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Konzertbericht

Bands
Apologies, I Have None!
Donots
Millencolin

Locations
FZW



Datum: 10.10.2015

Donots Tourauftakt beim Visions Westend Festival

Karamba, Karacho, ein Punkfest

Dortmund (as)    Das Visions Magazin kennt sich aus mit guten Livebands. Wenn solche Bands dann einmal im Jahr ins Dortmunder FZW eingeladen werden, heißt das 'Westend Festival' und mehr als 1000 Besucher sollten zusammen mit Apologies I Have None, Millencolin und den Donots einen intensiven Abend erleben. Die Karacho-Tour ist eröffnet und wenn es so weitergeht, wird es sehr gut.

Die Donots gaben beim Tourauftakt der Karacho-Tour alles. Foto: Marcel Linke

Einmal im Jahr feiert die Visions das Westend Festival im Dortmunder FZW. Dieses Jahr mit einem für uns sehr
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attraktivem Line Up, also ab in den Zug und Westfalen erleben. Nach einer gerollten Stärkung beim Ägypter in der Innenstadt, geht es zu Fuß durch den sonnigen Herbst in Richtung "U" und weiter in die Ritterstraße Nummer 20. Dort ist tatsächlich schon eine Schlange und kurz nach dem Einlass ist die erste Reihe vor dem Wellenbrecher besetzt. Der Rest des Saales wirkt zu der Zeit noch katastrophal leer und verlassen, weil diese Halle wirklich imposant groß ist; vier mal so groß, wie der kleine Saal! Und es macht Einiges her. Die große Bühne wird von Lautsprechern und Lichttechnik umhüllt, über der Menge schwebt ein futuristischer Lichtkreis, dessen Mitte eine Diskokugel veredelt. Von der Empore -inklusive eigener Bar- ist das alles gut zu überblicken und auch der Ton ist hier oben ausgezeichnet. Zur Einstimmung läuft Arcade Fire.

Pünktlich um 18:30 fängt das Festival an und der lange geheime "special guest" sind dann doch schlicht Apologies I Have None, die gerade sowieso mit Millencolin auf Tour sind. Was nun nicht bedeuten soll, dass wir uns darüber nicht freuen können. Es ist die Revange an den Wetterteufel, dem Apologies auf dem Serengeti Festival zum Opfer gefallen sind. Heute bekommen wir sie dann doch zu sehen. Die Londoner sind very british in ihrem düsteren, schweren aber auch erwachsenen Punkrock. Die Band verbindet melancholische Schwere mit aktiver Wut und präsentiert dies mit einer Stimme, die keinen Preis gewinnen würde und nur deshalb so gut funktioniert. Diese Jungs sollten öfter gespielt werden. Ich bin erst YouTube-Abonnent Nummer 504: Wir sollten das ändern.

19:20 Uhr. Die zweite Band ist an der Reihe und die freien Flächen vor der Bühne sind verschwunden. Millencolin, Helden so mancher Punkrock-Jugend sind mit neuem Album "True Brew" auf Tour und rocken als wäre es für immer 1992. Mit in der Setlist ist natürlich viel Neues, aber auch Hits wie "Penguins & Polarbears" und "Fox", die immernoch zünden und den Pogo entfachen. Schnell riecht es vor der Bühne nach Bier und Punkrock. Millencolin fragen zwar "are you 'alles klar' today?", doch die Frage erübrigt sich. Ein klasse Konzert mit viel Energie auf und vor der Bühne. Auch der Sound ist heute sehr gut und so hört und schätzt mensch die gute Leistung von Sänger Nikola. Fans werden belohnt mit vorsintflutlichen Perlen wie "Bullion" (Life on a Plate 1995) und "Twenty Two" (For Monkeys 1997). Im Blinklicht der Sirenen erfreuen wir uns noch an "Duckpond", bevor das Konzert nach einer Stunde mit "No Cigar" sein umjubeltes Finale findet.

Fehlt noch eine Band. Der Headliner. Die Donots! Zur seltsamen, subversiv wirkkräftigen Startzeit 20:57 Uhr schmettern die Ibbenbürener ihre neuen Protestsongs "Ich mach nicht mehr mit" und "Dann ohne mich" dem tobenden Publikum entgegen. Jetzt passt da kein Blatt mehr zwischen Menschenmenge und Wellenbrecher. Die letzte Reihe endet an der Wand. Von meiner Empore aus aber kann ich glücklicherweise Sehen, Hören und Bier trinken. Auch bei diesem Auftritt ist die Arbeit der Ton- und Lichttechniker zu loben. Schöne Blautöne in ruhigen Passagen und Strobo bei Normaltempo. Karacho ist ein guter Name für das neue Programm der Band, denn es geht mit Dampf nach Vorne und da wir hier den Tourstart der Karachotour feiern, wird hauptsächlich das aktuelle Album gespielt. Den Besuchern gefällt das gut und "Das Ende der Welt ist längst vorbei" wird lautstark mitgesungen. Für Fans von vor der Wende gibt es "Pick Up The Pieces" und "Stop the Clocks". Die Donots sind eine höfliche Band und dankbar. So wird noch brav der Visions und Millencolin gedankt, ohne deren Unterstützung die 20 Bandjahre anders ausgesehen hätten. Dem Publikum wird mit Action gedankt, in Form von einem Riesen-Circle Pit zu "Kaputt". Viele Bands haben nach "riesigen Circle Pits" verlangt, aber die Donots haben auch einen bekommen: Beeindruckend.

Bisher war das Konzert ganz ordentlich, aber zum Finale hin macht es richtig Spaß. Nachdem mit "Calling" das letzte Eis gebrochen wurde, wird die Akustikgitarre ausgepackt, um mit "Hansaring, 02:10 Uhr" einer gepflegten Münsteraner Kneipennacht zu huldingen. Bevor es dazu kommen kann, wird noch ein spontanes (?) Ramones-Cover eingeschoben. Aus "Blitzkrieg Bop" wird heute allerdings ein "Ho Hey Let's Stay", weil es so schön ist im FZW. Leider folgen nur noch zwei Songs: Das obligatorische Twisted Sister-Cover "We're not gonna take it" und das zum melodischen Mitgrölen einladende "So Long". Ein feiner Abschluss für einen feinen Abend.