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Konzertbericht

Bands
Alin Coen Band
Dan Managan
Moop Mama
Rocky Votolato

Locations



Datum: 12.04.2012

Die Popsalon Trilogie – Episode I

Krieg der (Pop)Sternchen

Osnabrück (mer)    Bereits das dritte Jahr in Folge öffnete das grundauf sympathische Indoorfestival im niedersächsischen Osnabrück seine Salontüren. Dabei gaben sich erfahrene Popgrößen und aufstrebende Musiksternchen gegenseitig das Mikrofon in die Hand. Man teilte sich die Bühnenbretter die die Welt bedeuten in den Locations Lagerhalle, Glanz&Gloria und der Kleinen Freiheit.

Alin Coen spielte am Popsalon-Donnerstag in der Lagerhalle. Foto: Marc Erdbrügger

Donnerstagabend 20:00 Uhr. Die ersten Besucher des Festivals warten in der Lagerhalleauf den Auftakt des
Fotos zum Konzert
Samstag beim Popsalon
Freitag beim Popsalon
Popsalons 3. Die Alien Coen Band wird gleich die Bühne betreten und das musikalische Festprogramm eröffnen. Bis es soweit ist, hat der geneigte Besucher noch Zeit sich an der Theke mit Getränken für einen kurzweiligen Abend zu wappnen, mit alten und lange nicht mehr gesehenen Freunden zu schnakken oder aber auch einfach nur seine Blicke durchs Besuchermeer schweifen zu lassen. Entscheidet man sich für die letztgenannte Option so kann man feststellen, dass der Popsalon in Osnabrück angekommen ist. Die anfängliche Skepsis, gegenüber dem ausgewähltem Programm, scheint völlig unbegründet. In der Vergangenheit haben die Veranstalter des Festivals ein solch gutes Händchen beim Booking bewiesen, dass man ihnen scheinbar blind vertraut. Auch wenn mit der Alien Coen Band zum Start das bekannteste Sternchen – immerhin Bundesvision Song Contest Teilnehmer 2011 – des Eröffnungstages auf die Bühne gelassen wird, die Lagerhalle ist noch besser besucht als erwartet.

Versprach uns Alien Coen in einem Neujahrsgruß auf ihrer Website noch: "wenn es wärmer wird, wieder als Band auf der Bühne", betrat die junge Hamburgerin um 20:20 zunächst alleine die Bühne. Doch versprochen ist versprochen, schon bald folgte der Rest der Band und erfreute mit seiner Mixtur aus Folk-Rock und Singer-Songwritertum. Auch wenn die Band schon lange nicht mehr in dieser Formation auf der Bühne stand haperte es, kaum wahrnehmbar, lediglich am Feintuning im Zusammenspiel. Der angestrebte Perfektionismus und der Wille dem Publikum eine besonders tolle Darbietung zu präsentieren führten zu ständigen Bitten an den Tonmann ("Meine Gitarre ist zu leise" - "Können wir den Bass lauter!" -  "Monitor bitte rauf."), welcher sicherlich genau so schwer schuften musste wie die Dame und die drei Jungs im Rampenlicht. Als man sich dann auch noch über die "zischende" Nebelmaschine beschwerte, fragte man sich ob man hier eventuell doch bei Mariah Carey gelandet ist. Eine Frage die man mit fortschreitender Dauer und dann doch noch ansteckendem Sympathiefaktor klar verneinen musste. Die Band spielte sich mit einer erfrischenden Leichtigkeit durch ihr Songrepertoire von besonders poetischer Kraft. Diese poetische Kraft manifestierte sich vor allem in dem Song "Andere Hände". Ein Lied welches Alien Coen aus der Sicht einer Mutter geschrieben hat, welche ihr Neugeborenes in eine Babyklappe geben musste. Ein Song der so kraftvoll und anrührend daherkam das bei einigen Besuchern die Tränen über die Wangen kullerten. Großes Gefühlspopkino. Großartig!!!

