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Konzertbericht

Bands
Anti-Flag
Hostage Calm
Red City Radio

Locations
Kleine Freiheit



Datum: 24.04.2012

Anti-Flag in Osnabrück

Broken bones and broken glass, brocken hearts and broken heads...

Osnabrück (ml)    ... so lässt sich das Konzert von Anti-Flag in der Kleinen Freiheit Osnabrück in wenigen Worten zusammen fassen. Dass es aber nicht nur bei Zerstörung blieb, sondern auch politische und musikalische Statements eine große Rolle spielten durften die Besucher des Konzertes mit den Bands Anti-Flag, Red City Radio und Hostage Calm hautnah miterleben.

Justin Sane von Anti-Flag spielte in der Zugabe einen Song von seinem Solo-Album. Foto: Marcel Linke

Eigentlich ist die Kleine Freiheit ein denkbar schlechter Ort, um ein Punkkonzert zu zelebrieren. Die Bühne ist so
Fotos zum Konzert
Homepage von Anti-Flag
Homepage von Hostage Calm
niedrig, dass man ständig drauf fällt, wenn hinter einem der Hauch eines Moshpits seinen Pogotanz anfängt und die Decke ist so niedrig, dass man als Crowdsurfer ständig mit Gegenständen kollidiert.

Dennoch fand am vergangenen Dienstag ein sehr beeindruckendes, aber auch intimes Konzert mit Anti-Flag in der Kleinen Freiheit statt. Mitgebracht haben sie zudem noch Hostage Calm und Red City Radio.

Haben Hostage Calm noch die undankbare Aufgabe in einem fast leeren Club mit Wohnzimmeratmosphäre den Abend zu eröffnen, muss man trotzdem sagen, dass die Band Glück hatte überhaupt auf der Bühne stehen zu können. Wie sie ständig betonen glich die Anfahrt auf der Autobahn eher der Anfahrt auf einem Parkplatz. Gut, dass sie trotzdem da sind und schon einmal Hitze in den Club bringen, bevor mit Red City Radio für einige Konzertbesucher ein Highlight auf die Bühne kommt. Mittlerweile hat sich auch das Wonzimmer gefüllt. Ein harter Kern im Publikum kennt sogar die Text dieser, hierzulande eigentlich noch eher unbekannten, Punk-Band, die unter anderem mit Songs, wie "Two For Flinching" überzeugen können.


Ein gefährlicher Konzertanfang mit Anti-Flag

Bei drei Bands, die heute an den Start gehen, sind die Umbaupausen kurz gehalten. Dennoch gehen Anti-Flag erst um kurz nach 10 auf die Bühne. In der Kleinen Freiheit ist die Luft jetzt schon verbraucht, kein Wunder, das Konzert ist ausverkauft. Gerade vorne wird es jetzt zunehmend enger und pünktlich zum Beginn des Konzertes mit "The Project For A New American Century" etabliert sich ein Moshpit, wie ihn die Kleine Freiheit selten zuvor gesehen hat. Ein Moshpit, der dafür sorgt, dass gerade die erste Reihe regelmäßig auf die Bühne fällt und die Band dazu zwingt das Konzert nach dem ersten Lied kurzzeitig zu unterbrechen.

Da sich niemand verletzen soll werden die Besucher in der ersten Reihe gebeten sich stabiler hinzustellen. Dabei geht ein Fuß auf die Bühne, der andere bleibt unten. Es funktioniert. Zwar fallen gelegentlich immer noch Leute auf die Bühne, aber es sind weniger als zuvor. Und das, obwohl "Broken Bones" folgt. Und schon jetzt zeichnet sich ab, dass viele der neuen Songs, das Publikum zum Teil noch mehr begeistern, als ältere Songs. Bei den Chören ist aber trotzdem jeder im Publikum mit dabei.

Schwer haben es heute die zahlreichen Crowdsurfer. Es hängen ihnen diverse Scheinwerfer im Weg, vor allen Dingen die Spiegelkugeln werden von den Crowdsurfern ziemlich mitgenommen.


Eine ganze Show als politisches Statement

Schnell nutzen Anti-Flag, die ihre politische Gegeneinstellung ja quasi schon im Namen tragen, ihr Konzert auch um ihre Ansichten zu verbreiten, Solidariät mit den Hilflosen und Schwachen zu zeigen und sich gegen das System zu wenden. So gesehen lässt sich wahrscheinlich auch jeder Song der Band auf ein simples "Fuck The System" runter brechen, auch wenn es nicht wirklich so einfach ist. So erklärt Justin Sane, dass "General Strike" seinen Titel aus Solidarität mit den Menschen in Afrika, die tagtäglich von den westlichen Industrienationen ausgebeutet werden bekam.

Auch gegen Rassisten und Faschisten beziehen Anti-Flag klare Stellung. Nach einem Besuch im KZ Dachau, am Tag zuvor, wurde Bassist Chris Barker nachdenklich. Er möchte zwar keine schlechten Emotionen in der Konzert bringen, sagt er, dennoch sei es wichtig aus der Vergangenheit zu lernen. Wenn er aber das Publikum in der Kleinen Freiheit sieht, dann freut er sich über den Zusammenhalt und die Solidarität untereinander.

Politische Statements werden aber auch in vielen vielen Songs der Band verbreitet, die dadurch musikalisch aber nicht minder schlecht sind. "1 Trillion Dollar$" behandelt bspw. die Wertlosigkeit des Geldes, in Zeiten der Eurokrise und erhöhter Inflation in Europa ist der Song so aktuell, wie nie zuvor. Andere Songs haben Titel, wie "Hymn For The Dead", "The Neoliberal Anthem" oder "Fuck The Flag" und jeder Song hat Power, keine Frage. Punk-Power. Balladen sucht man vergebens, so dass Sänger Justin Sane eine Ballade künstlich einbauen muss. Nachdem die Band nach einer Stunde in die Zugabenpause ging, kam er allein wieder, um "For Pat" von seinem Soloalbum zu performen.

Ganz stillen kann die Band das Publikum damit jedoch nicht, welches andauernd "Die For The Government" ruft, ein Songtitel, den die Band sich für den Schluss aufbewahrt und dann natürlich auch spielt.

Knapp 70 Minuten lang legen Anti-Flag eine grandiose und furiose Punkrock-Show auf die Bühne der Kleinen Freiheit. Und obwohl der Club eher Wohnzimmeratmosphäre ausstrahlt, ist man doch hinterher erstaunt dadrüber, dass dieses trotz Moshpit und Crowdsurfern nicht komplett zerlegt wurde.

Im Sommer kommen Anti-Flag für einige Festivals, unter anderem das Serengeti Festival und das Omas Teich, zurück nach Deutschland. Wer sie bisher nicht gesehen hat, sollte sich die energiegeladene Show dann dort anschauen.
Nach diesem kleinen Gig und anderen kleinen Konzerten auf der "The Great Strike"-Tour bleibt der Band nur zu wünschen, dass sich in Deutschland ein (kommerzieller) Erfolg der Band einstellt, obwohl diese das wahrscheinlich auch gar nicht wollen.

Zu Bruch gegangen ist in der Kleinen Freiheit übrigens nichts. Alle Knochen, Lampen und Spiegelkugeln, Herzen und Köpfe blieben heile.