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Konzertbericht
Les Ardentes

Bands
50 Cent
Balkan Beat Box
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Dionysos
Edward Sharpe & the Magnetic Zeros
Joeystarr
Jon Spencer Blues Explosion
Marilyn Manson
Michael Kiwanuka
Milow
Morrissey
Mr. Oizo
Nathy Boss
Patti Smith
Soko
The Bony King of Nowhere & Friends
The Ting Tings
Warpaint
White Lies

Locations



Datum: 05.07.2012

Festival Les Ardentes 2012 in Lüttich/Belgien

Vier Tage Musik auf einer Insel mitten in der Stadt

Lüttich/Belgien (sd)    Das belgische Fesival Les Ardentes hatte auch in diesem Jahr ein Lineup, dass seinesgleichen sucht. Dies aber nicht, weil sie einfach nur de Creme de la Creme der Pop und Rockwelt auf die Bühne bringen, sondern weil es so breit gefächert ist, das wenige andere Festivals sich damit vergleichen können.

Marilyn Mansson - Live beim Festival Les Ardentes 2012 Foto: Sven A. Droste

Explizit als Electro Rock Festival betitelt schaffen es die Organisatoren auch in diesem Jahr einen Spagat zwischen den Genres zu schaffen, der mehr verbindet als trennt. Zudem schaffen sie es auch immer wieder Acts zu buchen , die man eher selten auf den großen Bühnen der Europas antrifft. So haben sie Patti Smith, 50 Cent, Marilyn Manson, Booka Shade und Mr. Oziomit vielen anderen zusammen auf ein Plakat schreiben können.

Donnerstag, 05.07.2012:

Der Donnerstag fing an mit Soko (Fotos). Die Französin die eigentlich Schauspielerin ist spielte im Zelt, das dieses Jahr zu einer ausgewachsenen Messehalle geworden war mit ihrer Band und ihre unbeschreiblichen ant auf und sich in die Herzen der Menschen. Wer sich fragt "Wer ist denn diese Soko?" Soko hört auch auf den bürgerlichen Namen Stéphanie Sokolinski und hatte 2007 mit I’ll Kill Her einen kleinen Hit. Beim Les Ardentes wechselt die kleine Französin zwischen Gitarre mit und ohne Strom, sitzt am Schlagzeug und gibt die Songs ihres ersten Albums I Thought I Was An Alien"zum besten.

Auf der Openair-Bühne standen dann Edward Sharpe & the Magnetic Zeros (Fotos). Alex Ebert, der Sänger der amerikanischen Indi- und Folkband, beschloss direkt zu Anfang der Show erst ein mal ein Bad in der Menge zu nehmen und war schneller von der Bühne und durch den Graben über die Absperrung als die Security gucken konnte. Insgesamt war die ganze Band sehr sympathisch und begeisterten mit ihrem aktuellen Album Here. Nebenbei, es gibt niemanden in der Band der auf den Namen Edward hört.

Warpaint (Fotos), ebenfalls aus den USA, bildeten danach den Stimmungsgegenpol in der Halle. Psychologisch düster kommen die Songs der vier Ladies rüber, an deren Debüt kein geringerer als John Frusciante geschraubt hat. Ihrem Sound entsprechend geben sich Warpaint recht verschlossen. Theresa Wayman, Sängerin und Gitaristin, versteckte ihr Gesicht über weite Strecjen hinter ihrer Mäne und zeitweise hockte sich auch auf dem Boden, das Mikrophon durch einen Haarvorhang verborgen, und drehte an ihren Effekten. Dazu war die Bühne fast die ganze Zeit in kühles Cyan und Magenta getaucht, was schon fast eine frostige Stimmung erzeugte.

Wieder auf der Openair-Bühne stand wieder Kontrastprogramm an. Hüpfen, Springen, Tanzen, Schreien und das ganze in sehr bunt, so könnte man die Show von Katie White und Jules De Martino aka The Ting Tings (Fotos) zusammenfassen. Es war einfach schön mitzuerleben, wie die beiden, ganz allein und nur zu zweit mit ein wenig Technik die Menge zum ausflippen brachten. Kaum zu glauben, dass ihre größten Erfolge That's Not My Name und Shut Up and Let Me Go schon vier Jahre alt sind, von der Wirkung auf die Zuhörer haben sie jedoch noch nichts eingebüßt.Schön war auch der Moment als Katie dem Frankophonen Liège ihre "Dankesrede" auf Französisch vorlas. Der Wille zählt und einiges ist wohl auch beim Publikum angekommen.