Um 22:00 Uhr genügten nur einige hundert Meter per pedes um die zweite Lokalität des Abends zu erreichen. Das Glanz&Gloria. Auch hier war der Zuschauerzuspruch enorm. Und das obwohl die beiden eher unbekannten Singer-Songwriter Rocky Votolato und Dan Managan hier die Bühne und vor allem die Herzen der jungen Osnabrücker erobern wollten. Das Publikum zeigte sich hier eindeutig jünger als in der Lagerhalle, aber nicht weniger aufgeschlossen.

Zunächst durfte Rocky Votolato, der Mann mit angeborenem Künstlernamen, beginnen. Man merkte dem 33 Jahre jungen Texaner nicht an, dass dies einer der letzten Termin einer ausgedehnten Europa-Tour ist. So begeisterte er die Zuhörer mit einem schnörkellosen Akkustikset, welches seine Punkwurzeln nicht verleugnen konnte. Leider konnten wir nicht das ganze Set erleben und auch auf Dan Managan mussten wir verzichten, denn die glücklichen Umstände eines Festivals sind zugleich auch oft ein Fluch. Je besser das dargebotene Programm und angebotene Alternativen, umso schwieriger und schmerzhafter fühlt sich jede Entscheidung "Für" oder "Gegen" eine Band an. Und die Entscheidung "Contra" Dan Managan schmerzte, aber die Entscheidung "Pro" Moop Mama sollte mehr als entschädigen.

Um 23:00 Uhr durfte dann auch die Kleine Freiheit ins Geschehen eingreifen. Leider liegt der Club nicht so nah am "Glanz" wie die "Lagerhalle". Dennoch sollte sich der ca. zehnminütige Fußmarsch lohnen. Man hätte zwar auch auf den angebotenen kostenlosen Busshuttle zurückgreifen können, aber dieser war leider überhaupt nicht an die Spielzeiten der jeweiligen Bands angepasst.

Ausnahmsweise pünktlich betrat an diesem Abend die Marching Band Moop Mama die Bühne in der Kleinen Freiheit. Und so voll sieht man eine Bühne selten. Zehn Musiker bewaffnet mit zwei Posaunen, zwei Saxophonen, zwei Trompeten, einem Susaphon, einer Walking Bass und einer umgehängten Snare Drum. Mitgezählt? Da fehlt doch einer? Genau, MC Keno (einigen vielleicht bekannt aus der Hip Hop Formation Creme Freche) benötigt gar ein Megaphon, um gegen diese Brasswand anzukommen.

In der Vergangenheit machten Moop Mama durch so genannte Guerilla Konzerte von sich reden. Eine Modeerscheinung mit der in jüngster Vergangenheit die Bands Kraftklub und K.I.Z. gar keine guten Erfahrungen gemacht haben. Hier werden Parks und öffentliche Plätze besetzt und Spontankonzerte für die Anwesenden veranstaltet. Nicht selten wurden diese Gigs in der Vergangenheit von der Polizei beendet. Diese Gefahr besteht heute Abend nicht. Denn die Menschen die sich neugierig auf den Weg in die Kleine Freiheit machten waren schlichtweg begeistert. Moop Mama verstand es es die Masse in Bewegung zu versetzen und die Besucher für ihre Art von Hip Hop zu begeistern. Schnell kommt man bei den Jungs auf Vergleiche mit der Jazzkantine, LaBrassBanda oder der Young Blood Brass Band, aber irgendwie ist ihr Sound doch auch etwas eigenes. Vergleiche mit den ganz großen Namen im Genre brauchen die zehn Jungs jedenfalls nicht zu fürchten. Was Kraft und Ausdauer angeht, sind Sie diesen nämlich bereits überlegen. So nutzten die Jungs ihre Spielzeit bis 0:30 komplett aus, um danach die feierwütigen Osnabrücker in die Astranacht zu entlassen – zumindest diejenigen, die noch konnten und wollten, schließlich sollten noch zwei Festivaltage folgen...