Home

Taglist:

Allgemein
Konzertbericht

Bands
Cryssis
Dukes of the Mist
John Banse
The Gangplanks

Locations
Kulturwerkstatt



Datum: 16.02.2013

Gelebte Punkrock Ästhetik

Das "Alte Schule rockt!"-Festival feiert den Einstand

Paderborn (ml)    In der Kulturwerkstatt Paderborn fand am vergangenen Samstag zum ersten Mal das Punkfestival "Alte Schule rockt!" statt. Punk wurde auf dieser Veranstaltung, auf der neben den lokalen Acts The Gangplanks und den Dukes of the Mist auch die bekannteren John Banse und Cryssis spielten, nicht nur in der Musik sondern in der Gesamthaltung zelebriert.

Cryssis bilden den Abschluss eines vierstündigen Punkrockabends in der Kulturwerkstatt Paderborn. Foto: Britta Flachmeier

Relativ pünktlich um 8 Uhr machen vor einer noch halb leeren Kulturwerkstatt The Gangplanksden Start in den
Fotos zum Konzert
Homepage von Cryssis
Abend. Fernab der Stilart Punk, dafür sehr nah dran am Motto "Alte Schule rockt!" spielen sie bekannte Klassiker, wie das James-Bond-Thema oder "The Passenger" zu dritt instrumental nach. Das ganze rockiger, lauter und mit vielen Soli der einzelnen Musiker gespickt.


Zauberland ist abgebrannt

Nach einer kurzen Umbaupause kommt dann John Banse, Songwriter und Ziehsohn von Rio Reiser auf die Bühne. Wenn er nicht Musik macht gilt er als der Weltmeister im Häuser besetzen. So ähnlich sieht er auch aus. Seine Haare sind grau und lang. Er wirkt wie ein Alt-68er und ist es wahrscheinlich auch. Erstaunlicherweise sind seine Texte, wie "Windlied" oder "Sternenfänger" nicht hauptsächlich systemkritisch oder linksorientiert. Sie sind sogar sehr fantasievoll. Hört man seine Songs kann man in eine andere Welt eintauchen. In eine Welt, die man noch aus dem Kindesalter mittragen sollte. Und so ist es nicht erstaunlich, dass John Banse zu seinen Songs Geschichten von seinem Sohn Mäxchen erzählt.
Erst zum Abschluss seines Sets bringt er mit "Der böse Nigger" ein kritisches Lied über die immer mehr erzwungene Anpassung des Menschen an moderne Maßstäbe. Am Ende ist das Zauberland dann leider doch abgebrannt.


Punkrock-Ästhetik in Reinform

Mittlerweile ist der Saal voll. Ca. 300 Musikfans, viele Punks unter ihnen, finden sich in der Kulturwerkstatt ein. Die Lokalmatadoren und Mitveranstalter Dukes of the Mist gehen auf die Bühne.
Dass die Band heute Lokalheadliner sind zeigt sich auch an der Publikumsstruktur. Es ist interessant sich umzuhören, wer von außerhalb angereist ist. Es sind viele, aber zumeist gehen die Hände erst weiter hinten hoch. Direkt vor der Bühne bildet sich ein Moshpit.
Dukes of the Mist machen sehr lauten Punk, der direkt nach vorne geht. Wie es sich für Punkrock gehört gibt es natürlich kritische Songs gegen den Staat und seine Organe, wie "Wir und die Polizei" oder gegen den spießigen Nachbarn mit "Das schwarze Schaf". In ihren Texten huldigen sie allerdings auch ihren Idolen, wie "Motörhead".
Wenn man die Band jedoch auf der Bühne sieht, haben sich die rebellischen Tage, abgesehen vom Sänger doch etwas gelegt. Das Bild hält sich so lange bis die ersten ihre Oberteile ausziehen und das Publikum dem folgt.
Pure Punkrockästhetik offenbart sich hier. Wie es sich gehört sind die Körper komplett tätowiert. Die Musiker sind von Gott geschaffen (oder so ähnlich), ihre Bäuche vom Bier geformt. Das ist Punk, wie er im Bilderbuch steht. Keine Tabus. Lange nicht mehr so ein Konzert gesehen.
Den Auftritt in der Kulturwerkstatt nutzen die Dukes of the Mist um ihr neues Album "Ich brauche meine Tabletten" vorzustellen und gleichzeitig altes Merchandising von der Bühne aus in rauen Mengen zu verschenken.
Da können sich etliche kommerzielle Punkbands dann noch eine Scheibe dran abschneiden. Spaß macht ein Auftritt der Dukes of the Mist auf alle Fälle, auch wenn es sich in so einem kleinen Rahmen hält.
Zum Abschluss performen sie zusammen mit John Banse noch den Rio Reiser-Klassiker "Junimond".


Von den "Schoold Days" bis jetzt: Cryssis spielen alle Songs der Bandgeschichte

Zu Cryssis bleibt die Kulturwerkstatt zwar genauso voll, das Publikum der ersten Reihen wechselt jedoch schlagartig. Wo vorher noch Iros zu sehen waren stehen jetzt sogar Leute mittleren Alters. Nachdem die Dukes einen sehr lauten Punk gezeigt haben geht es bei Cryssis melodiöser und tanzbarer zu. Das merkt man auch am Publikum. Hier ist jeder in Bewegung.
Eine kurze Zeit dauert es bis das Eis zwischen der deutsch-englischen Band und dem Publikum gebrochen ist. Zu "Another Brave Day" singt das Publikum dann den Chor mit.
Insgesamt geben sich Cryssis heute wortkarg. Das liegt einerseits daran, dass sie spät anfangen. Andererseits haben sie sich ein langes Set erdacht. 25 Songs werden es am Ende sein, die die Band, deren bekanntestes Mitglied Schlagzeuger Vom Ritchie ist, innerhalb von 90 Minuten spielen wird. Insgesamt hauen Cryssis ungefährt alles raus, was sie in ihrer kurzen Zeit zusammen geschrieben haben.
Mit dabei sind Songs, wie "London" oder "Words" ihres 2011er Debüts "Simple Men", die sofort ins Ohr gehen. Allerdings geben sie auch haufenweise neue Songs zum besten, so auch das Titellied zu ihrem 2013er Album "Kursaal Nights".
"School Days" macht den Abschluss ihres Sets. Jedoch geht die Band nicht lange von der Bühne. Es folgt noch eine Zugabe, die aus weiteren 6 Songs besteht und knapp 30 Minuten lang ist. Mit "You Told Me" und "Mr. Jack" verabschieden sich Cryssis dann allerdings endgültig von ihrem Publikum.

Und so geht dann auch ein gutes erstes "Alte Schule Rockt!"-Festival zu Ende. Wir sind gespannt, ob es eine Fortsetzung gibt und wenn ja mit wem.