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Konzertbericht

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Olli Schulz

Locations
Weberei



Datum: 27.03.2014

Der Schulz in the box

Olli Schulz bespaßt die Weberei zu Gütersloh

Gütersloh (as)    Olli Schulz ist ein Allround-Talent. Das hat er in diesen ziemlich exakt 2 Stunden in Gütersloh erneut unter Beweis gestellt. Der von der Lokalpresse als "Kult Typ" betitelte Musiker, ist ein Entertainer durch und durch. Ob mit Band, alleine an der Gitarre, oder als Stand Up. Selbst als Freestyle-Rapper: Das ist gute Unterhaltung! Nicht nur ein Großeinsatz für die Lachmuskeln, auch die Herz-Achterbahn fährt eine Extrarunde.

Olli Schulz spielt eine Mischung als alten, aktuellen und unveröffentlichten Songs. Foto: Marcel Linke

Die Weberei in Gütersloh liegt idyllisch an einem Park. Ein Bach fließt, eine Brücke darüber, Enten gleiten entspannt
Fotos zum Konzert
Homepage von Olli Schulz
über das Nass. In dieser Umgebung ist es dann auch nicht so schlimm, dass das Konzert erst um 21 Uhr, statt wie angekündigt eine Stunde früher, beginnt. Die Küche des Hauses ist ebenfalls einen Versuch wert.
Der Saal der Weberei ist nicht besonders groß, dafür sehr voll. Das Publikum ist im Alter gut gemischt: junge Mädchen mit Instagram Account in der ersten Reihe - gesetzte Männer an der Theke. Olli spielt für die ganze Familie.
Die Berühmtheit, die er bei einem bekannten Zirkus gewonnen hat, hat die alten Fans nicht von einem Besuch abgehalten. Dieses Vertrauen sollte ausgezahlt werden.

Im Gegensatz zu seinem Stand Up "Save Olli Schulz" steht heute ein richtiges Konzert auf der Tagesordnung. Auf der Bühne finden sich von links nach rechts: Keyboard, Gitarre, Olli, Bass und Schlagzeug. Diese Instrumente werden bedient von Arne Augustin, Norman, Benson (dem stabilsten Schlagzeuger dieser Tage! Was für ein Bart, was für eine Leidenschaft) und Gisbert zu Knyphausen (!) am Viersaiter. Das Spotlight liegt auf einem einsamen Barhocker, auf dem der Junior-Altmeister der deutschsprachigen Kneipenromantikvolksmusik Platz nimmt.

Das Konzert startet mit der "Ankunft der Marsianer", die mit zwei Konfettibomben angereist sind. Interstellare Hooligans bringen immer die richtige Stimmung für so einen Kaltstart. Gleich die erste Ansage lässt dann alle Vorbehalte schmelzen und bringt die Fans hinter den Künstler:

Olli: "Ich war noch nie in Gütersloh."
Gütersloh: "Doch!"
Olli: "Aber nicht hier?!"
Gütersloh: "Doch!"
Olli: "Sorry mein Leben ist derzeit ein Rausch" ...

Nachdem die Overtüre so sensationell vergeigt wurde, konnte der Rest nur noch ein Erfolg im Handstreich werden. So wurde es auch, denn die Mischung aus alten Songs ("Und dann schlägt dein Herz", "Weil die Zeit sich so beeilt"), nicht mehr ganz so neuen Songs ("Unsichtbarer Vogel", "Rückspiegel") und den aktuellen Hits ("Spielerfrau", "Verhaftet wegen Sexy") wurde exklusiv durch einige Songs aus dem unveröffentlichten Album "Feelings aus der Asche" veredelt. Die bisher ungehörten Lieder "So muss es beginnen" und "Boogie Man" bringen die Vorfreude langsam zum lodern. Wir dürfen gespannt sein.

Was wir von diesem Abend mitnehmen können ist, dass Olli Schulz zwar ein toller Entertainer ist, ein Clown, der sich für wenig zu schade ist, aber ebenso ein treffsicherer Beobachter unserer Zeit und ein Poet des Herzens. Wenn er von "dieser schrecklich schönen Welt" singt, dann trifft er den Nagel auf dem Kopf und nach der lustigen Strophe trifft die sagenhaft catchige Hook umso drückender.
Schulz ist lustig und traurig. Und ist dabei kein Widerspruch, sondern zu jeder Zeit authentisch.