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Allgemein
Konzertbericht

Bands
50-50
Sportfreunde Stiller

Locations
Ringlokschuppen



Datum: 24.11.2013

New York, Rio, Bielefeld

Die Sportfreunde Stiller gastieren im Ringlokschuppen

Bielefeld (m2w)    Wenn die Sportfreunde Stiller im Radio laufen, dann spalten sich die Meinungen. Dennoch ist die Band so erfolgreich, wie nie zuvor, was die aktuelle Tour beweist. In kürzester Zeit waren alle Konzerte ausverkauft und mussten teilweise in größere Hallen verlegt werden.

New York, Rio, Bielefeld! Die Sportfreunde Stiller gastierten im Ringlokschuppen. Foto: Marcel Linke

Ausverkauft ist nicht nur so ein Wort. In Bühnennähe ist im Ringlokschuppen kein Platz mehr. Die Einlassschlange
Fotos zum Konzert
Homepage der Sportfreunde Stiller
vor dem Konzert reicht vom Eingang des Ringlokschuppens bis zur Bahnunterführung. Es sind seit dem Unplugged-Album viele neue Fans hinzugekommen. Das Publikum hat ein sehr gemischtes Alter mit einem hohen Frauenanteil.

Mit dem Support 50/50 gibt es heute ein deutliches Kontrastprogramm. Sie legen einen sehr sphärischen Sound aufs Parkett. Ihre Instrumente beherrschen sie perfekt. Es gibt fette Drums, ein Synthesizer-Teppich sorgt für einen sehr elektronischen Sound, Hall auf der Stimme und dazu passendes grün-blaues Licht mit viel Nebel.
50/50 klingen nach einer Mischung aus Muse und den Killers. Nach gerade einmal 25 Minuten ist ihr erstes Konzert in der Bandhistorie vorbei und das Publikum angetan.

Um 21 Uhr kann dann die Sportschau beginnen. Die Sportfreunde Stiller kommen zum Intro "Caravan of Love" auf die Bühne. Dezenter Nebel umhüllt die Wolkenkratzer-Lichtwände der Kulisse. Mit "Lass mich nie mehr los" startet die Band noch etwas zurückhaltend in ihr Set. Der Start in das Set wirkt noch etwas morgenmuffelig.
Beim folgenden "Alles Roger" ist es dann mit der Zurückhaltung vorbei. Flo fragt nach den Händen und der gesamte Ringlokschuppen klatscht mit! Eine beeindruckende Demonstration. Das Publikum ist nun wach und laut.

Mit "7 Tage, 7 Nächte" werden dann auch die Fans der ganz alten Songs abgeholt. Nur das nervige Piano trübt den Genuss dieses Liedes etwas. Der Ringlokschuppen bebt und singt mit. Peter, der sich offensichtlich um einige hundert Kilometer in der Region geirrt hat, kommentiert dies mit "Ich freu mich ja auch über gestern Abend.". Das fußballinformierte Publikum quittiert dies mit einem Pfeifkonzert. In Bielefeld hält man entweder zu den Arminen, oder wenn man nicht so sehr leiden möchte, zur Borussia. Punkt!

Mit "Unter Unten" spielen die Sportfreunde anschließend einen neuen Song und verfolgen das typische Prinzip, welches ihre Musik erfolgreich gemacht hat. Humor und Wortwitz, gepaart mit einer simplen Songstruktur und einem Fanmeilen-Chorus. Auch "Clowns und Helden" bestätigt dieses Prinzip. Insgesamt biedern sich die neuen Lieder noch offensiver an als alles davor. Die Refrains sind zum Weghören und die Strukturen eintönig. Vor dem Ende des Liedes droht uns der Schlaf.

Es folgt nun allerdings ein Block älterer Hits. "Komm schon" führt in diesen Block ein. Es bleibt allerdings die Frage, ob das nun wirklich besser ist oder einfach nur affektiv aufgeladen? Diese Songs sind verbunden mit Erinnerungen an eine einfachere Zeit in unseren Leben. Zumindest sind sie somit bessere Songs "für uns", wenn vielleicht auch nicht "an sich".
Mit "Siehst du das genauso?" kommt direkt im Anschluss eine erfolgreiche Ballade der Sportfreunde Stiller. Feuerzeuge und Handyleuchten schenken dem Ringlokschuppen eine romantische Atmosphäre. Das blaue Bühnenlicht ist stimmig. Mit "Ein Kompliment" schaffen es die Sportfreunde Stiller mit einem ihrer schnellsten und bekanntesten Hits die ruhige Stimmung schnellstmöglich zu vertreiben. Der Song funktioniert, sowohl bei Fans der frühen Stunden, als auch bei neuen Anhängern der Band.

Konnten die neuen Songs bislang noch nicht wirklich überzeugen, ändert sich dies jedoch bei den beiden Singles "New York, Rio, Rosenheim" und "Applaus, Applaus". Die Hooks der beiden Lieder sind überzeugend. Das Gesamtbild auch live in sich stimmig. Trotzdem kein Vergleich zu den alten Alben der Band. Mit "Wunderbaren Jahren" spielen die Sportfreunde ein Lied vom Debütalbum "So wie einst Real Madrid". Pogo in den vorderen Reihen. Jetzt ist sie da, die Stimmung der alten Tage, die Stimmung der kleinen Clubkonzerte, die die Band ab und zu gibt.
Mit "Wunder warten nicht" verabschiedet sich die Band in die Zugabenpause. Ein großes Finale mit Konfetti-Kanone macht Lust auf mehr.
Das gibt es dann auch mit "Festungen und Burgen". Ein Song den man sich wohl lieber hätte sparen können. Klingt wie Konfirmationsfreizeit 2003, nur ohne Marlon-Feature.

"Wellenreiten" spielt die Band in alternativer Besetzung. Peter und Flo tauschen ihre Positionen. Flo versucht sich an der Mandoline. Ein ziemlicher Kontrast zu "Festungen und Burgen", sowohl die zeitgeschichtliche Einordnung der Songs in die Bandhistorie, als auch die Geschwindigkeit. Es lebe der Punk der alten Tage.
Es leben aber auch die Balladen der alten Tage: "Fast wie von selbst" und "Die gute Seite" schließen einen Abend ab, der bis auf wenige Abstriche treffend mit den Worten von Peter betitelt werden kann: "Es war prächtig.".

von André Siekmeier und Marcel Linke