Home

Taglist:

Allgemein
Jägermeister Rock:Liga
Konzertbericht

Bands
Die Mannequin
Friska Viljor
The Blood Arm
The Whip

Locations
Kesselhaus



Datum: 16.05.2009

Jägermeister Rock:Liga

And 12 points go to… Sweden!

Berlin (m2w)    ein Bericht von Maja Schäfer

Seit dem 22. September 2008 kämpften zwölf Bands nun schon zum fünften Mal um den Einzug ins große Jägermeister Rock:Liga Finale in Berlin. Doch zuvor musste so manche Hürde überwunden werden. In vier Teams, bestehend aus jeweils drei Bands hieß es zunächst: Touren, touren, touren und das Publikum von sich überzeugen. Denn selbiges entschied durch Applaus, wer am 16. Mai in die Hauptstadt reisen und den Titel "Jägermeister 09" mit nach hause nehmen durfte.

Bilder zum Konzert
Homepage von Jägermeister mit allen Infos


Als erste Band setzen sich die Kanadier Die Mannequin gegen Oceansize und Bloodlights durch und erreichten die Endrunde. In Gruppe B traf niemand geringeres als die Atari-Sound-Sensation des vergangen Jahres Crystal Castles auf die ebenfalls Electro-lastigen Metronomy und Shitdisco. Umso bedauernswerter, dass aus dieser Gruppe in Berlin niemand vertreten war. Nachdem Crystal Castles den Sieg davon trugen, aber aus terminlichen Gründen nicht am Finale teilnehmen konnten, rückten die zweitplatzierten Shitdisco nach. Auch diese Band stand heute im Kesselhaus jedoch nicht auf der Bühne. Im Vorfeld wurde eine Auflösung der Band als Grund genannt, auf offizieller Seite findet sich allerdings keine Bestätigung dieser Gerüchte.
Aus Gruppe C und D qualifizierten sich fürs Finale The Blood Arm und Friska Viljor. Aber auch The Whip, die in Gruppe C knapp den Sieg verfehlten, ersetzten ganz nach dem Motto "des einen Leid, des anderen Freud" Shitdisco und kämpften im ausverkauften Kesselhaus um die Jägermeisterschaft.

Als erste Band des Abends betreten Die Mannequin die Bühne. Die 22-jährige Frontfrau Care Failure setzt auf "sex sells" und räkelt sich von der ersten Sekunde an lasziv und ungeniert vor den zum größten Teil männlichen Fans der Kanadier.
Spätestens als Failure sich wiederholt in die Crowd schmeißt, entgegen allen Protestes der Security-Crew ihre Anhänger auf die Bühne holt und letztere sie per handgeschriebenen Plakaten zum Geschlechtsverkehr auffordern, steht fest: Der Punk-Rock des Trios steht bei diesem Auftritt eher im Hintergrund.
Jedermanns Sache ist das nicht: Die Gefolgschaft der Band ist sichtlich zufrieden mit der Vorstellung und grölt die Songs des ersten Albums "Unicorn steak" textsicher mit, den Rest des Publikums können Die Mannequin nicht für sich gewinnen.
Insgesamt hinterlässt der Auftritt der ersten Finalisten einen faden Beigeschmack – zu ordinär und ungewollt belustigend war das Gebaren der Frontfrau, zu derb und uninspiriert die Musik.

Einen größeren Kontrast zu Die Mannequin hätte man als zweite Band kaum auf die Bühne schicken können: The Whip aus England machen New Rave-Electro-Pop à la Klaxons, im Gegensatz zu letzteren sitzt bei The Whip allerdings eine zierliche Frau hinter dem Schlagzeug. Sie und ihre drei männlichen Band-Kollegen geben 45 Minuten lang alles.
Als Danny Saville dann "I can feel the heat" singt, würde ihm wohl ausnahmslos jede Person im Kesselhaus voll und ganz zustimmen. Schon beim zweiten Song des Sets ist der Frontmann von The Whip klitschnass, die Temperatur im Kesselhaus beträgt gefühlte 50 Grad – sowie es sich für eine richtige Meisterschaft eben gehört.
Leider scheint ein großer Teil des Publikums nach Die Mannequin den Ort des Geschehens verlassen zu haben und so ist es während des gesamten Auftritts von The Whip relativ leer im Zuschauerraum.
Stimmung kommt trotzdem auf und beim letzten Song gibt es kein Halten mehr: Unisono singt das Publikum "I wanna be traaaash", tanzt und klatscht – ermutigt durch Gitarrist Nathan Sudders - im Takt. The Whip hinterlassen bei vielen Ray-Ban-und-Stirnband-Trägern glückliche Gesichter, verschwitzte Shirts und einen alles in allem positiven Eindruck.