Patti Smith (Fotos), Godmother of Punk, war zu einem der wenigen Auftritte auf dem Europäischen Festland angereist und hatte Alt und auch erstaunlich viel Jung vor der Bühne versammelt. Wie das aber so oft mit Legenden ist, erscheinen sie live und in Farbe nicht mehr so groß und schillernd wie man sie sich vorgestellt hat. Patties Show war recht unspektakulär. Band, ein wenig Licht und los ging es. Mrs Smith hüpfte direkt zu beginn in den Graben und schüttelte ein, zwei Hände um dann schleunigst wieder zurück zu klettern und sich am Micro zu Postieren. Es gab nur relativ knappe Ansagen, aber in den wenigen Worten gab sie sich sehr charmant und auch ihre Sprechstimme ist recht beeindrucken. Und das Publikum war begeistert und wahrscheinlich sehr froh diese Legende auf der Bühne erlebt zu haben.

Als vorletzter Act für den Donnerstag auf der Hauptbühne geht eine britische Band an den Start. White Lies (Fotos) steht in großen weißen Lettern auf dem Bühnenhintergrund und Harry McVeigh am Mikrophon. Die Drei Briten werden in der live Formation noch an Keyboards an einer zweiten Gitarre unterstützt und schicken so eine recht fetten Sound auf die Reise in die Ohren der Zuhörer. Der Tenor bleibt aber auch bei den White Lies eher düster und melancholisch.

Die in deutschen Landen wahrscheinlich recht unbekannte französische Band Dionysos (Fotos) drehte in der Halle dann wieder gewaltig an der Spaßschraube. Mit Mathias Malzieu an der Spitze und am Mikrophon heizte die vierköpfige Band den Fans mächtig ein und Sänger Mathias schien mehr in der Luft als auf dem Boden zu sein. Schade, dass sich solch gute Livebands oft nicht über die Landesgrenzen verbreiten, an der Sprache wird es nicht liegen, denn Dionysos können beides, Englisch und Französisch.

Morrissey (Fotos), Großmeister der pathetischen Melancholie und großen Gesten, bildete den glamourösen Abschluss der open-air Konzerte am Donnerstag. Wie bestellt fing es an zu regnen, an einem Tag, der eigentlich trocken war. Alles zu Ehren des ehemaligen The Smith Sängers. Die show war, wie man sie sich vorstellen könnte voller Gesten und die Stimmung seiner Songs passte absolut zu Wetter, oder auch vice versa. Morrissey wechselte ein paar mal sein Hemd, eines davon versprach und gab es einem der Fans in der ersten Reihe. Ein optisches Highlight gab es noch. Boz Boorer, einer der beiden Gitarristen war als Dragqueen gekleidet und Mr. Morrissey ihn stellte witziger Weise als "Gaina Ttension" vor. Und eine nette Geste für die Gastgeber waren die belgischen Flaggen auf den Bassdrums von Eric Lewis Gardner.


Freitag, 06.07.2012:

Balkan Beat Box (Fotos) waren ein Erlebniss auf der Hauptbühne, das man nich hätte verpassen sollen. Die Band um Saxophonist Ori Kaplan und Drummer Tamir Muskat hatten die Meute vor der Bühne schnell mit ihren Beats und Balkan Sounds im Griff. Die New Yorker Formation sorge mit ihrem Stylemix aus Balkan Brass, Break Beats und Raps für eine Stunde bester Entertainment.

Booka Shade (Fotos) war der wohl wahrscheinlich einzige deutsche Act, dar im grenznahen Lüttich auf dem Programm stand. Walter Merziger und Arno Kammermeier brachten die Crowd im der Halle schnell in Bewegung und das Stimmungsbarometer stieg je mehr sie von ihren Tracks zum Besten gaben. Die Performance war leider etwas unspektakulär. Walter und Arno jeweils auf einem Podest mit E-Drums bzw. Elektrokram dazu ein wenig Licht, das war es.

Knaller des Tages war allerdings Marilyn Manson (Fotos). Dieser lies sein Publikum erst einmal eine 3/4 Stunde warten bevor er die Bühne betrat. Dann allerdings bot er eine effektreiche, auf den ersten Blick abwechslungsreiche Show. Künstlicher Schnee, Nebelkanone, Messermikro und Diktatorkanzel machten schon was her. Wenn man jedoch etwas genauer hin sah, lief jeder Song nach dem gleichen Schema ab. Song für Song nahm Mr. Manson das Micro samt Ständer und schmiss Ständer weg, den einer seiner Stagehands umgehend wieder einsammelte. Er sang, macht dabei mehr oder weniger provokante Sachen, bzw. spielte mit Assesoirs herum und am Ende jeden Liedes schmiss er das Mikro weg. Dann Licht aus oder Nebel zum Aufräumen. Eine Stagehand machte sich auf die Suche nach dem Mikrophon, was sich mal schwerer oder einfacher gestaltet, immer wieder jedoch den Einsatz einer Taschenlampe oder eines weiteren Paar Augen bedurfte. Und nachdem das gute Stück gefunden war, kam es auf den Ständer zurück. Unterm strich war es aber eine Gute Show und hohem Unterhaltungswert. So häufig bekommt Man Mr. Manson ja auch nicht zu sehen.

