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Konzertbericht

Bands
BAP

Locations
Ringlokschuppen



Datum: 23.03.2009

Auf Tour

BAP rocken den Ringlokschuppen

Bielefeld (m2w)    Am gestrigen Montag spielten BAP vor 1200 Leuten in der großen Halle des Ringlokschuppen. Mit dabei waren Anne De Wolff, die viele Lieder mit Geige und Backgroundgesang begleitet hat, und Julian Dawson, der am Ende im Duett mit Wolfgang Niedecken gesungen hat.

Bilder vom Konzert
Homepage von BAP



Meine Damen und Herren, bitte begrüßen sie aus der Stadt der heiligen drei Könige live und in Farbe: BAP



Gesagt, getan. Das Publikum folgte der Stimme des Ansagers vom Band. Obwohl die große Halle des Ringlokschuppens dieses Mal nichtmal zur Hälfte gefüllt war, wurde die Band dennoch jubelnd vom, durchschnittlich wohl um die 50 Jahre alten, Publikum empfangen.

Mit dem Titellied "Pandora" zur Radio Pandora-Tour und auch dem Titellied zum damit aktuellen Album ging die Band auf die Bühne.
Straighte Rockmusik mit Kölner Texten. Ein weiteres Lied folgte vom aktuellen Album.
Einigen dürften diese Lieder wohl unbekannt sein. Das sind dann vor allen Dingen diejenigen, die nur wegen den Klassikern da waren, von denen es auch noch genügend geben sollte.
Niedeckens Kommentar: "Auch wenn man ab und zu ein Stück nicht kennt ist es nicht so schlimm. Man muss nicht alles kennen. Man kann ja auch was dazu lernen, wenn man älter wird."

Es folgten "Sonx sinn Dräume" und der Klassiker "Nemm mich met", zu dem dann auch endlich das komplette Publikum im Ringlokschuppen da war. Und obwohl nur 1200 Fans im Ringlokschuppen waren, änderte dies überhaupt nichts an der guten Stimmung, die auch auf die Band überschlug.

Das Publikum mag die Band, nicht nur wegen ihrer Lieder, sondern auch und vor allem wegen den Geschichten, die Wolfgang Niedecken zu seinen Liedern erklärt. "Diego Paz wohr nüngzehn" hat eine solche Erklärung verdient.
Aber auch andere Live-Qualitäten hat die Band. So können sich die Musiker in den Liedern in minutenlange Soli verlieren und es sein ihnen auch gegönnt. So haben doch speziell die E-Gitarren-Soli von Helmut Krumminga eine Qualität, wie sie nur wenige E-Gitarristen erreichen. Abwechslung pur und zwischendurch immer wieder die Geschichten von Wolfgang Niedeckens Reisen.

Heiß erwartet wurde vom Publikum der Auftritt von Anne De Wolff. Sie spielte dann nicht nur einige wenige Lieder, sondern fing zusammen mit der Band bei "Duude Bloome" an, über "Rita, mir zwei", "Morje fröh doheim" und "Bahnhofskino" bis hin zu "Souvenirs" hat sie in die Saiten gegriffen. Und sie sollte auch später nochmal wieder kommen.

Auf dieses Set folgte einer der neueren "Klassiker" der Band: "Aff un zo". Ein Lied, welches selbst die MTV-Generation kennt, da es im Veröffentlichungsjahr auf allen Radiosendern und allen Musiksendern im TV auf Heavy Rotation gespielt worden ist. Hier war dann ausnahmsweise, trotz des Kölschen Dialekts, durch den sich BAP auszeichnet, das gesamte Publikum textsicher. Die nächste sehr große Möglichkeit sollte dann erst zum Schluss beim absoluten Klassiker kommen.

Es folgte der Unplugged-Teil, inklusive Bandvorstellung. "Für 'ne Moment" begleitet von Gitarre und Mundharmonika. Es endete damit, dass die gesamte Band auf der Bühne stand und im Chor mitgesungen hat. "Wat usser Rock'n'Roll" und "Prädestiniert" wurden dann unplugged-klassisch im Sitzen abgehalten.

