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Konzertbericht

Bands
Bollmer
Bosse
Valentine

Locations
Ringlokschuppen



Datum: 20.02.2014

Bosse im Bielefelder RLS

Veni, Vidi, Vici

Bielefeld (mer)    Anhand seiner Bielefelder Auftrittsorte kann man recht simpel Rückschlüsse auf das jeweilige Erfolgslevel von Aki Bosse und seiner Band schließen. Der Auftritt im Bielefelder Ringlokschuppen war nämlich beileibe keine Bielefeld Premiere, dennoch wohl der mit dem größten Zuschauerzuspruch – denn inzwischen darf er in die große Halle des Bielefelder Ringlokschuppens.

Der Springsteen des Nordens zu Gast in Bielefeld - Foto: Mark Haake

Der Ringlokschuppen machte seinem Ruf mal wieder alle Ehre und läutete überpünktlich zum Konzertbeginn um 19:50 (offizieller Start 20:00). Nun gut, bei zwei Supports, die Aki Bosse seinen Fans in Bielefeld an diesem Abend gönnte, schien ein strammer Zeitplan jedoch unbedingt erforderlich.

Den ersten Einpeitscher gab an diesem Abend eine Musikerin aus der aktuellen Bosse-Band, Valentine Romanski.

Bilder vom Konzert
Homepage von Bosse
Bollmer auf Facebook
Homepage von Valentine

Für die Musikerin scheinbar eine erfolgsversprechende Ausgangssituation, denn auch die Mädels von Boy haben vor einigen Jahren auf eine ähnliche Verfahrensweise ihre Karriere einläuten können. Ob ihr Weg jedoch ähnlich verlaufen wird, vermögen wir nach dem knapp 20 minütigen Set nicht zu beurteilen. Und obwohl die Songs eher melancholisch durchtränkt daherkommen, gelang es der jungen Frau die Halle teilweise zum mitsingen und mitklatschen zu animieren.

Den zweiten Support des Abends bestritt die Band Bollmer. Dass es sich bei dem Front-Musiker nicht um einen Rookie handelt, wurde dem Publikum schnell deutlich. Und nachdem wir lange in unseren Hinterstübchen gekramt haben, vermuteten wir hier den Sänger der Band EL*KE, um welche es in den letzten Jahren reichlich still geworden ist – jetzt wissen wir warum. Peter Bolmer schraubte am Soloalbum, welches aber gar nicht so solo daherkommt. Vier-Mann-Bandbesatzung und irgendwo im Fahrwasser von Wir sind Helden schwimmend. Das Publikum nahm die Songs zurückhaltend auf und die Band tat was für ihren Bekanntheitsgrad. Vielleicht sogar soviel, dass der Bandname zukünftig richtig auf der Bosse Facebook Seite geschrieben wird.

Bosse kommt, sieht und siegt

Bereits die ersten Takte des Hauptacts zeigten aber mal wieder, dass dieser Mann so etwas wie "Einheizer" nicht benötigt. Aki Bosse betritt die Bühne und verwandelt sich zur Rampensau. Ein inzwischen arrivierter Musiker der kommt, sieht und siegt. Die Hände gehen hoch, der Jubel brandet auf – Bosse ist gleich mittendrin. Berührungsängste mit den Fans gibt es hier nicht. Dieser Mann und seine Band vollführen von Beginn an einen Schulterschluss mit dem Publikum. Und das Abend für Abend, Auftritt für Auftritt.

Natürlich war dies nicht immer so bei Bosse. Den steinigen Weg der Valentines und Bollmers dieser Welt hat Aki Bosse bereits erfolgreich hinter sich gebracht. Unermüdliches touren und ein halbwegs regelmäßiger, und vor allem qualitativ hochwertiger Output an Tonträgern tat sein übriges. Die aktuelle Tour ist bereits der Nachschlag zu seinen "Kraniche"-Konzerten. Bielefeld bildet hierbei jedoch eine unrühmliche Ausnahme, denn es ist eines der wenigen Konzerte, die nicht ausverkauft sind. Das trübt die Laune von Bosse jedoch keineswegs. Gutgelaunt und mit vollem Körpereinsatz schmettert Bosse die Songs fürs Volk und überlässt immer öfter dem ostwestfälischen Chor einprägsame Textpassagen. Texte und Musik haben bei Bosse inzwischen die Sonne und die Wärme entdeckt und auch die zwischen den Songs vorgetragenen Anekdoten zeigen Bosse als begnadeten Beobachter und feinsinnigen Geschichtenerzähler. Es kommt also nicht von ungefähr, dass der norddeutsche Gitarrist, Sänger und Songwriter immer mal wieder als "Bruce Springsteen von Hamburg" bezeichnet wird. Wie es zu dem Vergleich kam, weiß er: "Ich schwitze eben viel auf der Bühne – das macht der Boss auch. Und ich erzähle Geschichten aus meinem Leben – wie Bruce Springsteen."

Airplaycharts

Im Zentrum stehen an diesem Abend vor allem die Songs der letzten drei Longplayer, welche es sich auch allesamt in der deutschen Radiolandschaft gemütlich gemacht haben. Dementsprechend textsicher zeigt sich das Publikum bei Hits wie "Schönste Zeit", "So oder so" oder "Weit weg". Songs aus der frühen Schaffensphase des Künstlers bleiben die Ausnahme. Eine Zeit, in der die Musik Bosses mit einer gewissen Härte einherging. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass der frühere Indiehit "Die Irritierten" nun in einer abgewandelten, deutlich ruhigeren Version gespielt wird. Und auch die "Ur-Version" des Songs Istanbul kommt beim Publikum sehr gut an.

Insgesamt beweist sich die Bosse-Band als sehr gutes Musiker Kollektiv, welches mit Gitarrist Thorsten und Martin Wenk an der Trompete über zwei herausragende Live-Musiker verfügt. Und diese Qualitäten weiß Axel Bosse auch auf der Bühne dementsprechend in Szene zu setzen. Die Zuschauer sind begeistert und im Publikum schnappen wir folgenden Satz auf: "So eine gute Band, die sollten mal eine richtig große Akustikshow auf die Beine stellen!" - Scheinbar hat Bosse diese Worte vernommen, die "Leise Landung" Akustik Tour 2014 wurde bereits einen Tag später verkündet. Termine findet ihr auf der Bosse Homepage.