind Helden veröffentlicht hat und auf dem sich viele Helden-Songs befinden. Auf diesem Soloalbum hörte man Judith nur mit Gitarre singen. Nun steht für "Kamikazefliege" eine komplette Band bereit und der Song gewinnt zunehmend an Tiefe.
Unterbrochen wird diese Tiefe für eine Umbaupause. Während für Judith ein Mikrofon am Keyboard von Miss Kenichi aufgebaut wird. In der Umbaupause trägt sie ein Gedicht über ein "Wiesel" vor. Eines von zahlreichen Gedichten, welches im Rahmen ihres Blog-Projekts entstanden ist. An jedem Abend auf der Tour wird ein anderes Gedicht vorgetragen.

Nachdem die Umbaupause vorbei ist gesellt sich Judith nach außen ans Keyboard. Miss Kenichi und sie stehen dort nun im Rampenlicht und es gibt "Hasenherz" zu hören. Viele Songs von Judith beziehen sich auf Tiere, wie zum Beispiel "Opossum", ein anderes Gedicht aus Judiths Blog, welches es auf das Album geschafft hat.
Dabei macht sich zunehmend die Heiserkeit in Judiths Stimme bemerkbar. Ein Ingwertee soll Abhilfe schaffen. Erst zwei Tage zuvor hat Judith Holofernes beim Feiern mit der Band noch gegen die Musik von David Guetta aus einer Großraumdiskothek nebenan angeschrieen. Sie entschuldigt sich beim Publikum, dass das nicht sehr verantwortungsvoll war. Erstaunlicherweise gibt die Heiserkeit allerdings gerade den langsamen leisen Stücken noch ein gewisses Etwas mit auf den Weg, während sie bei den schnellen lauten Stücken fast gar nicht auffällt. Das sind eben Profis.

Auch Coverversionen von Judiths Lieblingsliedern kommen nicht zu kurz. Nun kann die werte Frau mit einem Album ein Konzert bekanntermaßen nur unzureichend füllen. Deshalb ist sie auf die schöne Idee gekommen englische Songs ins Deutsche zu übersetzen. So kommt das Publikum auch noch in den Genuss Lieder von Musikern, wie Teitur oder Elvis Costello zu hören.

Nach rund einer Stunde verabschieden sich die sechs Musiker in die Zugabenpause. Eine ziemlich lange Spielzeit für die Tour zu einem Debütalbum und es fehlen ja noch Songs, wie "John Irving" oder "Pechmarie", die natürlich im folgenden gespielt werden. Zu letzterem bittet Judith Holofernes dann auch nochmal die Jungs von Mama Rosin auf die Bühne. Diese waren schon auf dem Album an dem Stück beteiligt und spielen das Lied nun live mit.
Zum Abschluss gibt es dann noch eine Coverversion eines Buddy-Holly-Klassikers auf die Ohren.

Alles in allem hat das Konzert von Judith Holofernes seine Höhen und Tiefen gehabt. Gerade die ernsthaften, melancholischen Songs, wie "Ein leichtes Schwert", "Havarie" und "Kamikazefliege" kommen sehr gut rüber. Problematisch wird es aber mit den eher auf Spaß ausgelegten Songs, wie "Opossum" oder "Danke, ich hab schon". Sie wirken leicht deplatziert und bilden einen krassen Kontrast. Diese Kontrastspiele sind von Judith Holofernes allerdings durchaus gewollt, für den Wir-sind-Helden-Fan früherer Tage aber trotzdem gewöhnungsbedürftig. Vielleicht braucht es mehrere Anläufe, bis man als Fan alter Tage auch von dem neuen Sound mitgenommen wird.

Zum Abschluss noch ein Kommentar zu der Tatsache, dass wir dieses Mal keine Fotos bringen:
Liebe Judith, ähnliche Sätze haben wir schon Kings of Leon und auch Jimmy Eat World geschrieben. Bei dir gehen wir wir jedoch davon aus, Gehör zu finden und eventuell sogar ein Statement zu bekommen. Erst einmal vielen Dank für das ausführliche Interview, welches du uns gegeben hast. Nun muss ich allerdings auch etwas meckern. Die Ansage: Nicht von vorne und schon gar nicht aus dem Graben zu fotografieren ist ja in Ordnung. Anders als andere Musiker verbindest du damit (hoffentlich) keine kommerziellen oder eitlen Interessen. Was jedoch nicht in Ordnung ist, so eine Ansage erst am Abend des Konzertes mitzuteilen. Hier wäre es gut gewesen Veranstalter und Presse schon im voraus zu informieren, damit man sich darauf einstellen kann. Ich hatte beispielsweise kein Teleobjektiv mit dabei, sodass keine guten Bilder bei raus gekommen sind. Ich weiß von einigen anderen (bezahlten) Kollegen, dass sie nicht erschienen wären, wenn diese Ansage im Voraus bekannt gewesen wären. Immerhin machen die Fans in der ersten Reihe dann doch bessere Fotos mit ihren Digitalkameras als die Profifotografen, wenn diese mitten aus dem Publikum fotografieren müssen und hierzu auch nur die ersten drei Songs Zeit haben, in denen das Licht auch nicht gerade optimal war.
Du wirst mit Sicherheit deine Gründe für diese Entscheidung haben. Eine Information im Vorfeld wäre für die Zukunft wünschenswert.