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Datum: 23.07.2012

Serengeti Festival 2012

Das Festival, dem man beim Wachsen zusehen kann

Schloß Holte-Stukenbrock (as)    Schon zum siebten Mal lud Ostwestfalens größtes Open Air Festival zum Tanz. Beinahe 10.000 Besucher täglich sind dem Ruf gefolgt und haben drei Tage lang das Gelände neben dem Sarafipark zur Musikhochburg gemacht. Nachdem ihr euch bereits die Bilder ansehen konntet, folgt jetzt ein Kommentar zum Festival selbst und natürlich zu den Künstlern und Bands.

Deichkind bilden den abwechslungsreichen Abschluss des Festivals. Foto: Marcel Linke

Seit sieben Jahren sorgt das Serengeti Festival für gute Festivalstimmung im trüben Ostwestfalen. Aus dem
Festival-Galerie 1
Festival-Galerie 2
Ausflug in den Safaripark
Homepage vom Serengeti Festival
Dorffestival wurde schnell ein Festivaldorf, zumindest für ein langes Wochenende pro Jahr. Vor zwei Jahren musste gar das Gelände gewechselt werden. Es war zu klein für große Pläne. 2012 ist das Serengeti Festival bereits ein nicht wegzudenkender Faktor in der hiesigen Musikszene und lockt mit internationalem Line-Up sowie nationalen Headlinern mehrere tausend Besucher an. Höchste Zeit, dass sich auch Music2Web eine Meinung bildet. Also waren wir dieses Jahr zum ersten Mal für Euch vor Ort.

Das Festivalgelände ist schnell beschrieben: Es gibt eine Hauptbühne, einen Koloss, der so auch auf den wirklich großen Festivals stehen könnte. Dazu gibt es eine Zeltbühne, die zwar eine bescheidene Größe aufweist, dafür aber ordentlich Wumms in den Boxen hat. Das Drumherum an Fressbuden und Bierständen ist überschaubar. In wenigen Minuten ist das komplette Gelände erkundet, viel zu entdecken gibt es nicht. Allerdings ist alles Wichtige schnell zu bekommen; Döner, Eis, Bier und Kippen gibt es ohne langes Warten. Menschenmassen wie beim Ring oder auf dem Hurricane gibt es hier nicht. Das wirkt im ersten Moment seltsam leer, man gewöhnt sich aber schnell an die entspanntere Atmosphäre.
Der Stress, der uns auf großen Festivals aufgrund von Bandüberschneidungen an den Rand des Wahnsinns treibt, bleibt einem auf dem Serengeti Festival erspart. Die Bühnen werden hier abwechselnd bespielt, was eine komplizierte Favoriten-Zielkonflikt-Planung umgeht und Konflikten unter Freunden vorbeugt. Der Nachteil: es wird schwer einer Band, die man nicht mag zu entkommen! Egal wo du dich auf dem Festivalgelände befindest, die Hauptbühne ist laut genug, um den Weg in deinen Gehörgang zu finden.
Das Publikum auf dem Serengeti ist sehr divers. Nicht nur die beträchtlichen Altersunterschiede springen ins Auge, auch die unterschiedlichsten Subkulturen feiern hier gemeinsam die Musik. Punks, Metaller und Hardcorekids teilen sich den Platz vor den Bühnen mit Rastafaris, Indierockern und der Dorfjugend. Dem abwechslungsreichen Line Up sei Dank.

Unter den Besuchern stößt man auf viel Lob, aber auch auf Kritikpunkte. Das gute zu Erst: Durch die geringe Größe ist das Serengeti das perfekte Einsteiger-Festival. "Im Vergleich zum Ring, ist das Serengeti eher eine WG-Party", sagt uns Laura. Der starke Lokalfaktor sorgt dafür, dass man immer jemanden kennt. Darüber freut sich auch Jonas, der dieses Jahr alleine gekommen ist, aber keine Angst haben muss alleine zu bleiben. "Irgendwen trifft man hier immer."
Unzufrieden sind die meisten Befragten mit den vielen Zusatzkosten. 5,- fürs Parken (für jedes Parken! Für Pendler wird das also richtig teuer), Wassertoilette 1,- , ein Festivalbändchen aus Stoff für einen extra Euro. - Das ist für viele Besucher unverständlich. Im Vorjahr hat auch das Duschen 2,- gekostet.
In diesem Jahr ist die Dusche kostenlos, dafür ist der Campingplatz nicht mehr direkt mit dem Festivalgelände verbunden. Das sorgt für lange Wege und Missmut. Auch der neu eingerichtete Shuttlebus-Service überzeugt die meisten noch nicht vollkommen. Aber genau das ist es, was den Reiz des Serengeti ausmacht. Da sind sich Laura und Nils einig: "Es wird jedes Jahr besser, hier ist die Entwicklung richtig spürbar." Auch wenn die beiden in vielen Punkten Verbesserungsbedarf sehen, kommen sie gerne jedes Jahr aufs neue zum Serengeti Festival.