Nach einer kurzen Umbaupause heißt es: Ring frei für den dritten Finalisten und die wohl größte Überraschung des heutigen abends, The Blood Arm.
Sänger Nathaniel Fregoso und seine drei Bandkollegen haben das Publikum von Anfang an auf ihrer Seite und so ist es auch kein Wunder, dass sich mehrere Damen aus den Zuschauerreihen ohne zu zögern dazu bereit erklären den Frontmann, der nach eigener Aussage einen Unterschlupf in Berlin sucht, bei sich aufzunehmen. Doch Fregoso, der aussieht wie ein sehr feminines Mitglied von Panteón Rococó nutzt das Jägermeister Rock:Liga Finale nicht nur für die Wohnungssuche, er hofft außerdem seine zukünftige Ehepartnerin zwischen den weiblichen Fans zu finden. Und auch in diesem Fall bieten sich mehrere Mädchen bereitwillig an - Fregosos Auserwählte erhält schließlich als Hochzeitsgeschenk eine Flasche Jägermeister.
Aber auch die übrigen Besucher des Kesselhauses müssen nicht nüchtern bleiben: Jägermeister feiert mit dem heutigen Finale ein fünfjähriges Jubiläum und verteilt großzügig Shots des hochprozentigen Kräuterlikörs. Die feucht-fröhliche Stimmung erreicht ihren Höhepunkt als Fregoso, nachdem er sämtliche Boxen unsicher gemacht hat und mehrfach unsanft auf dem Boden des Kesselhaus gelandet ist, das Publikum in Moses-Manier in der Mitte teilt und bittet sich hinzusetzen. Dieser Aufforderung gehen ohne Ausnahme alle nach und Fregoso genießt nicht erst als er singt "Do I have your attention?" die Aufmerksamkeit, die seiner energiegeladenen Performance gebührt.
Nach knapp 40 Minuten folgt dann endlich der Song, auf den das ganze Publikum gewartet zu haben scheint: Fregoso stellt fest – wahrheitsgetreu wie wir dank des Auftritts von The Blood Arm inzwischen wissen – "I like all the girls and all the girls like me".

Wer die sympathischen Amerikaner jetzt allerdings schon mit der Jägermeister-Trophäe in den Händen sieht, hat seine Rechnung ohne Friska Viljor gemacht.
Kurz bevor die Band um Daniel Johansson und Joakim Sveningsson das letzte Konzert des Finales bestreiten, füllt sich das Kesselhaus plötzlich zusehends – allem Anschein nach hatten nicht alle Fans der Schweden Lust sich drei weitere Acts anzuhören und haben ihre Energie stattdessen für den Gig ihrer Lieblinge gespart.
Laut eigener Band-Website gäbe es Friska Viljor (zu deutsch: gesunder Wille) und ihre Gute-Laune-Musik heute nicht, wären die beiden Schweden Daniel und Joakim 2005 nicht etwa zeitgleich von ihren Freundinnen verlassen worden und hätten sie daraufhin nicht beschlossen ihre gesamte Energie der Musik anstatt ihren Angebeteten zu widmen. Ihre Songs schreiben die beiden Stockholmer Legenden zufolge übrigens nur in stark alkoholisiertem Zustand. Auf der Bühne des Kesselhauses wirken sie jedoch allen Gerüchten zum Trotz im Gegensatz zu großen Teilen des Publikums recht nüchtern.
Schon die erste Band, die ihr Können im Finale zu beweisen versuchte, musste mit Friska-Viljor-Fangesängen zurecht kommen, im Laufe des abends nahmen die „lalalala“-Chöre stetig zu. Kein Wunder also, dass das Publikum schon bevor der erste Akkord von Friska Viljors erfolgreichster Single "Gold" angespielt wird, schreit, tanzt und pogt.
Es folgen 45 Minuten ausgelassenes Feiern und grandiose Stimmung, von der sich selbst die wenigen verbliebenen Die Mannequin Fans anstecken lassen.
Den gelungenen Abschluss der diesjährigen Jägermeister Rock:Liga bildet schließlich die Single "one man" aus Friska Viljors aktuellem Album "Tour de Hearts".

Kurze Zeit später – das Publikum hat es kaum geschafft nach den wilden Tanzeinlagen Luft zu holen – steht auch schon wieder Moderator Axel Bosse samt vier "Trostpreisen" in Form von Gibson-Gitarren und der begehrten Jägermeister-Trophäe auf der Bühne.

Der Applaus für Die Mannequin und The Whip fällt etwa gleich stark aus, der für The Blood Arm überraschend gering. Keine große Überraschung hingegen ist, dass das Publikum - noch Endorphin-überschüttet vom letzten Auftritt - für Friska Viljor ein letztes Mal alle Kräfte zusammen nimmt bis das Applausometer beweist: Friska Viljor sind Jägermeister 09.
Die Vorjahressieger Mediengruppe Telekommander haben in den fünf Schweden einen mehr als würdigen Nachfolger gefunden.