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Konzertbericht

Bands
Dunkelschön
Letzte Instanz
Saltatio Mortis
Subway to Sally

Locations
Ringlokschuppen



Datum: 27.12.2010

Eisheilige Nacht in Bielefeld

Subway To Ringlokschuppen

Bielefeld (m2w)    von Karola Dette

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und mit ihm auch die Adventszeit. Vorbei die Tage der besinnlichen Weihnachtslieder, lauschigen Abenden unter'm Weihnachtsbaum und der hemmungslosen Schlemmerei bei diversen Festtagsmenüs. Es ist wohl der ein oder andere unter uns, der in diesen Tagen nur noch verstohlen auf die Waage blickt und leise den letzten Gänsebratenschmaus verflucht. Doch keine Sorge, denn Subway to Sally haben die perfekte allround-Lösung parat. In Scharen pilgerten am 27.12.2010 die Menschen in den Ringlokschuppen, um mit ihnen die "Eisheilge Nacht" zu feiern. Es gibt wohl kaum eine angenehmere Art um die angefutterten Pölsterchen loszuwerden, als zu rockigen Klängen wild in die Luft zu springen und zu tanzen, die leisen Töne von brachialem Gitarrensound aus den Ohren pusten zu lassen und die besinnliche Zeit mit einer alle Sinne begeisternden Konzertnacht zu beenden.

Bilder zum Konzert
Homepage von Subway to Sally
Homepage von Letzte Instanz
Homepage von Saltatio Mortis
Homepage von Dunkelschön


Dunkelschön

Den Abend eröffneten Dunkelschön pünktlich um sieben Uhr. Die Halle war zu dieser Zeit erst halb gefüllt, was allerdings wohl weniger an der Eröffnungsband lag, als vielmehr an den doch recht langen Schlangen an der Garderobe. Denn war es in der Halle auch angenehm warm, machte das Wetter vor der Tür dem Namen der Tour alle Ehre, so dass die meisten Besucher in dicke Mäntel gehüllt den Ringlokschuppen betraten. Die Stimmung war nichtsdestotrotz von Beginn an gut. Die 2004 formierte Band Dunkelschön, deren letztes Album im Jahr 2009 veröffentlicht wurde, wusste mit ihren mittelalterlichen Klängen das Publikum zum klatschen und mitwippen zu bringen. Sowohl die efeuberankten Mikros als auch das warme orange-grüne Licht, welches Anfangs die Bühne erhellte, schufen eine mystische Atmosphäre, in welche sich die kraftvolle und schöne Stimme der Sängerin Vanessa Istvan perfekt einschmiegt. Die Band bot eine große Bandbreite an Musik: von ruhigen Klängen und lieblich gesungenen Balladen bis hin zu kraftvollem Rock ist vieles vertreten, jedoch mit dem eindeutigen Schwerpunkt auf mittelalterlicher Musik. Nach einer halben Stunde ist der Auftritt bereits wieder vorbei und es bleibt der Eindruck: ein netter Einstieg, wenn auch wenig außergewöhnlich.


Letzte Instanz

Ein besonderes Schmankerl sollte die nächste Band werden: Zu den anderen drei Bands stießen an diesem Abend noch die Musiker der Letzten Instanz, die nur in Bielefeld und Bremen der Eisheiligen Nacht beiwohnen.
Im Laufe der Bandgeschichte von Letzte Instanz hat sich ihr Sound stark verändert und sich immer mehr von den üblichen Mittelalter-Rock Klängen entfernt. Dennoch passt die Mischung aus Folk-Rock, Klassik und elektronischen Elementen immer noch wunderbar in ein Konzept wie das der Eisheiligen Nacht. So wundert es auch wenig, dass bereits bei den erste Tönen die Halle beinah geschlossen die Hände klatschenderweise über die Köpfe hob. Auch Holly, der Sänger der Instanz, lässt von Beginn an keinen Zweifel daran, dass sie auf diese Bühne gehören und beginnt das Set mit "Dein Gott". Als er vor dem zweiten Song (Flucht in's Glück) das Publikum auffordert, die Hände zum Zeichen der Letzten Instanz zu erheben, wird schnell klar, dass sich ausreichend Konzerterprobte Fans dieser Formation im Saal befinden, denn sofort schnellen überall Hände mit zu "L" und "I" geformten Fingern in die Höhe. Mittlerweile hatte sich die vollständig Halle gefüllt, so dass sich ein recht beeindruckendes Bild bot.
Mit dem 5ten Lied "Tanz" vom Album "In's Licht" brachte die Band endgültig die Halle zum kochen bzw. tanzen. Die Kälte draußen schien endgültig vergessen und beim darauffolgenen Song "Komm!" schien die Hitze des Feuertanzes bis in die letzte Ecke der Halle vorzudringen, was wohl auch an den erstes Pyroeffekten des Abends lag. Gänsehautstimmung verbreitete "Wir sind allein", dessen Refrain vom Publikum lautstark mitgesungen wurde, während sonnenscheinähnliche Lichtstrahlen sich an den Hallenwänden zu abertausenden Sternen brachen.
Zum Schluss ertönte dann noch ein altbekannter Evergreen, denn kein Letzte Instanz Konzert ohne "Rapunzel". In guter alter Tradition wurde das Lied in der Mitte unterbrochen, um ein zweites reinzumischen. Dieses mal erfreute die Band das Publikum mit Song II von Blur. Ein insgesamt sehr gelungener Auftritt, der leider ein wenig vom Sound getrübt wurde. Dieser war in weiten Strecken sehr dumpf und schrebbelnd und die Band übertönte leider oftmals den Gesang von Frontmann Holly. Dies sollte sich auch während des Auftrittes von Saltation Mortis nicht ändern, was jedoch der Stimmung keinen Abbruch tat.