Soviel zum Drumherum, kommen wir zum wesentlichen: 43 Bands, an 3 Tagen auf 2 Bühnen. Natürlich konnten wir nicht jede Band sehen bzw. dann auch über jede Band schreiben. Wir haben es dennoch versucht.


Serengeti Tag 1:  

Wie im letzten Jahr darf eine lokale Band das Festival eröffnen. My Adorable (Fotos) aus Bielefeld konnten sich im Facebook-Voting durchsetzen und werden mit dem begehrten Slot auf der Hauptbühne belohnt. Die Band spielt Post-Hardcore mit harten Riffs und Cleangesang. Ab und zu durch Screams ergänzt, macht das - nicht zuletzt wegen leichter Soundschwierigkeiten - einen soliden Eindruck, kann aber noch nicht komplett zugreifen. Die Band sollten wir uns nochmal bei einem Clubkonzert anschauen.

Weniger Probleme hatten die Norweger von The Carburetors (Fotos). Auf ihrem Banner steht in großen Lettern "Fast Forward Rock'n'Roll" und dieses Motto nehmen sie Ernst. Als Intro hören wir das Knattern eines Motorrades, die Musiker erscheinen in schwarzem Leder und posen was das Zeug hält. Harte Jungs, die das Rock-Klischee leben - Rock'n'Roll 4 ever!

Musikalisch in einer anderen Richtung, aber kein Stück weniger prollig spielen Deez Nutzs (Fotos) "Party Hardcore", wie sie es selbst nennen. Grooviger HC-Punk mit Hip-Hop-Einflüssen und Texte übers Saufen wecken beim Publikum Bewegungsdrang. Zu den bekannten Songs "Stay True", "Like There's No Tomorrow" und "I Hustle Everyday" wird der Pit eröffnet. Mosh, Circle-Pit, Wall of Death, etwas 2Step und sogar Crowdsurfing sind zu sehen. Mein Glaube an die Menschheit wird wieder hergestellt, als einer der aus der Menge gefischten Diver versucht einem im nassen Boden ausgerutschten Security aufzuhelfen. Immer hilfsbereit die Moshcrew. Obwohl die Deez Nuts ein derbes Brett an Gitarrenwänden raushauen, ist der Sound vor der Bühne noch etwas leise.

Das ändert sich erst bei Callejon (Fotos). Auf der Bühne stehen für jeden der beiden Gitarristen gleich acht 4x12 ENGL-Boxen, aber daran wird es wohl nicht liegen. Der Bereich bis zum zweiten Wellenbrecher ist jetzt gut gefüllt und die Menge feiert die Musik der fünf Düsseldorfer. Callejon bleiben aber, trotz relativ guter Show, Geschmackssache.

Die erste Band, die mich ins Zelt treibt, ist Dampfmaschine (Fotos). Die spielen verstörenderweise oben ohne und wirken vollstramm. Was im ersten Moment peinlich aussieht und eher zum Fremdschämen einläd, verdient einen zweiten Blick. Denn diese Band ist tight. Die Osnabrücker Jungs nennen ihr Genre "Immer Dampf!" und so klingt es dann auch. Rock-Riffs und ein verrückter Sänger, der seine Wampe mit Stolz trägt. Spielfreude und eine achtenswerte Stageperformance lassen den Funken überspringen und die Besucher im Zelt packen den Pogo aus.

Zurück an der Hauptbühne müssen Ignite (Fotos) einen Ausfall ertragen. Sänger Zoli musste sich einer Not-OP unterziehen und so hatte Ersatzmann Jon (Sänger der Band SENSEFIELD) nur vier Tage Zeit alle Ignite-Songs zu lernen! Der Auftritt auf dem Serengeti ist der erste Gig mit Jon und leider merkt man die Unsicherheit. Was nichts daran ändert, dass Ignite mächtig loslegen. Songs wie das U2-Cover "Sunday Bloody Sunday", "Bleeding" oder "Veteran" kicken halt immer und durch gesangliche Unterstützung seitens Gitarre und Bass ist das trotzdem ein guter Auftritt. Jon wird sicherlich mit jedem weiteren Auftritt besser werden. Das ruhigere "Live For Better Days" singt er schon jetzt mindestens genausogut wie Zoli.

