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Datum: 13.04.2012

Die Popsalon Trilogie – Episode II

Das Pandarium schlägt zurück

Osnabrück (mer)    Freitag der 13. = Popsalon 3.2. Dem gelungenen Auftaktabend sollten am zweiten Tag weitere interessante Newcomer und der heimliche Headliner des Festivals folgen. Erneut öffneten die Clubs Lagerhalle, Glanz&Gloria und die Kleine Freiheit ihre Türen um die musikbegeisterten und feierwütigen Osnabrücker in ihre Arme zu schließen.

Captain Capa entern das Glanz & Gloria beim dritten Osnabrücker Popsalon Foto: Mark Haake

Was man in der Jugend sündigt, zahlt einem das Alter heim. Und manchmal bereits einen Tag später. Scheinbar hat
Fotos zum Konzert
Samstag beim Popsalon
Donnerstag beim Popsalon
der erste Festivaltag, definitv aber die anschließende feuchtfröhliche Astranacht, sich ihren Tribut gesichert. Die Besuchermenge in der Osnabrücker Lagerhalle ist am zweiten Festivaltag deutlich kleiner ausgefallen als am Eröffnungstag. Dabei erwartet einen um 20:00 eine Band die sich vor allem durch ihre Einzigartigkeit auszeichnet. Wir kennen nichts vergleichbares und die Kombination aus Klassik und Techno scheint auch auf Papier gedruckt alles andere als schlüssig. Brandt Brauer Frick schaffen auf diese Weise nicht nur ihre eigene unverwechselbare Marke, sie stehen auch für Qualität.

Auch an diesem Abend haben die drei Jungs ihre obligatorischen Schlipse nicht vergessen und bieten eine Bühnenperformance der man die international gemachten Erfahrungen des letzten Jahres deutlich anmerkt. Auftritte beim Glastonbury 2011 oder beim Coachella 2011 führten unter anderem dazu, das man bereits beim ersten Ton des Konzertes merken konnte, dass hier drei professionelle Könner auf der Bühne stehen. Auch wenn das Trio in der Vergangenheit größere Menschenmassen mit ihrem zeitgenössischem Zwitter aus Klassik und Minimal Music verzücken durfte, nehmen sich die Drei auch an diesem Abend nicht zurück. Während die Band bei den ganz großen Festivals unseres Planeten auf ein ganzes Klassikensemble zurückgreift, bedienen sie sich heute verstärkt bei elektronischen Samples, in denen sie Versatzstücke klassischer Musik verarbeitet haben. Dennoch steht das Livespiel im Vordergrund und es ist sehr spannend zu beobachten welche Ideen und Wendungen die drei gut angezogenen Herren aus den Instrumenten zaubern. Denn ihre Liveperformance ist alles andere als vorhersehbar.

Gegen 22:00 hatten dann deutlich mehr Osnabrücker den Kampf gegen ihren Kater aufgenommen und füllten inzwischen die Lokalität, die an diesem Abend gleich zwei Konzerte von ganz besonderer Güte präsentieren durfte. Wie gut die Veranstalter das Programm an diesem Abend aufeinander abgestimmt hatten, merkte man, als mit Bodi Bill eine weitere Electroband die Lagerhalle beschallte. Eine Band deren Credo lautet: Genregrenzen sprengen. Auch das gelang den drei Berlinern an diesem Abend eindrucksvoll. Teilweise seltsame Kostümierungen lenkten jedoch nicht von dem qualitativ hochwertigen Electropop ab. Die Songs "Brand New Carpet" und "What" von der aktuellen Platte bewiesen verlässlich das vorhandene Hitpotential, welches in der Musik der Band innewohnt. Denn genau wenn die Band sich etwas reduziert und etwas zurücknimmt ist sie am stärksten. Einige Kompositionen des aktuellen Albums machen deutlich das man die Songs doch etwas überfrachtet hat. Live hingegen erlebt man die Songs in einer gänzlich anderen Qualität. Und so kann man jedem enttäuschtem Plattenkäufer von "What" nur empfehlen sich Bodi Bill live anzuschauen. Es wird einem gefallen.

Fast parallel zu den Electroklängen der drei Berliner von Bodi Bill, spielte Captain Capa im Glanz&Gloria. Die Band ist eine der jüngeren Neuverpflichtungen des Hamburger Indietroniclabels Audiolith. Musikalisch verorten kann man die Jungs irgendwo zwischen Supershirt, Egotronic und Frittenbude, garniert mit den ganz großen Popmelodien. Der Programmplan und die Unerbittlichkeit der tickenden Uhr zwang uns bei den sympathischen Jungs aus Bad Frankenhausen lediglich zu einer Stippvisite. Diese konnte jedenfalls mit einer erfreulichen Diagnose abgeschlossen werden. Der Patient lebt und wird sich prima weiter entwickeln. Wir freuen uns und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen, denn der Weg zum heimlichen Headliner des Festivals sollt der weiteste an diesem Abend sein. CRO sollte ab 23:30 in der Kleinen Freiheit die Menge zum ausflippen bringen.

Ausnahmsweise pünktlich betrat der junge Pandabär um 23:30 die Bühne in der Kleinen Freiheit. Der Laden war sehr gut gefüllt, und auch die Kalkulation der Veranstalter ging so gut auf, dass niemand draußen bleiben musste. Wer den neuen deutschen Hip Hop Stern bewundern wollte, sollte auch die Gelegenheit dazu bekommen. Von der ersten Sekunde an hatte Carlo den Laden für sich eingenommen und stellte sich passend vor: "Hi Kids ich bin Carlo, werft den Arm hoch und gebt mir ein "Hallo"" - Und natürlich schmetterten hunderte junge Osnabrücker Kehlen ein gewaltiges "Hallo" zurück. Auch wenn man hier nur einen DJ und einen MC auf der Bühne hatte, der Funke zwischen Künstler und Publikum sprang sofort über. Eins war klar, alle wollten hier und heute Abend nur eine fette Party feiern. Man jubelte und klatschte dem jungen Hip Hopper, welcher seine Musik gerne als Raop (Eine Mischung aus Rap und Popmusik) bezeichnet, gerne und ausgiebig zu. Zudem sang man mit was man konnte und sprang so hoch wie es ging, schließlich ist die Freiheit nach oben sehr begrenzt. Cro sang sich einmal quer durch seine beiden Mixtapes und wenn man sich den kreativen Output des Rappers, Sängers, Produzenten und Designers anschaut, dann wundert man sich das nach 50 Minuten bereits Ende war. So wurden einige Perlen unter seinen Tracks verschmäht, einige andere nur kurz angespielt. Dennoch besaß die komplette Show solch ein Tempo, dass Cro in seine 50 minütige Liveshow mehr reinpackte als Peter Maffay in ein drei stündiges Bühnenprogramm. Den Höhepunkt bietete eindeutig das mit dem Bloc Party Sample aufwartende "Rockstar", welches als Zugabe direkt nochmals dargeboten wurde. Bei solch einer heißen Show ließ es sich Cro nicht nehmen das Publikum dazu aufzufordern Kleidungsstücke abzulegen – gerne auch Unterwäsche. Man konnte jedoch keine H&M oder Miss Sixty BHs infolgedessen auf die Bühne fliegen sehen, es wurden lediglich Kapuzenpullis über dem Kopf geschwenkt – ja, so sind die braven Hip Hop Kids heutzutage. Oder man brauchte die wärmenden Klamotten für den Heimweg, denn der Samstag sollte ja auch noch folgen...