Saltatio Mortis

Um zehn vor neun enterten Saltatio Mortis dann die Bühne. Vom Stil her weniger mittelalterlich als Dunkelschön, jedoch mit deutlich stärkeren Mittelaltereinflüssen als bei der Letzten Instanz, fügten sie sich wunderbar in den Abend ein.
Mit dem Song "Rastlos" ging es gleich kraftvoll los und auch der erste Dudelsackeinsatz des Abends lies nicht lange auf sich warten. Bereits beim zweiten Lied konnten dann auch die Saltatio Fans ihre Stimmkraft beweisen und bei "Tritt ein" lautstark den Refrain schmettern. Auch die zuvor eher zurückhaltenderen Besucher auf der Empore wurden langsam wacher und klatschten begeistert im Takt mit. Im Gegensatz zu den anderen Bands verzichteten Saltatio komplett auf Pyrotechnik und ähnliche Showeffekte. Auch auf umfangreiche Bühnendeko wurde verzichtet. Saltatio taten das, was sie nun mal am besten können: mit ihrer Bühnenpräsenz und Energie das Publikum überzeugen. In guter alter Spielmannsmanier wurde auch ein Märchen zu gehör gebracht. Lasterbalk der Lästerliche, seines Zeichens Schlagzeuger, sowie Taktgeber und Mastermind der Band, berichtete von den bösen Gerüchten, Spielleute würden sich untereinander die Pest an den Hals wünschen. Alles Blödsinn, wenn dem so sei hätte ihm nach eigener Aussage Simon von Subway to Sally wohl kaum grade einen Drink an's Schlagzeug gebracht. Die Stimmung unter den Bands schien also durchaus heiter zu sein, was man den ganzen Abend über auch im Publikum bemerkte. Nach dieser kurzen Erzählstunde ging es kraftvoll weiter: "Der Worte sind genug gewechselt, lasst uns endlich Taten sehn" hallte es laut durch die Halle, während Sänger und Publikum die Fäuste kämpferisch in die Luft stießen. Neben altbekanntem erfreute die Band ihre Fans auch mit einem bisher unveröffentlichtem Stück vom nächsten Album, eine Hommage an Till Eulenspiegel. Eingängige Melodie, Leier und Dudelsackbegleitung, sowie eine einfach mitzusingende Zwischenpassage - das Stück gefiel und dürfte wohl bei zukünftigen Konzerten noch öfter das Publikum erfreuen. Danach ging es mit "Prometheus" und "Falsche Freunde" wieder klassisch mit altbekanntem weiter. Bei zweiterem hoffte der Saltatio Frontmann wohl zurecht auf "echte" Freunde, als er sich in guter crowdsurfing Manier durch die Halle tragen lies.