Noch besser singt nur Jennifer Rostock (Fotos). Mit diesem Auftritt hat sie wohl alle Anwesenden davon überzeugt, dass sie mehr ist als eine heiße Mietze, die wegen ihrer Tattoos gehyped wird. Jennifer kann singen, sie kann tanzen. Auch schreien kann sie, aber vor allem kann sie Stimmung machen. Nicht nur durch gute Songs wie "Feuer" oder "Du willst mir an die Wäsche", sondern vor allem durch ihr vorlautes Mundwerk. Diese Ansagen sind alles andere als jugendfrei, verherrlichen Alkoholmissbrauch und proklamieren freien Sex. Bei den obligatorischen Festival-Mitsing-Spielchen teilt sie das das Publikum in rechte Schamlippe, linke Schamlippe und den Kitzler in der Mitte, mit dem sie am meisten Spaß habe. Zu "Irgendwo Anders" gibt sie einem 16jährigen Fan zwar keinen harten Alkohol (der ist ja ab 18), aber trotzdem einen Lapdance. Der arme Junge war mit der Situation vollkommen überfordert und konnte sein Glück kaum begreifen. Überhaupt wird viel getrunken auf der Bühne, denn Saufen ist ja bekanntlich das A und O. Jennifer Rostock haben selber fast den meisten Spaß auf ihren Shows. Den Eindruck macht es zumindest. Aber auch die Besucher des Serengeti Festivals sehen alles andere als traurig aus. Wo man hinsieht, feiernde Menschen jeden Alters. Die Sonne kommt wieder raus und bei "Himalaya" zeigt sich sogar ein Regenbogen. Zum Schluss der Party zeigt Nico (Shouter bei War From A Harlots Mouth), dass sein Featurepart im Song "Es war nicht alles schlecht" live noch mehr Arsch tritt als auf der Aufnahme. Denn wenn er die Bühne betritt, dann gehört die Bühne ihm. Selten eine solche Bühnenpräsenz erlebt. Dagegen sieht auch Jennifer klein aus, auch wenn sie sich beim letzten Song "Nenn mich nicht Jenny" nur noch mit einem BH bekleidet die Seele aus dem Leib schreit. Tolles Konzert, mit viel Herz und Spaß bei der Sache wurde das Publikum zum toben gebracht.

Heaven Shall Burn (Fotos) sind nun in Zugzwang und kloppen direkt als Opener "The Weapon They Fear" raus. Besser kann ein Konzert doch nicht anfangen. Dazu viel Nebel und nochmehr Lichtshow. HSB bohren da ein dickes Brett und hauen tiefe Kerben in ungeschützte Besucherohren. Doppelbass und Gitarrengewitter. Nachdem die Sonne untergegangen ist, sind die fünf Thüringer der hellste Stern über der Senne. Die aufgeregt leuchtende Bühne zeigt was die moderne Lichttechnik zu bieten hat.

Nach einer Stunde Spielzeit reicht es dann aber auch und die Menschen bereiten sich auf den heutigen Headliner Kraftklub (Fotos). Die nehmen sich Zeit für ihr Bühnenbild. Ein großes K thront hinter dem Schlagzeug, besetzt mit dutzenden von LEDs. Riesenhafte Hände rahmen auf beiden Seiten die Bühne. Die Band aus Karl-Marx-Stadt zeigt eine routinierte Show mit allem, was die Leute hören wollen. "Ich hau rein", "Songs für Liam", auch "Ich will nicht nach Berlin" fehlt nicht. Dazu viele Ansagen von Frontrapper Felix. Der fordert zu später Stunde noch eine ganze Menge vom Publikum. Mitklatschen, Mitsingen sowieso, aber auch springen und gemeinsames hinsetzen steht auf dem Work-Out Plan. Manchmal ist weniger mehr. Manchmal ist auch mehr mehr - Ansichtssache. Kraftklub sind heute eher mehr, denn sie spielen auf den Punkt und reißen die Zuschauer mit. Als sich viele am Ende des Konzertes von Felix Ansage hinters Licht führen ließen und sich seelisch auf "Kein Liebeslied" einstellten, setzte die Band noch einen drauf und sorgte mit "Scheißindiedisko" für einen krachenden Schlusspunkt. Da ließen es sich die Deez Nuts Leute auch nicht nehmen am Bühnenrand mitzutanzen.

