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Konzertbericht

Bands
ExFP
Get Dead

Locations
Papagei



Datum: 01.08.2013

Alles andere als Tod

Get Dead

Minden (ml)    Vergangene Woche kam eine besondere Band nach Minden. Get Dead, Neuzugang bei Fat Wreck Chords, spielten dort im Papagei. Wer sie nur von den Alben kennt, wird überrascht sein. Im Studio spielen sie akkustisch. Auf der Bühne sind sie plugged.

Get Dead-Sänger Sam King lässt keine Gelegenheit aus um mit dem Publikum auf Tuchfühlung zu gehen. Foto: Marcel Linke

Das Papagei in Minden ist ein süßer kleiner Club. In einem kleinen Raum vorne, nicht größer als ein Studentenschlafzimmer, steht eine kleine Bühne. Dahinter ist die Bar mit Couch und Barhockern
Fotos zum Konzert
.
Als ich rein komme sitzt dort die Band des Abends, Get Dead aus Kalifornien, sagt, ich soll es mir gemütlich machen und mir ein Bier schnappen. Ich bin etwas verwundert und befürchte aus Versehen in den Backstage gerannt zu sein. Jedoch wird hier in diesem Raum in Wohnzimmeroptik das Konzert stattfinden.

It's getting hot in here

Langsam füllt sich der Saal. Erst als es richtig voll ist, geht die Mindener Band ExFP auf die Bühne. Der Name bezieht sich auf die Band First Point, die sich trennte und aus der ExFP hervorging.
ExFP fangen laut an und rufen auch sofort die "Revolution" aus. Nur schwer lassen sich die Texte der Band in dem kleinen Raum entziffern, wenn man sie nicht kennt. Die Anlage ist, ganz Punkrock, sehr laut aufgedreht. So muss das aber sein. Das führt sogar dazu, dass ein älterer Herr den Raum betritt und nachfragt, ob etwas leise gestellt werden kann. Das ist natürlich nicht möglich. Es wird auf Get Dead verwiesen, vielleicht spielen die ja leise. Es gibt nur wenige Bands, die den Spagat zwischen englischen und deutschen Texten wagen. ExFP gehört mit Songs, wie "Ants in my Pants" oder "Immer nach vorne" dazu. Und "immer nach vorne" geht auch ihr Auftritt. Mit einer Wahnsinnspower ziehen sie ihr Set in dem gefühlt 50 Grad heißen Club durch.

Get Dead strotzen vor Energie

Richtigen Pogo gibt es nicht. Dazu ist der Raum auch zu klein. Get Dead betreten die Bühne. Für viele Konzertbesucher sind sie alte Bekannte. So waren sie 2012 schon hier und bezeichnen das Papagei als ihren Lieblingsclub in Europa. Aus dem Munde einer Band, die gerade erst bei Fat Wreck Chords unterschrieben und deren Album von Fat Mike höchstpersönlich produziert worden ist, ist das eine wahnsinnige Adelung für einen autonom geführten Punkrockschuppen.
Anders als auf ihren Alben fällt sofort auf, dass zahlreiche Verstärker und E-Gitarren auf der Bühne stehen. Live spielt die Band verstärkt. Im Studio lässt sie es etwas seichter angehen. Klingen sie da sogar etwas, wie Frank Turner, versprühen sie live dafür eine unglaubliche Power. Mit "Bartender" fangen sie ihr Set an und für Sam King gibt es nun kein Halten mehr. Der gesamte Club ist nun seine Bühne und mit nacktem, verschwitztem Oberkörper mischt er sich mitsamt Mikrofon unter das Volk.
Energiegeladen ist der Auftritt, und für diesen Club, in dem es keine Position für den Tonmann vor der Bühne im Publikum gibt, sogar erstaunlich gut abgemischt. Generell reicht es hier ohnehin, wenn nur der Gesangt über das Mischpult geht. In dem kleinen Raum lassen sich die Gitarrenverstärker und das Schlagzeug ohnehin nicht ordentlich abmischen.
Nun wird auch ein wenig gepogt. Natürlich meistens zusammen mit dem Sänger. Beeindruckend sind die vielen Backgroundchöre, die die Band in ihre Songs integriert und die verstärkt und live genauso gut rüberkommen, wie akkustisch und im Studio. Beides hat etwas und es zeugt von einer außerordentlich guten musikalischen Qualität, dass eine Band ihre Songs in beiden Gewändern spielen kann.
Mit dem 01. August 2013 ist es nun ein Jahr und einen Tag her, dass Tony Sly verstorben ist. In Gedenken an den Sänger von No Use For A Name covern Get Dead deswegen auch "Pre-Medicated Murder". Mit diesem Song sollen sie auch auf einem Fat Wreck-Sampler erscheinen, der am 29. Oktober 2013 veröffentlicht wird und auch Coverversionen der Mad Caddies, Rise Against, Bad Religion, NoFX, Lagwagon, Frank Turner, Pennywise, The Gaslight Anthem und Anti-Flag enthält.

Für Get Dead geht es jetzt jedoch auf die Zielgerade. Zum Abschluss ihres Sets spielen sie die Single "This One's For Johnny" aus ihrem aktuellen Album "Bad News". Und obwohl eigentlich nichts mehr geplant war, geben sie den vielen Zugaberufen doch nach und setzen unter anderem mit "Battlelines" noch einen oben drauf.