Subway to Sally

Kaum verließen die Spielleute von Saltatio die Bühne, da ertönten auch schon die erste Fangesänge der Subway Anhänger. "Blut, Blut, Räuber saufen Blut" hallte es aus allen Ecken. Ein wenig musste sich das Publikum jedoch noch gedulden. Um fünf nach zehn kündigten erste düstere Klänge das Erscheinen von Subway to Sally an. Während Bühne und Halle noch im vollkommenen Dunkel lagen, schallte die Stimme von Eric Fish tief und durchdringend durch den Raum, legte sich wie ein Schleier über die Menge und lies die ersten Zeilen der "Grabrede" verlauten.
Die Töne verklangen nur um danach mit treibenden Rockklängen zurückzukehren. Der erste Song "Henkersbraut" versprach ein mitreißender Anfang zu werden. Ärgerlicherweise wurde der Genuss dieses Liedes ein wenig von der Technik getrübt, denn weder Gesang noch Gitarre war über die Boxen zu hören. Glücklicherweise wurde das Problem im Laufe des Liedes behoben, so dass beim letzten Refrain der Sound von Subway to Sally kraftvoll aus den Lautsprechern dröhnte. Endlich stand also der Gastgeber auf der Bühne und wurde vom Publikum mit ohrenbetäubendem Jubel und sturmartigem Applaus begrüßt. Nach dem Erfolg beim Bundesvision Song Contest, sowie diversen Auftritten auf Festivals wie dem WOA, dem WGT oder Rock am Ring ist diese Band wohl den meisten ein Begriff und auch die Fangemeinde ist in den letzten Jahren stetig gewachsen.
Schon das zweite Lied sorgte bei wohl jedem für Gänsehaut. "Kleid aus Rosen" seit jeher eines der Lieder, bei dem das Publikum den Text selbst im Schlaf mitsingen kann, wurde in Bielefeld mit großer Begeisterung aufgenommen und von allen anwesenden gefühlvoll mitgesungen. Auch wenn es kein Weihnachtslied ist, kam doch für einen Moment wieder jene heimelige Stimmung auf, die man im Kreise der Familie beim singen der Weihnachtslieder erlebt. Wer es vorher noch nicht bemerkt hatte, den erinnerte Hr. Fish im Anschluss noch einmal an das Wesentliche: Der Gastgeber der Eisheiligen Nacht war auf der Bühne angekommen und sollte das Publikum entführen. Denn: "nun seit ihr alle Gefangene in unserer Welt, der Welt von Subway to Sally!".
Beim dritten Song "Feuerland" zeigten Subway einmal mehr ihre Vorliebe für Knalleffekte und heiße Showeinlagen. Im hinteren Teil der Bühne standen gleich zwei große Tische in Flammen, mittig zwischen den Musikern züngelten kleinere Feuer empor und auch Eric Fish wurde von links und rechts neben ihm hochschießenden Feuerfontänen eingeschlossen.
Danach ging es berührend weiter. "Kleine Schwester" bezeichnete Eric Fish auf dem Zita Rock diesen Jahres bereits als eines der persönlichsten Subway to Sally Stücke. Die ganze Bühne war in dunkelblaues Licht getaucht, welches die dunkle Grundstimmung des Liedes in die Augen und Herzen der Anwesenden trug. Während der Strophen wurde dann Stück um Stück etwas helleres Licht hinzugeschaltet, bis zum Refrain "Komm zu mir ins Licht" die Bühne wieder in weißem Glanz erstrahlte. Im weiteren Verlauf des Auftrittes bewies die Band, dass sie nicht nur äußerst erfolgreich darin ist rocklastige Stücke in ein akustisches Gewand zu kleiden, sondern dies auch umgekehrt beherrscht. Mit Krähenkönig spielten sie ein Stück, dass sonst auf der Nackt Tour Platz fand.
Mit "Schneekönigin" wurde dann auch der Name der Tour würdig in die Halle gebracht und das eisblaue Licht, in dem die Bühne erstrahlte, erinnerte einen für einen Augenblick wieder an die Schneeberge, die sich vor der Tür schweigend auftürmten und die in der Hitze des Abends teils in Vergessenheit gerieten. Aber nicht bei diesem Lied und so ließ es Subway im Refrain andächtig in der Halle scheinen. Als das Lied verklungen war schien für einen kurzen Moment selbst Eric Fish sprachlos, da das Publikum ungeachtet seines bereits für wiederholtes lautstarkes Mitsingen ausgebrachten Dankes sich nicht davon abhalten lies, den Refrain nochmals komplett durchzusingen. Überhaupt war das Publikum den ganzen Abend über erstaunlich gut bei Stimme, was die Stimmung immer wieder in Gänsehautfeeling übergehen lies. Doch lange blieb die atmosphärische Kühle nicht bestehen, denn bereits bei "Meine Seele brennt" tauchten orange und rote Feuer die Bühne wieder in ihr warmes Licht.
Eine Besonderheit wird wohl vielen noch lange im Gedächtnis bleiben: Da die Künstler von ASP nur bei dem Konzert in Potsdam anwesend sein werden, sang Eric Fish das Duett "Zaubererbruder" gemeinsam mit Holly von der Letzten Instanz. Beim "Veitstanz" durften dann einige Musiker von Saltatio Mortis wieder mit auf die Bühne und unterstützen die Band mit einem Dudelsacksolo.
Für's erste sollte danach Schluss sein und die Band verließ die Bühne. Doch nur für einen kurzen Moment, denn das Publikum forderte lautstark nach mehr.
Mit "Fatum" und "Sieben" wurden zwei altbekannte Stücke als Zugabe gespielt und danach ein zweites mal die Bühne verlassen. Die "Blut, Blut, Räuber saufen Blut" Gesänge wollten jedoch immer noch nicht verstummen und es war offensichtlich, dass hier wohl keiner ohne "Julia und die Räuber" nach Hause gehen wollte.
Bei einem derart überzeugendem Chor lässt sich natürlich keiner lange bitten und somit kehrte die Band ein zweites mal auf die Bühne zurück. Bevor es allerdings zum gewünschten und krönenden Abschluss kam, durfte noch einmal Alea der Bescheiden, der Sänger von Saltatio, mit auf die Bühne und gemeinsam mit Eric Fish den Siegessong des Bundesvision Song Contest "Auf Kiel" darbieten. Bevor um 00:00 Uhr dann endgültig Schluss war, durfte das Publikum nun auch endlich gemeinsam mit der Band "Julia und die Räuber" schmettern und es wird wohl der ein oder andere summenderweise mit einem Ohrwurm dieses eingängigen Liedes nach Hause gefahren sein.
Insgesamt ein absolut gelungener Abend, der jetzt schon Lust auf die nächste Eisheilige Nacht macht, wenn Subway to Sally wieder Spielleute und andere Freunde einläd mit ihnen die Bühne zu teilen.