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Allgemein
Konzertbericht

Bands
Casper
Prinz Pi
Rocky Votolato
Slime

Locations
Ringlokschuppen



Datum: 27.12.2012

Das Willkommen Zuhause Festival

Alles Gute zum Geburtstag - bis nächstes Jahr!

Bielefeld (mer)    Eine neue Festivalreihe erlebte am 27.12.2102 im Bielefelder Ringlokschuppen, parallel zu den Städten Chemnitz und Berlin, ihre Geburtsstunde. Künstlersöhne der einzelnen Städte gaben den Headlinerposten, befreundete Bands den Support. In Ostwestfalen lautete die Kombination Casper, Prinz Pi, Slime und Rocky Votolato.

Headliner Casper beim Bielefelder Ableger des Wilkommen Zuhause Festival Foto: Mark Haake

Es war Caspers triumphale Rückkehr auf die große Bühne des seit Wochen ausverkauften Ringlokschuppens. Ziemlich genau vor einem Jahr war er noch als Abschlussact des GHVC Festes eben auf dieser Bühne tätig und große Teile des Publikums nahmen reißaus, um sich in die frostige Bielefelder Nacht zu verabschieden. Tja, damals waren halt nicht alle wegen dem Künstler aus dem Extertal dort und sein Platz im damaligen Line Up mutete schon sehr exotisch an. Den Job der Exoten übernahmen heute die Punks von Slime (O-Ton Casper: "Helden meiner Jugend").

Kinderschuhe können passen

Fotos  vom Willkommen Zuhause Festival in Bielefeld
Homepage von Casper
Homepage von Prinz Pi
Homepage von Slime
Homepage von Rocky Votolato

Ebenfalls nur wenige Parallelen wird man zwischen der Musik von Casper und dem Opening Act Rocky Votolato finden. Dennoch zeigte sich das Publikum dem amerikanischen Songwriter gegenüber wesentlich aufgeschlossener als den deutschen Altpunkern im Anschluss. Das könnte allerdings auch daran gelegen haben, dass Rocky Votolato bereits seine ersten Songs zelebrierte als noch eine ganze Reihe von Festivalbesuchern in der Schlange vorm Ringlokschuppen auf den Einlass wartete, denn der Amerikaner wurde überpünktlich auf die Bühne geschickt. Laut Homepage des RLS war der Beginn auf 19:00 terminiert und wer sich daran orientierte, der hat vom guten Rocky nämlich gar nichts mehr mitbekommen. Dies sollte jedoch das einzige Ärgernis auf der organisatorischen Seite sein. Ansonsten war die ausverkaufte Veranstaltung absolut top organisiert. Vergrößerte Garderoben, ausreichendes und sehr freundliches Thekenpersonal, Getränkeabverkauf im Zuschauerbereich, Toiletten in der kleinen Halle geöffnet, freundliche Parkplatzanweiser, etc. - und das bei einer Veranstaltung die noch in den Kinderschuhen steckt. Chapeau!

Man braucht es nicht mögen...

Aber kommen wir zurück zum wesentlichen. Rocky spielt ein kleines Set, inklusive Gastgitarristen, welches bei Indieaffinen Hörern sicherlich verstärkte Neugier bewirken durfte. Nach einer 20 Minuten Umbaupause kamen dann die Hamburger Altpunks von Slime auf die Bühne. Das zum großen Teil sehr jugendliche Publikum wusste mit dieser Musik nicht sonderlich viel anzufangen. Sind halt nicht die Toten Hosen, welche eine Art von Punk machen, den auch die letzten Einzeller im Alkoholdelirium mitgröhlen können. Bei Slime ist es anders, da steckt so ziemlich in jedem Text eine politische Botschaft und in den Bühnenansagen (zum Song "Linke Spießer" ) wird schon mal Claudia Roth gedisst. Neue Fans konnte sich die Band, trotz soliden Auftritts, an diesem Abend sicherlich nicht erspielen. Die anfängliche Skepsis wandelte sich schnell in Desinteresse und steigerte sich bei der generalisierendenDanksagung von Casper an alle Künstler des Abends hin zu deutlichen Buh-Rufen. Der Extertaler reagierte mit folgenden Worten: "Man braucht es nicht mögen, aber man sollte nicht buhen. Einfach still sein". Wer hätte das bei dieser Line Up Zusammenstellung gedacht?

Nun war es die Aufgabe von Prinz Pi, den Saal wieder in Stimmung zu bringen. Ein Leichtes für den Rapper aus Berlin. Liegt seine Musik doch wesentlich eher auf der Wellenlänge der Casper-Fans. So hatte er im Handumdrehen den Saal auf seiner Seite und erstaunlich viele Fans vor Ort waren textsicher von Beginn an dabei. Der Rapper präsentierte ein ausgewogenes Best of Set, welches sich stark am aktuellen Album "Hallo Musik" orientierte. Im Gegensatz zum Album, auf welchem der Prinz seine größten Hits nochmals komplett mit Band eingespielt hat, gibt es heute Abend nur Samples aus der Konserve bzw. aus dem Apfel. Sehr schade, denn, wie gut eine Rapshow mit einer richtigen Band aussehen kann, konnte man 2012 mehrfach bei Casper und seiner Entourage beobachten.

Die Show bleibt erstaunlich überraschungsarm 

Um 21.30 Uhr begann dann also die Casper-Show, welche von DJ Stickle eingeleitet wurde, welcher aktuelle HipHop-Chartstürmer auf das Publikum abfeuerte. Die Stimmung steigerte sich dabei kontinuierlich und zum Ende des kurzen DJ Sets betrat Casper, bekleidet mit Liam Gallagher Gedächtnisparker, die Bühne des Ringlokschuppens. Der DJ haute noch ein Sample raus und Casper rappte den Youtube-Hit "Halbe Mille" gemeinsam mit dem Publikum. Leider sollte dies der einzige neue Song des Abends und auch das einzig neue Element in der Show bleiben. Denn als mit dem Ende von "Halbe Mille" der Vorhang fiel und den Blick auf Caspers Band preisgab, wurde mit "Auf und Davon" in das bewährte Festivalset des Jahres 2012 übergeleitet. Eine bewährte Show irgendwo zwischen Indierock und Hip Hop, klar dominiert von den XOXO Songs. Eine sichere Bank – definitiv! Aber erstaunlich überraschungsarm bleibt die Show leider auch. Kein Feature mit Prinz Pi, keine neuen Samples innerhalb der Show und die ewig gleichen Ansagen seit inzwischen zwei Jahren (Jetzt nur die linke Seite schreien! Jetzt die Rechte! Wer ist lauter? - Unentschieden.). Für ein Heimspiel kommt Casper dann auch mit einer erstaunlich kurzen Zugabe aus. Zum Ende gibt es "So perfekt" - mit der inzwischen auch bekannten Drunken Masters Remixversion. Es sollte die einzige Zugabe bleiben. Das Publikum, welches an diesem Abend allerdings sehr, sehr jung erscheint, gibt sich dennoch vollauf zufrieden. Oder man war doch zu sehr mit dem Erstellen seiner Handyvideos oder dem kreativen zur Schau stellen von Knicklichtern beschäftigt. Und warum zur Hölle schminkt man sich als Katze, wenn man zu einem Casper-Konzert geht?

Was kann man nun aus der Geburtsstunde dieses Festivals als Fazit ziehen? Von der organisatorischen Seite dürfte sich dieses Indoorfestival einen Spitzenplatz in den Herzen der Besucher erspielt haben. Wir sind gespannt auf die nächste Ausgabe...