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Allgemein
Konzertbericht

Bands
James Hersey
Milky Chance

Locations
Hyde Park



Datum: 31.01.2014

Milky Chance in Osnabrück

We burn the summer down…

Osnabrück (mer)    …It starts when we around. - Diese Zeilen, regelmäßig vorgetragen von den fabelhaften Beatsteaks, bilden doch eigentlich die perfekte Hymne für das Musikerprojekt Milky Chance. Die beiden jungen Musiker aus Kassel haben bereits in der zweiten Jahreshälfte 2013 damit angefangen, die Musikwelt aufzumischen und ihren sonnenscheingetränkten Radiopop in aller Ohren zu verbreiten. Auch der ausverkaufte Gig im Osnabrücker Hyde Park hat gezeigt, hier sind zwei Jungs on the way to the top.

Reduced To The Max: Milky Chance On Stage - Foto: Mark Haake

Als um 19:45 die ersten musikalischen Lebenszeichen von der Bühne im Hyde Park nach draußen schallten, befand sich noch eine beachtliche Menschenschlange vor der Veranstaltungshalle und wartete geduldig auf den Einlass. Die bekannten Parkplatzprobleme des Osnabrücker Hyde Parks sollten eigentlich doch eher dazu animieren eine Veranstaltung, vor allem bei einem Ausverkauf, mal ein paar Minuten später beginnen zu lassen. Hier entschied man sich jedoch für das Gegenteil und fing 15 Minuten vor dem verlauteten Beginn bereits an.

Popsalon Preview als Support

Fotos vom Konzert
Milky Chance
James Hersey

Somit konnte man den heutige Support James Hersey leider nur "kurz" begutachten. Zumindest relativ, denn mit 45 Minuten wurde dem weitestgehend unbekannten Künstler eine recht vernünftige Spielzeit zugestanden. Und wer ist dieser James Hersey? Ein Elektropop Singer Songwriter Producer und Recording Artist laut eigener Website. Nun gut, fest steht auf jeden Fall, dass der gute Herr einige sehr schöne Songs im Gepäck hat, welche hier und da nicht selten an den Sound und Stil von Sting erinnern, aufgepimpt mit ein bisschen Elekrtogefrikkel. Musikalisches Geschickl und Wiener-Charme sorgten dann letztendlich dafür, dass der junge Musiker die Herzen der vornehmlich weiblichen Hyde Park Besucher an diesem Abend geradezu im Sturm erobern konnte. Aufgrund der Tatsache, dass Hersey bereits in knapp drei Monaten wieder nach Osnabrück kommt (im Rahme des wunderbaren Popsalons), konnte er hier bereits gut Werbung in eigener Sache machen. Es würde uns schon sehr wundern, wenn er hier heute Abend nicht schon den ein oder anderen Besucher zu einem Wiederholungsbesuch anstiften konnte.

Extrem jung, extrem erfolgreich

Um kurz vor Neun wurde es nun Zeit für den heutige Hauptact, das Zwei-Mann Musikprojekt Milky Chance. Zwei Musiker, extrem jung, extrem erfolgreich. Gerade mal die ersten Haare am Sack und mit "Lichtdicht-Records" schon eine eigene Plattenfirma. Und darauf können Milky Chance mit Recht Stolz sein. Nicht nur, dass sich die Jungs selber dort verlegen, mit dem vorrangegangen James Hersey haben sie bereits einen äußerst vielversprechenden Künstler unter ihren Fittichen. Vor allem wird aber ihre eigene Musik in den nächsten Jahren die Lebensversicherung von Lichtdicht-Records sein. Extrem cooler und vor allem stark reduzierter Radiopop, der es sich irgendwo zwischen Singer-Songwriter, Electrosound und Reggae-Einflüssen gemütlich gemacht hat. Es klingt auf jeden Fall frisch und ist, wie der heutige Abend beweist, auch extrem tanzbar. So sind vor allem die wenigen Plätze im Hyde Park begehrt, welche genug Raum bieten, um gepflegt sein Tanzbein zu schwingen.

Sänger und Gitarrist Clemens postierte sich zentral auf der Bühne, während Philipp, der Mann hinter dem Apple, sich auf der rechten Bühnenhälfte austoben durfte. Die Bühnenshow der beiden Musiker wirkte dann allerdings ebenso zurückgenommen und reduziert wie ihre Musik. Kaum Ansagen, wenig Interaktion mit dem Publikum. Umso verwunderlicher, dass die beiden da oben dennoch recht charismatisch wirkten und das Publikum trotzdem begeistern konnten. Das ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass das Wesentliche bei den beiden Jungs sehr stimmig ist: Die Musik. Müsste man Referenzen nennen, so wäre man sicher schnell bei Asaf Avidan, dessen Überhit "One day" sich eigentlich anhört wie ein Milky Chance Track. Bei Songs wie "Running" oder "Feathery", zu deren akustischen Elementen sich immer wieder ein elektronischer Beat hinzugesellt, könnte man denken The XX haben endlich mal gute Laune gehabt beim Songschrieben.

Positiv überrascht an diesem Abend auch die Tatsache, dass Milky Chance es problemlos schaffen, mit nur einem Album im Köcher, ein Set von knapp 90 Minuten zu füllen. Und das ohne Cover, Wiederholungen oder auch nur einem Anflug von Langatmigkeit. Insgesamt ein gut aufgebautes Set, welches klug seine Highlights in Gestalt der Songs "Flashed junk mind", "Down by the river" oder "Sweet sun" setzt. Allesamt Tracks, welche sich in einem dynamischen Reggae-Umfeld herumtreiben und vom Publikum frenetisch abgefeiert werden. Als vorletzten Song des Abends gibt es dann natürlich noch die Eins-Live-Krone Single des Jahres 2013, den "Stolen Dance", nach welchem die beiden Musiker zu einer einmaligen Zugabe erneut auf der Bühne erscheinen.

An diesem Abend dürfte deutlich geworden sein, dass die Hallen und Festivalbühnen, welche Milky Chance in den nächsten Monaten und Jahren bespielen werden, auf jeden Fall nicht kleiner werden als der Osnabrücker Hyde Park. Der Siegeszug wird unbeirrbar fortgesetzt. Die nächsten Stopps heißen Dockville, Melt, Summerjam und Rock am Ring.