Weitere Fotos vom Freitag: Das Pack, Dear Lament, Egotronic, Eyehategod, Tantrum to Blind, The Turbo AC's


Serengeti Tag 2:


Am zweiten Festivaltag ist es voller geworden. Vielleicht liegt das daran, dass die H-Blockx heute als erste Band spielen. Der Andrang am Einlass ist so groß, dass viele die ersten Songs nicht miterleben. Die Mülltonnen vor dem Einlasszelt werden also kurzerhand per Crowdsurfing wegbewegt. Dann geht das mit dem Schlangestehen ja schneller. Kreative Köpfe auf dem Serengeti. Die gute Stimmung und den gefüllten Bühnenvorhof machen sich dann die Emil Bulls (Fotos) zu Nutze. Um die Band war es lange ruhig geworden und jetzt stellt sich die Frage: Warum eigentlich? Die Band überrascht mit aggressiven Riffs und knüppeldem Metalgrooves. Bassist Citnoh macht einen super Eindruck und ergänzt mit seinen Growls die Stimme von Sänger Christoph, der sich für seine Shouts ein zweites Mikrofon hat aufbauen lassen. Vor der Bühne wir geklatscht. Entweder in die eigenen Hände oder in fremde Gesichter in einem der zahlreichen Circle Pits und Crowdsurf-Versuche. Ein überzeugender Auftritt von einer Band, die zu lange verschwunden war.

Auch Against Me! (Fotos) überzeugten auf ganzer Linie. Ob Tom Gabel seine Geschlechts-OP schon hinter sich hat bleibt dennoch fraglich. Laura Jane Grace sieht man ihre Weiblichkeit nur bedingt an und ihre Stimme klingt auch immer noch sehr männlich.

Über die Geschlechts-OP der Frontfrau von Against Me! können We Butter The Bread With Butter (Fotos) übernicht nicht reden, da sie wohl nicht viel von der Band gesehen haben.. Dennoch lassen sie das Zelt beben. Die Menge feiert die Quatschcore Band aus dem Spreewald heftig und zeigt Einsatz im Pit. Die bekannten Aushängeschilder der Band "Alle meine Entchen", "Schlaf Kindlein Schlaf" und "Breekachu" kommen auch auf dem Serengeti gut an und zum Breakdown wird Pogo getanzt. Das hat man auch nicht oft gesehen.

Der Pogo gehört ja eigentlich zur Hauptbühne, wo im Anschluss an WBTBWB ZSK (Fotos) ein weiteres Konzert ihrer Reuniontour spielen. Die Punkrocklegenden machen weiterhin Musik für erhobene Zeigerfinger und gegen die Drecksnazis. Heute spielen sie zum ersten mal einen ganz neuen Song. Der heißt "Herz für die Sache" und wird, da niemand den Text kennen kann, live auf der Bühne in Gebärdensprache übersetzt. Ein netter Einfall, ich hab trotzdem nichts verstanden. Unmissverständlich ist die politische Ausrichtung der Band. Songs wie "Wenn so viele schweigen" und "küsst die Faschisten" sind eindeutig und machen klar, dass ZSK keine Lust auf braune Gedanken haben. Als Überzeugungsversuch verschenken sie Schnapps und ein nettes "The Passenger"-Cover. Gut 5000 Hände klatschen mit und freuen sich an der Sonne, die durch die Wolken bricht. Toilettenpapier fliegt durch die Luft und die Band verabschiedet sich mit "keine Angst". Die Menge dankt mit freudigem Pogo.

Danach wird es voll vor der Hauptbühne, denn Madsen (Fotos) sind an der Reihe. Darauf haben viele gewartet. Der Sound ist gut eingestellt und ist endlich auch laut. Madsen beginnen mit "Du schreibst Geschichte", kehren mit "Vielleicht" zu den Anfängen zurück, um dann einen vollkommen neuen Song zu spielen. Meiner Meinung nach gehen Madsen immer mehr in Richtung große Rockmusik; Stadionrock statt Clubgeschräbbel. Das neue Album "Wo Es Beginnt" erscheint am 17. August. Heute schon zu hören sind die Tracks "Alarm im Paradies" und "Baut wieder auf". Madsen-Fans dürfen sich darauf freuen. Wer Madsen heute nicht mag, wird aber auch das nicht mögen. Ich mag den letzten Song "Die Perfektion" und vor allem das ziemlich gut gemachte "Alex Clare - Too Close"- Metalcover. Chapeau!