Plugged ging es dann weiter mit dem Klassiker "Ne schöne Jrooß". Wieder etwas zum Abfeiern für das Publikum. Der weitere Klassiker "Kristallnaach" leutete dann mit "Bahndamm" das Ende des regulären Sets ein. Nach über 2 Stunden Spielzeit! Es gibt nur wenige Bands, die so einen langen regulären Teil spielen.

Und es gibt noch weniger Bands, die dann noch mehr als eine Stunde Zugaben geben (Das Publikum im Zugabenapplaus: "Jetzt geht's los!". Und sie hatten Recht.). Eingeleitet mit einem Zitat von Jack Kerouac wurde der erste Zugabenteil angekündigt:


Und wenn in Amerika die Sonne untergeht und ich auf dem alten verrotteten Pier am Fluß sitze und den weiten, weiten Himmel über New Jersey betrachte und all das rauhe Land vor mir sehe, das sich einem unglaublichen riesigen Buckel bis zur Westküste hinüberzieht, und all die Straßen, die hin und her führen, all die Menschen, die in seiner unermeßlichen Weite träumen, und mir sage, dass jetzt in Iowa wahrscheinlich die Kinder weinen, in diesem Land, wo man die Kinder weinen lässt, und dass heute nacht die Sterne am Himmel stehen werden - wusstest du nicht, dass Gott Pu der Bär ist? -, und dass der Abendstern herabsinken und sein matter werdendes Funkeln auf die Prärie muss, bevor endlich die vollkommene Nacht sich ausbreitet und die Erde segnen und die Flüsse in Dunkelheit tauchen und die Gipfel der Berge verhüllen und das letzte Gestade umschließen wird, und niemand, niemand weiß was einem jeden bevorsteht, außer den elenden Lumpen des Alterns, dann denke ich an Dean Moriaty, dann denke ich auch an Old Dean Moriaty, den Vater, den wir nie gefunden haben, dann denke ich an Dean Moriaty.

Jack Kerouac - On The Road (Unterwegs)



Mit "Wat für e' Blooch!" kam die Band zurück auf die Bühne. Über "Nix wie bessher" ging es in diesem ersten, über 20 Minuten (!) dauernden, Zugabenteil bis "Du kanns zaubre".

"Millione Meile" startete den vorletzten Zugabenteil. Auch über 20 Minuten lang. Zwei Klassiker beendeten dieses Set. "Helfe kann dir keiner", eine wunderschöne Ballade mit einem wunderschönen E-Gitarren-Solo von Helmut Krumminga und sehr viel Publikumsinteraktion (Und jetzt einmal die Männer den Refrain singen. Und jetzt nur die Frauen, die an diesem Abend ehrlicherweise in der Unterzahl waren).
Welcher einzige BAP-Klassiker kann so etwas noch toppen? "Verdamp lang her". Viel zitierte Rockhymne. Aber nur echt von Wolfgang Niedecken und Band. Mitsingen konnte hier ausnahmslos jeder. Ist ja auch ein Klassiker! Vom Best Of-Album "Dreimal zehn Jahre" kennt man das Lied, gesungen von Niedecken im Duett mit hochdeutschem Text von Thomas D. (Die Fantastischen Vier). Auf der Bühne im Ringlokschuppen war der britische Singer & Songwriter Julian Dawson, der folglich nicht hochdeutsch gesungen hat, sondern in seiner Muttersprache eine Strophe und Refrain auf Englisch.

Nicht lange warten musste das Publikum, als BAP wider Erwarten aller nach kurzer Besprechung noch "Für immer jung" (eingedeutscht von "Forever Young") spielte. Auch hier hatte Überraschungsgast Julian Dawson einen Part. Zu erst hat Niedecken auf Kölsch gesungen, die zweite Strophe übernahm dann Julian Dawson auf Englisch.

Nach weit über 3 Stunden Brutto-Konzert hinterließ die Band ein sehr glückliches Publikum. Dieser für Band und Fans wohl anstrengende Abend wird vielen noch lange in Erinnerung bleiben. "Maat et joot!"