Samstag. 07.07.2012:

Jon Spencer Blues Explosion (Fotos) - 3 Mann, 2 Gitarren und 1 Schlagzeug und die fettesten Bässe, die je bei einer Band ohne Bass zu hören waren. Explosion ist auch die rechte Umschreibung für die Show der drei, Jon Spencer scheint von purer Bluesenergie betrieben zu werden. Songs der Band kann man nicht unbedingt als innovativ bezeichnen, sprühten aber auf der Bühne eine einen Charme und Motivation aus, die ihres Gleichen sucht.

JoeyStarr (Fotos) ist in der französischsprachigen Rap Welt eine Hausnummer und er eröffneter den Hip-Hop Reigen auf der Hauptbühne. Zusammen mit seinen Kollegen Nathy Boss am Mikrophon brachten sie die Menge ganz schön zum Bouncen. Im Publikum sah man entzückte Gesichter, oder man sah sie nicht, da ein großer Teil in den ersten Reihen mit JoeyStarr Masken angerückt waren. Gute Show und die Hip-Hop Crowd war schon mal für Monsieur Cinquante Cents bereit.

Death in Vegas hatten in der Halle mit ein paar technischen Problemen zu Kämpfen. Zuerst wollten die Synthies nicht, dann gab es bei Richard Fearless Probleme und der Start der Performance zögerte sich eine Weile hinaus. Eventuell wäre es besser gewesen, auf der Bühne etwas mehr Licht zu haben, dann hätten die Techniker leichteres Spiel gehabt und auch das Publikum ( und auch die Fotografen ) hätte etwas mehr gesehen.

Bei 50 Cent (Fotos) regnete es dann wieder in Sturzbächen, dass schien aber den meisten kein Problem (mehr) zu bereiten. Der US Star zeigte sich auch unbeeindruckt vom Wetter und legte eine lässig charmante Show vor, die keine Fragen mehr offen lies. Alle großen Hits waren dabei, vom Candy Shop bis zu Ayo Technology, da hat nichts gefehlt. Zum Schluss der Performance war das Publikum so gut angeheizt, dass es dampfte.

Sonntag, 08.07.2012:

Michael Kiwanuka (Fotos), der junge britische Sänger mit Ugandischen Wurzeln, spielte sich im späteren Späteren Sonntagnachmittag in die Herzen der Freiluftfreunde. Mit seinem souligen Album und der gleichnamigen Single Home Again hat er nicht nur europaweiten Erfolg, sondern er konnte auch zeitweise den Himmel über Lüttich zum strahlen bringen. Aber auch ohne Sonnenschein hätte es Michael Kiwanuka und seine Band mir Leichtigkeit geschafft die Seelen der Zuhörer zu erreichen und die Gesichter zu strahlen zu bringen, er hat halt eine gute, positive Ausstrahlung.

Eingerahmt von strahlendem roten und gelben Licht standen The Bony King of Nowhere & Friends (Fotos) zu begin ihres Auftritts auf der Bühne. Das Friends musste hier besonders groß geschrieben werden, denn der knochige König, der auch auf den Namen Bram Vanparys hört hatte eine Menge Freude mitgebracht. Nach mehrmaligen zählen standen zwischen zwölf und vierzehn Musiker auf der Bühne. Obwohl erst in den Mittzwanzigern, klingt die Musik Brams und seiner Freunde wie eine Reminiszenz und den Sound der 70er - schön verträumt und melancholisch.

Milow (Fotos), Erfolgsinterpret und Symphtieträger, Sunyboy und Entertainer, alle vier waren am frühen Abend auf der Bühne Es war schön zu beobachten, wie der aus Antwerpen stammende Jonathan Vandenbroeck, die Lütticher und die Angereisten mit You Don't Know, Little in the Middle, You and Me und natürlich auch Ayo Technology, was an diesem Aben etwas anders klang als am vorangegangenen, als 50 Cent das original performte, unterhielt. Auch nach der Show war Milow ein Popstar zu anfassen und nahm sich für die hinter der Bühne wartenden Fans Zeit, machte Fotos und gab Autogramme, bis er dann im Shuttle verschwand und von dannen rollte.

An vier Tagen, auf vier Bühnen gab es natürlich noch viel mehr zu sehen und zu hören. Soviel, dass man es gar nicht alles schaffen kann und sich fast nicht entscheiden kann was man den sehen will. Da waren ja auch noch Cypresshill, Yeasayer, M83 und, und, und. Auch im Elektrobereich gab es nach einige Schmankerl. Um nur einen zu nenne wäre da das DJ Set von Ex The Streets Mike Skinner, dass bestimmt auch ein nettes Erlebnis gewesen wäre. Aber so ist das immer auf Festivals, wie ein kleines Kind im Gummibärenland kann man sich nich wirklich entscheiden was man sehen will. Trockener und vor allem wärmer hätte es sein können. Das klappt vielleicht im nächsten Jahr, wenn es dann heißt Festival Les Ardentes 2013 auf der kleinen Insel mitten in Liège oder Lüttich oder Luik.