Maximo Park (Fotos) stellen meinen Headliner dar. Was sie dieses Mal leider nicht wirklich verdienen. Natürlich bieten sie eine solide Show mit den nötigen Hits und einer guten Stimme. Aber in einer kalten Sommernacht muss da schon mehr kommen, um das Herz zu erwärmen. Bewegung ist nur bei Sänger Paul und Keyboarder Lukas zu beobachten, die übrigen halten sich doch stark zurück. Bassist Archis wirkt nicht so, als ob er Spaß hätte. Dafür hat aber das Serengeti Publikum Spaß und darum geht es ja. Die Menge ist wie immer auf diesem Festival sehr dankbar und applaudiert brav. Und auch wenn das Gesamtkonzert nicht sonderlich beeindruckt, so gibt es auch hier Stellen, die hängenbleiben. "Books from Boxes" ist so ein Moment, indem die Band unglaublich intensiv ist. Hier kann Paul zeigen, was in ihm steckt. Ein Großer Moment, Danke dafür.

Weitere Fotos vom Samstag: Crunch, Eschenbach, Massendefekt, Onkel Berni, Skindred, Street Dogs, Young Rebel Set


Serengeti Tag 3:

Der Sonntag beginnt mit Irish-Punk. Mr. Irish Bastard (Fotos) aus Münster spielen flotten Folkrock mit Flöte und Akkordeon. Highlight ist eine MC Hammer Can't Touch This- Einlage während "Last Pines On Me". Vor der Bühne ist ein wenig Tumult und die Leute wachen auf für den letzten Festivaltag.

Ebenfalls aus Münster kommt an diesem Tag der Bassist von Vierkanttretlager (Fotos). Hier spielt kein anderer als Jens Mehring (ehemals Ghost of Tom Joad) die tiefen vier Saiten der Band.

Fast könnte man meinen, dass am heutigen Tag nur Münsteraner spielen, denn auch Neaera kommen aus Münster, machen aber Metal. Metal? METAL! Neaera ist eine der besten deutschen Livebands. Und das weiß jetzt auch das Serengeti. Leider haben wir den Großteil des Konzertes verpasst, die Zeit aber gegen ein interessantes Gespräch mit Anti-Flag (Fotos) getauscht.
Dass Anti-Flag eine politische Band sind, ist auch nicht geheim. So macht die Band schon vor dem ersten Song Nägel mit Köpfen: "fuck racism! fuck sexism! and fuck police brutality!". Hits wie "This Is The End" und "Turncoat" lassen die Zuschauer ausrasten. Der Pogo regiert noch einmal aber auch Circle Pits sind zu bewundern. Punkrock kann so schön sein. Mit "The New Sound" und "Broken Bones" präsentieren Anti-Flag noch zwei Songs der aktuellen Platte, die jeden Fan, der diese noch nicht hat zum Kauf anregen sollten.

Am Sonntag Abend ist dann die Zeit gekommen für den ersten Hip Hopper auf dem Serengeti. Mit seiner Band die Freie Radikale GbR der Herzen macht Dendemann (Fotos) austreinen Garagen-Rap und überzeugt damit jedes Mal aufs Neue. Dendes Stimme röhrt wie gewöhnt, allerdings wie so oft auf diesem Festival zu leise eingestellt. Das ist gerade bei deutschem Sprechgesang recht ärgerlich. Dafür haut Dende die beste Ansage des Festivals raus, als er meint, dass es nicht nur hinter der Bühne, sondern auch vor der Bühne "tierisch" abgeht! (YEAH). Neben "Tierisch", spielt er noch "Nesthocker", "Es geht bergab" und als Finale die Erfolgssingle "Stumpf ist Trumpf 3.0". Wenn Dendemann spielt, dann lohnt es sich immer hinzugehen.

Das ist auch bei Cruel Hand (Fotos) der Fall, was aber irgendwie noch keiner mitbekommen hat. Denn das Zelt ist gerade vor der Bühne unwahrscheinlich leer. Dabei geht der groovige Hardcore der Jungs aus Portland genau auf die 12! Zugegeben für diese Art von Musik ist das Serengeti Publikum vielleicht nicht vorbereitet. Wirklich bewegen tut sich leider kaum jemand. Die harten Typen mit Deez Nuts-Shirt und Suicide Silence-Short sind sich mal wieder zu cool zum Tanzen, der Rest versteht die Musik nicht. In der Leere vor der Bühne tanzen Betrunkene und Kinder und dennoch ist das hier DAS Konzert des Festivals. Cruel Hand geben alles und rocken sich kaputt. Hier zeigt sich die Liebe zur Musik, nicht zum vermeintlichen Erfolg. Tolle Band, unbedingt im Club anschauen.

Clubkonzerte gibt Gentleman (Fotos) lange nicht mehr. Er füllt Hallen, oder Open Air Festivals. Vor der Bühne ist es recht voll geworden, die Leute möchten Gentleman hören. Das Wetter ist genau richtig dafür: blauer Himmel und strahlender Sonnenschein. Da wollen auch die Serengetigänger Marihuana legalisieren. Perfekte Bedingungen für entspannte Reggae-Rhythmen. Gentleman hat eine aufwendige Band mitgebracht. Neben Gitarre, Bass, Drums, Keyboard, Elektronikkram und einer Saxophonistin, stehen noch zwei Background-Sängerinnen auf der Bühne. Restlos alle machen dabei einen guten Job. Eine ausgesprochen professionelle Band hören wir da. Außerdem hören wir "Intoxication" und als Zugabe "Leave Us Alone" und "Dem Gone". Damit sind alle zufrieden.

Die Zufriedenheit wird auf die Probe gestellt, als das Warten auf Deichkind (Fotos) beginnt. Denn die verspäten sich um freche 25 Minuten. Ja klar, es gibt auf Deichkind-Konzerten viel aufzubauen. Aber das ist schon eine lange Wartezeit, wenn keine andere Band mehr spielt. Endlich beginnt die Show, leider mit einem endlos langem Intro. Die wollen uns wohl ärgern? Die Lichtshow beginnt. Schade, dass die Sonne noch scheint. Aber Deichkind lassen wir das heute mal durchgehen. Jetzt sind wirklich alle Besucher vor der Bühne und es sieht richtig richtig voll aus. 10.000 Menschen in der Senne, die auf eine Band warten. Und dann heißt es "Achtung! Alle Hände hoch!" und 20.000 Hände sind in der Luft. Der Vorhang, der die Bühne verdeckte fällt herunter und der Beat setzt ein. Bam! Die Deichkinder haben sich viel überlegt. Pfiffiger Bühnenaufbau und aufwendige Choreografien begeistern die Zuschauer. So fahren sie zu "Bück dich hoch" elegant auf Bürostühlen hin und her. Bei "Partnerlook" wird eine Modenschau inszeniert, in der sogar das Tandem aus der ersten Strophe den Weg auf die Bühne findet. Ausdruckstanz ist Deichkindstyle. Ein Deichkindkonzert ist organisierter Wahnsinn, der blinkt und im Dunkeln leuchtet. Lichtshow, tanzende Menschen, unglaublich viel Action auf der Bühne und Gratisalkohol für die vorderen Reihen. Es passt zu Songs wie "Arbeit nervt" und "Illegale Fans". Aber Deichkind waren mal Hip Hop. Das zeigen sie mit ein paar alten Songs. Als der Beat von "Bon Voyage" einsetzt sind alle Arme oben und wippen im Takt, wie das jeder HipHopper macht. Ferris MC haut direkt seinen Part aus "Reimemonster" hinterher. Diese alten Hits werden leider nur angespielt, aber immerhin.
Nach dem Oldschool-Zwischenspiel platzt die Bombe: "Roll das Fass rein" rollt wirklich ein Fass rein! Und darin sitzen die Deichkinder und rappen. Dabei wird das Fass durch das Publikum gezogen und schließlich auf der Bühne abgesetzt. Muss man auch erstmal drauf kommen. Zum Ende werden die dicksten Beats ausgepackt. Der Todesbass von Dizzee Rascals "Bonkers" leitet über zu "Limit". Leider ohne die Strophe von Buddy. Danach wird die Bühne dunkel. Ich wollte schon zufriedengestellt nach Hause gehen, aber es kommt natürlich noch "Remmi Demmi", was anfangs komplett vom Publikum gerappt wurde. Das ist eine riesige Party und nahezu 10.000 Menschen springen in den Nachthimmel und lassen das Serengeti Festival 2012 mit einem Knall enden.

Weitere Fotos vom Sonntag: Benzin, Cocoon Fire, Horisont


Der VVK für 2013 ist bereits gestartet. Das Frühbucher 3-Tages-Ticket inklusive Zelten ist für 60,00 € (zzgl. Vorverkaufsgebühren) zu bekommen. Ohne die Möglichkeit zu Zelten kostet es 55,00 €.